PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftSportkonsumWie exzessives Zuschauen unser Denken prägt und Wohlbefinden steigertVon Frank LorentzStand: 06:37 UhrLesedauer: 3 MinutenVor allem Rudelgucken trägt zum Wohlergehen beiQuelle: Getty Images/Reza EstakhrianFußball-WM, Tour de France, Wimbledon: Wer die großen und kleinen Sportwettbewerbe am Bildschirm verfolgt, prägt nicht nur seine Einstellung gegenüber Gewinnen und Verlieren. Das Schauen wirkt sich auch förderlich auf die Psyche aus.Wer empfänglich für Live-Übertragungen großer Sportereignisse ist, dürfte die vergangenen Wochen und Monate als Festival empfunden haben. Erst die letzten Spieltage der Fußball-Bundesliga. Dann das Champions-League-Finale. Dann die Fußball-Weltmeisterschaft, die am 19. Juli endete, obwohl man dachte, sie hört nie auf. Zwischendrin das Tennisturnier in Wimbledon mit dem Deutschen Alexander Zverev im Finale. Nicht zu unterschlagen die immer zahlreicheren Sport-Dokus im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und auf den Streaming-Plattformen. Sehr entspannend, mit einem Getränk in der Hand anderen dabei zuzusehen, wie sie sich abrackern.Sport ist bekanntlich gesund, jedenfalls in Maßen. Doch wie sieht es mit dem Anschauen von Sport aus? Was macht das mit einem? Zumal, wenn man es exzessiv betreibt, am liebsten nicht mehr hoch möchte von der Couch und nach dem Ende eines Wettbewerbs direkt dem nächsten entgegenfiebert?Lesen Sie auchDieser Frage gingen drei Forscher von Universitäten in Südkorea, Indien und den USA in einer Studie nach, die vor Kurzem im „Journal of Personality and Social Psychology“ erschien. Titel: „How Watching Sports Shapes Zero-Sum Thinking“ – wie das Anschauen von Sport das Nullsummendenken prägt. Der Begriff Nullsummendenken entstammt der ökonomischen Spieltheorie. Er bedeutet, dass sich Gewinne und Verluste ausgleichen und in der Summe Null ergeben.„Das Anschauen und Verfolgen von Sport verstärkt die Überzeugung, dass Erfolg zwangsläufig damit verbunden ist, dass andere verlieren müssen“, heißt es in der Studie. Interessanterweise bleibt das verstärkte Nullsummendenken nicht auf das Gebiet des Sports beschränkt. Es präge „die Einstellung gegenüber Einwanderern“ ebenso wie beispielsweise eine Grundhaltung in Verhandlungen. Motto: Es kann nur einen Sieger geben. Fressen oder gefressen werden. Hat die eine Gruppe einen Vorteil, ist es logisch, dass die andere einen Nachteil erleidet. C’est la vie.Letztlich beeinflusse ein solches Denken das gesamte Weltbild. Mit der Folge, dass die Idee, alle könnten von etwas profitieren und sich am Ende als Sieger fühlen, genauso abwegig erscheint wie ein sportlicher Wettkampf, bei dem keine Nummer eins gekürt wird. Pädagogisch könnte das zwar durchaus wertvoll sein. Der Spaß beim Anschauen ginge aber gegen null.Lesen Sie auchSollte nun jemand Angst haben, infolge von sportlichem Binge-Watching nur noch Hopp oder Top zu kennen: keine Bange. Das reflexhafte Nullsummendenken hört auf, wenn man aufhört, ständig Sport zu schauen. Willkommen zurück in der Welt der Grauzonen und Nuancen. Lesen Sie auchTröstlich auch: Vor zwei Jahren untersuchten Forschende einer japanischen Universität, ob das Anschauen von Sport das Wohlbefinden steigert. Unter anderem beobachteten sie die Gehirnaktivität von Personen, die sich Sportclips zuführten. Ergebnis: Der Konsum bewirkt, dass „Belohnungskreisläufe“ im Gehirn aktiviert werden. Vor allem Rudelgucken, das beliebte Zuschauen in Gruppen im Wohnzimmer oder speziellen Sportbars, trage zum Wohlergehen bei. Resümee: „Für alle, die ihr allgemeines Wohlbefinden steigern möchten, kann das regelmäßige Anschauen von Sportveranstaltungen ein wirksames Mittel sein.“ Gut, dass das mal gesagt ist. So, und nun ohne schlechtes Gewissen zurück auf die Couch, Tour de France gucken.
Sportpsychologie: Wie exzessives Zuschauen unser Denken prägt und Wohlbefinden steigert - WELT
Fußball-WM, Tour de France, Wimbledon: Wer die großen und kleinen Sportwettbewerbe am Bildschirm verfolgt, prägt nicht nur seine Einstellung gegenüber Gewinnen und Verlieren. Das Schauen wirkt sich auch förderlich auf die Psyche aus.








