Die Wohnung ist nicht mehr die jüngste, und sie liegt in einem Stadtteil, der nicht zu den angesagtesten in Frankfurt zählt. Dennoch soll die 65 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung in einem 1980 errichteten Gebäude in Hausen 340.000 Euro kosten. Das sind mehr als 5200 Euro je Quadratmeter. Noch vor wenigen Jahren waren in dem Stadtteil an der Nidda solche Summen kaum vorstellbar. Doch mittlerweile haben dort die Durchschnittspreise die Marke von 5000 Euro überschritten, wie aus dem Wohnungsmarktbericht des Frankfurter Beratungsunternehmens Immoconcept hervorgeht. Hausen zählt demnach zu den Stadtteilen, in denen 2025 die stärksten Preissteigerungen zu verzeichnen waren. Um 14 Prozent wurden Eigentumswohnungen innerhalb eines Jahres teurer. Übertroffen wurde dieser Aufschlag nur noch in Westend-Nord, wo die ohnehin schon hohen Preise noch einmal um fast 21 Prozent zulegten.Aber dieser Trend gilt nicht durchgehend für alle Stadtteile. Man muss von Hausen aus nur ein kleines Stück nach Westen gehen, um in den Stadtteil mit dem größten Preisverfall des Jahres 2025 zu gelangen. In Rödelheim wurden Eigentumswohnungen um 20 Prozent günstiger verkauft als im Jahr zuvor. Rückgänge wurden auch in Zeilsheim, Griesheim und Seckbach verzeichnet. Betrachtet man das gesamte Stadtgebiet, sieht man eine Stagnation. Im Schnitt stiegen die Preise nur um 0,7 Prozent. Immoconcept bezieht sich bei der Auswertung auf die Zahlen des Gutachterausschusses für Immobilienwerte, dem sämtliche 987 Kaufverträge vorliegen, die 2025 abgeschlossen wurden. Der Statistik liegen damit die tatsächlich vereinbarten Preise zugrunde. Alter und Ausstattung werden dabei nicht berücksichtigt.„Der Frankfurter Wohnungsmarkt hat die Phase der stärksten Kaufpreiskorrekturen offenbar hinter sich“, sagt Immoconcept-Geschäftsführer Bernd Lorenz. Von einer Entspannung könne dennoch keine Rede sein. Vor allem auf dem Mietmarkt treffe eine anhaltend hohe Nachfrage auf ein zu knappes Angebot. Immoconcept hat ermittelt, dass die durchschnittlichen Angebotsmieten in Frankfurt seit 2016 um rund 48,5 Prozent gestiegen sind und damit doppelt so stark wie die Einkommen.Betrachtet man die Wohnungen, die auf Internetplattformen inseriert werden, zeigt sich in allen Frankfurter Stadtteilen ein Anstieg der Mieten zwischen dem ersten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026. Auch hier liegt Hausen mit einem Plus von 3,48 Prozent vorne, übertroffen nur vom benachbarten Praunheim mit einer Steigerung um 3,54 Prozent. Auch in Kalbach-Riedberg fiel die Teuerung überdurchschnittlich aus, das Plus liegt dort bei 3,35 Prozent.Die Bestandsmieten liegen in dem Stadtteil wegen der vergleichsweise neuen Gebäude auf dem Riedberg bei durchschnittlich 14,48 Euro je Quadratmeter. Das ist viel für den Frankfurter Norden, wo Stadtteile wie Harheim oder Bonames zu den günstigsten in Frankfurt zählen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen gilt: je zentraler die Lage, desto teurer die Wohnung. Die höchsten Bestandsmieten werden mit durchschnittlich 18,67 Euro im südlichen Westend verlangt. Für eine Neubauwohnung im mittleren Preissegment muss man dort mit mehr als 27 Euro je Quadratmeter rechnen. Immoconcept hat ausgerechnet, dass ein Dreipersonenhaushalt ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 6900 Euro benötigt, um sich eine Wohnung in diesem begehrten Stadtteil leisten zu können, ohne die Haushaltskasse zu überfordern.In anderen Städten steigen die Mieten schnellerWegen der wachsenden Bevölkerung, der geringen Neubautätigkeit und schwieriger Finanzierungsbedingungen erwartet Immoconcept weitere moderate Mietsteigerungen. Darauf deuten auch die Zahlen für das zweite Quartal 2026 hin, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Montag veröffentlicht hat. Demnach sind die Mieten in Frankfurt seit dem ersten Quartal um durchschnittlich 0,7 Prozent gestiegen; gegenüber dem Vorjahr liegt der Aufschlag bei 2,9 Prozent. Das ist moderat im Vergleich zu anderen Städten. In Köln stiegen die Mieten innerhalb eines Jahres um 7,9 Prozent, in Hamburg um 5,5 Prozent. Es gibt aber auch Städte, die eine geringere Teuerungsrate als Frankfurt haben: In Stuttgart stiegen die Mieten nur um 0,9 Prozent, in Berlin um ein Prozent.Gleichzeitig hat das IW festgestellt, dass deutlich weniger Wohnungen zur Miete angeboten werden als vor Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und der daraus folgenden Zinswende. Das ist nach Einschätzungen der Experten ein Hinweis darauf, dass nur wenige Mietwohnungen neu gebaut werden und zudem die Mieter kaum umziehen, weil sie für einen neuen Vertrag deutlich mehr zahlen müssen.Angebot an Mietwohnungen sinktIn Frankfurt lag das Angebot an Mietwohnungen im zweiten Quartal 2026 laut der Auswertung des IW um rund 43 Prozent unter dem des ersten Quartals 2022. Eine Entspannung ist nicht in Sicht: In den ersten Monaten des Jahres 2026 ist das Wohnungsangebot in Frankfurt noch einmal um fast neun Prozent gesunken. Diese Entwicklung ist in anderen deutschen Städten nicht so ausgeprägt.Bei Eigentumswohnungen und Häusern hingegen ist das Angebot gestiegen. Nach Einschätzung des IW liegt das an den hohen Kaufpreisen und der schwierigen Finanzierung. Es dauere heute länger, bis eine Immobilie verkauft ist. Eigentumswohnungen seien in Großstädten und deren Vororten für viele Haushalte kaum noch bezahlbar, stellt auch das Immobilienportal Immowelt anhand der auf der eigenen Plattform veröffentlichten Inserate fest. Geschäftsführer Theo Mseka empfiehlt Kaufinteressenten deshalb, sich im erweiterten Umland umzusehen. „Wer seinen Suchradius vergrößert, findet spürbar günstigere Angebote.“Für Frankfurt heißt das: Nimmt man eine Fahrzeit von 60 Minuten ins Stadtzentrum in Kauf, sinkt der durchschnittliche Quadratmeterpreis für eine Wohnung um rund 50 Prozent auf 2730 Euro. In einem Radius von 45 Minuten Fahrzeit beträgt die Ersparnis immerhin noch 40 Prozent. Dieses Preisniveau gibt es aber auch im Frankfurter Stadtgebiet – etwa in Sossenheim, am Frankfurter Berg oder in Bonames.
Frankfurter Wohnungsmarkt: Wo Preise steigen und sinken
Die Mieten steigen in Frankfurt stärker als die Einkommen. Auch Eigentumswohnungen werden in vielen Stadtteilen teurer. Es gibt aber Ausnahmen.







