PfadnavigationHomePanoramaEklat bei Stauffenberg-GedenkenLeiter von KZ-Gedenkstätte nennt AfD-Kranz „Affront“ – und fordert Preis für Bonhoeffer-GroßneffenStand: 11:00 UhrLesedauer: 4 MinutenBei der Gedenkveranstaltung zum gescheiterten Stauffenberg-Attentat im Bendlerblock hat Dietrich Bonhoeffers Großneffe Tobias Korenke versucht, einen Kranz der AfD-Bundestagsfraktion zu entfernen. Sehen Sie den Moment hier im Video.Der Großneffe von NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer sorgt beim Gedenken an das gescheiterte Hitler-Attentat für einen Eklat, indem er einen Kranz der AfD entfernen will. Der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald nimmt ihn in Schutz – und erhebt schwere Vorwürfe gegen die AfD.Nach dem Eklat bei der Stauffenberg-Gedenkfeier in Berlin hat der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald der AfD eine Instrumentalisierung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus vorgeworfen. „Aus den Reihen der AfD wird der Widerstand vom 20. Juli 1944 wie überhaupt der Widerstand gegen den Nationalsozialismus seit Jahren notorisch instrumentalisiert“, sagte Jens-Christian Wagner der „Rheinischen Post“.Diese Instrumentalisierung erfolgt Wagner zufolge, „indem suggeriert wird, man befände sich heute wie Stauffenberg, die Geschwister Scholl oder andere im Widerstand gegen wahlweise das angebliche Corona-, das Merkel-, das Ampel- oder das Merz-Regime“. Zudem würden von AfD-Politikerinnen und -Politikern „ständig geschichtsrevisionistische und holocaustverharmlosende oder sogar NS-verherrlichende Positionen“ verbreitet.„Dass Vertreter einer Partei, die derartige Positionen vertritt, bei der Gedenkveranstaltung für die Widerständler des 20. Juli 1944 einen Kranz niederlegen, ist ein Affront gegen die Würde der Opfer der NS-Verbrechen“, sagte Wagner weiter. „Für das Vorgehen von Tobias Korenke habe ich deshalb vollstes Verständnis, mehr noch: Er hat dafür einen Preis für Zivilcourage gegen Geschichtsrevisionismus und extrem Rechte verdient.“Korenke, der Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer war bei der Veranstaltung in ein Handgemenge um den Kranz verwickelt. Dabei hatte er versucht, den Kranz zu entfernen. AfD-Politiker waren daran nicht beteiligt gewesen, dafür aber Sicherheitsbeamte. Bei dem Handgemenge wurde der Kranz beschädigt.Lesen Sie auchDie Stiftung 20. Juli 1944 hat eine politische Vereinnahmung des Gedenkens zurückgewiesen. Die Gedenkfeier diene „ausschließlich dem würdigen Erinnern an die Opfer und den Widerstand“, teilte die Stiftung am Montagabend mit. Sie sei „kein Ort für parteipolitische Inszenierungen oder politische Auseinandersetzungen“.Lesen Sie auchGleichzeitig hieß es in der Stellungnahme, die jährlichen AfD-Kranzniederlegungen im Bendlerblock „verletzen viele Angehörige der Frauen und Männer des Widerstands zutiefst“. „Die Stiftung 20. Juli 1944 versteht diese Empörung“, hieß es. Vieles von dem, wofür die AfD stehe, „steht im Widerspruch zu den Überzeugungen“, für die die Widerständlerinnen und Widerständler gegen das NS-Regime eingetreten sind.Der Stiftungsvorsitzende Robert von Steinau-Steinrück bestätigte, dass der Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, Tobias Korenke, in ein Handgemenge um den Kranz verwickelt war. Dabei wurde versucht, den Kranz zu entfernen. AfD-Politiker seien daran jedoch nicht beteiligt gewesen, sondern Sicherheitsbeamte, sagte von Steinau-Steinrück. Bei dem Handgemenge wurde der Kranz beschädigt.Stauffenberg-Enkel: „Grauenhaft und widerlich“Auch der Enkel des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944), Karl Schenk Graf Stauffenberg, äußerte sich zu dem Vorfall. „Zunächst einmal darf man der AfD, glaube ich, nicht verwehren, einen Kranz niederzulegen“, sagte er bei WELT TV. „Dafür sind wir Demokraten“, andersdenkende Menschen müssten zu Wort kommen dürfen. Gleichzeitig sei es „ganz grauenhaft und ganz widerlich“, wie die AfD mit seinem Großvater umgehe, weil sie das Stauffenberg-Erbe „für die eigenen Zwecke missbraucht“.Der Streit ereignete sich vor der eigentlichen Feierstunde am Montagvormittag. Von Steinau-Steinrück rief dabei dazu auf, nach dem Vorbild des Widerstands auch heute „Gräben zu überwinden, die uns vermeintlich trennen“. Die Gegnerschaft zu Hitler habe Menschen geeint, „die sich in normalen politischen Zeiten vermutlich nicht einmal auf der Straße gegrüßt hätten“.Prien und Evers würdigen WiderstandDie Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) und der Berliner Finanz- und Kultursenator Stefan Evers (CDU) wiesen ebenfalls auf die Breite des Widerstands abseits des Militärischen hin, etwa den kirchlichen, gewerkschaftlichen und kommunistischen Widerstand. „Der 20. Juli erinnert uns daran, dass die Verantwortung für das eigene Land und die Verantwortung für seine Werte untrennbar miteinander verbunden sind“, sagte Evers.Prien, deren Großvater jüdisch war, betonte ihre eigene Verbindung zur NS-Zeit: „Ich stehe hier als Bürgerin und als Nachfahrin von Opfern und Überlebenden der Schoah.“ Die Grundhaltung ihres Großvaters sei gewesen: „Es gibt keine Kollektivschuld. Jeder Mensch trägt Verantwortung für sein eigenes Handeln.“Am 20. Juli 1944 versuchte eine Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Adolf Hitler zu töten. Hitler überlebte das Attentat in der „Wolfsschanze“, der Staatsstreich misslang.epd/AFP/luwi
Stauffenberg-Gedenken: Leiter von KZ-Gedenkstätte nennt AfD-Kranz „Affront“ – und erhebt schwere Vorwürfe - WELT
Der Großneffe von NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer sorgt beim Gedenken an das gescheiterte Hitler-Attentat für einen Eklat, indem er einen Kranz der AfD entfernen will. Der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald nimmt ihn in Schutz – und erhebt schwere Vorwürfe gegen die AfD.














