Frankreichs katholische Kirche schrumpft. Doch ausgerechnet ihr konservativster Flügel zieht immer mehr junge Leute an. Bei der Wallfahrt von Paris nach Chartres waren dieses Jahr 20 000 Pilger unterwegs, so viele wie noch nie. Was treibt sie an?21.07.2026, 05.30 Uhr10 LeseminutenEinmal im Jahr bewegt sich ein kilometerlanger Pilgerzug durch die weite Ebene der Beauce, der Kornkammer Frankreichs, südwestlich von Paris. Junge Männer und Frauen mit schweren Rucksäcken und Strohhüten marschieren singend über die Landstrassen und Feldwege. Pfadfinder in beigen Uniformen reihen sich ein, Studentinnen in langen Röcken, Väter mit Kindern auf den Schultern, Priester in schwarzen Soutanen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Über ihren Köpfen schwanken aus der Zeit gefallene Banner mit Darstellungen der Jungfrau Maria, goldenen Lilien oder lateinischen Wahlsprüchen. Man sieht Kreuze mit den Namen von Heiligen und Hunderte von Flaggen; französische, bretonische, korsische, irische, schweizerische. Zur Pfingstwallfahrt von Paris nach Chartres haben sich auch dieses Jahr wieder Tausende von traditionalistischen Katholiken auf den Weg gemacht.Noch nie so viele PilgerAuf einem Rastplatz in Saint-Prest, der letzten Station vor Chartres, sitzen Marie-Alix und Stuart im Gras. Das junge Paar aus Paris hat die Rucksäcke abgestellt und ein kleines Frühstück aus Obst und Keksen vor sich ausgebreitet. Schon am frühen Vormittag brennt die Sonne erbarmungslos. Marie-Alix, eine Logopädin, zieht das geblümte Tuch um ihren Kopf tiefer in die Stirn.«Es ist nie leicht», sagt sie. «Wir hatten auch schon Jahre, in denen es in Strömen geregnet hat.» Ihr Mann Stuart, ein drahtiger Unternehmensberater mit Dreitagebart und Baseballmütze, nimmt einen langen Schluck aus der Wasserflasche. «Das ist Teil der Herausforderung», sagt er. «Wir tun das für Jesus Christus.»Marie-Alix und Stuart, ein junges Paar aus Paris. Sie gehören dem Kapitel der heiligen Odilia an. Als Kapitel werden die meist dreissig- bis sechzigköpfigen Pilgergruppen bezeichnet, die sich der Wallfahrt anschliessen. Die Logopädin und der Unternehmensberater pilgern schon seit vielen Jahren nach Chartres.Etwas abseits von ihnen ruht sich Philippe aus, ein Berufssoldat mit tätowierten Unterarmen und dichtem Vollbart. Es ist schon seine dreizehnte Wallfahrt. In diesem Jahr hat er erstmals seinen 16-jährigen Sohn Serge mitgenommen, der einen schwarzen Piratenhut auf dem Kopf trägt. Auch ihnen setzt die Hitze zu. Doch Philippe bleibt gelassen. «Man schenkt Gott nichts, was einen nichts kostet.»Nur noch wenige Kilometer trennen die Pilger auf dem Rastplatz an diesem Pfingstmontag von ihrem Ziel: der Kathedrale Notre-Dame von Chartres. Mit einer Abschlussmesse geht dort am Nachmittag nach drei Tagen und über hundert Kilometern Fussmarsch die weltweit grösste Wallfahrt traditionalistischer Katholiken zu Ende.Mehr als 20 000 Menschen waren es dieses Jahr – so viele wie nie zuvor. Die grosse Mehrheit von ihnen kam aus Frankreich, daneben reisten Pilger aus 22 Ländern an. Ein Organisator von der katholischen Laienvereinigung Notre-Dame de Chrétienté erzählt, dass bereits am ersten Anmeldetag 14 000 Plätze vergeben worden seien. Wenig später habe man die Einschreibung schliessen müssen, weil weitere Teilnehmer logistisch nicht zu bewältigen gewesen wären.Französische Pfadfinder gehören zu den prägenden Gesichtern der Wallfahrt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer liegt bei 22 Jahren. Mehr als die Hälfte der Pilger war dieses Jahr nach Angaben der Laienvereinigung Notre-Dame de Chrétienté das erste Mal dabei.Wie ist das zu erklären, dass ausgerechnet in einem der säkularsten Länder Europas eine Wallfahrt dieser Art boomt? Der französische Mehrheitskatholizismus befindet sich seit Jahrzehnten auf dem Rückzug. Weniger als die Hälfte aller Franzosen bezeichnet sich heute überhaupt noch als katholisch. Bei den 18- bis 59-Jährigen ist es nur noch jeder Dritte. Einen religiösen Zensus kennt der französische Staat nicht, dafür führt das Statistikamt Insee regelmässig Erhebungen durch.Während immer mehr Pfarreien zusammengelegt werden und immer weniger Gläubige regelmässig die Messe besuchen, verändert sich zugleich die religiöse Landschaft Frankreichs. Nach Angaben von Insee bekennen sich inzwischen 10 Prozent der 18- bis 59-Jährigen zum Islam, der zweitgrössten und am schnellsten wachsenden Religion des Landes. Gleichzeitig erlebt ein kleiner, besonders traditionsverbundener Teil des Katholizismus einen bemerkenswerten Aufschwung.Zu Hause im alten RitusEs ist jene Strömung, die an der alten Form der Messe festhält und den Glauben so leben will, wie er vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil praktiziert wurde. Bis in die sechziger Jahre wurde die sogenannte tridentinische Messe fast vollständig auf Latein gefeiert. Der Priester stand mit dem Rücken zur Gemeinde, die Gläubigen beteten still mit. Lange galt dieser Ritus als Auslaufmodell. Heute erlebt er vor allem unter jungen Katholiken eine bemerkenswerte Renaissance. Für seine Anhänger kommt in ihm die Ehrfurcht vor Gott am besten zum Ausdruck. So beschreiben es jedenfalls die Pilger auf dem Rastplatz von Saint-Prest.Marie-Alix kniet auf dem Vorplatz der Kathedrale von Chartres. Ihr bedeutet es viel, dass es in der katholischen Kirche noch Raum für die traditionelle, auf Latein gehaltene Messe gibt. Zelebriert wurde die Abschlussfeier von Kardinal Raymond Leo Burke und rund 200 Priestern und Ordensleuten.«Die traditionelle Messe bewahrt stärker den Sinn für das Heilige», sagt Marie-Alix. Entscheidend sei für sie dabei nicht nur die lateinische Sprache. Es seien die ganze Liturgie, die Gesten, die Atmosphäre, die gregorianischen Gesänge, die ihr hälfen, sich auf Gott auszurichten. «Das ist ein Reichtum in der Kirche», findet die 29-Jährige.Stuart sieht in der alten Messe eine «Rückkehr zu den Quellen». Latein sei für ihn «keine tote, sondern eine universelle Sprache». Deshalb suchten er und seine Frau auf Reisen stets nach einem Gottesdienst im alten Ritus. «Dann fühlt man sich sofort wie zu Hause», sagt der 28-Jährige. In Chartres, wo Pilger aus aller Welt dieselben Gebete sprächen, werde das für ihn besonders spürbar.Die Rast ist zu Ende. Philippe schultert seinen Rucksack. Der Berufssoldat, der über seinen Einsatzort nicht sprechen will («Sagen wir, ich bin auf der südlichen Hemisphäre unterwegs»), freut sich schon auf die Dusche am Abend. Mit 46 Jahren gehört er zu den ältesten Teilnehmern seines Kapitels. So heissen die Pilgergruppen, von denen sich an diesem Wochenende mehr als dreihundert auf den Weg nach Chartres machen. Jedes Kapitel trägt den Namen eines Heiligen, einer Pfarrei oder einer geistlichen Gemeinschaft.Nur ein Teil der Pilger findet Platz in der Kathedrale Notre-Dame von Chartres, die meisten von ihnen verfolgen die Abschlussmesse auf Grossleinwänden vor der Kirche. Auch der Berufssoldat Philippe und sein 16-jähriger Sohn Serge haben im Freien gebetet.Das Kapitel, in dem Philippe, Marie-Alix und Stuart laufen, ist der heiligen Odilia gewidmet. Vorneweg trägt jemand aus der Gruppe ein rot-weisses Holzkreuz und ein Banner mit ihrem Bild. Der Überlieferung nach wurde die Tochter eines elsässischen Herzogs im 8. Jahrhundert blind geboren und fand bei ihrer Taufe das Augenlicht. Für die Pilger sind solche Geschichten keineswegs nur Folklore.Wenig später verlassen die Kapitel Saint-Prest. Hinter ihnen räumen Freiwillige die Verpflegungsstation ab. Die Wallfahrt ist auffallend jung. Nach Angaben der Organisatoren sind rund 60 Prozent der Teilnehmer jünger als 25 Jahre, das Durchschnittsalter liegt bei 22 Jahren. Frauen und Männer sind nahezu gleich zahlreich vertreten. Mehr als die Hälfte der Pilger ist zum ersten Mal dabei.Rechtskatholische GründerZu ihnen gehört auch Mateus, ein angehender Priester aus Brasilien. Unter seiner knöchellangen Soutane trägt der Seminarist blaue Turnschuhe, an seinem Rucksack hängt eine brasilianische Flagge. Seit 2023 lebt er in Frankreich und bereitet sich auf das Priesteramt vor. In seiner Heimat habe er kein Seminar gefunden, das eine Ausbildung im traditionellen Ritus anbiete, erzählt er. Deshalb sei er nach Europa gekommen. Der schwindende Einfluss der katholischen Kirche auf dem alten Kontinent sei für ihn kein unabwendbares Schicksal, sondern ein Auftrag. «Ich glaube, es ist Gottes Wille, die christlichen Länder wiederzubeleben», sagt er. «Deshalb sind wir hier.»Mateus (Mitte), ein junger Seminarist aus Brasilien, ist wie viele andere zum ersten Mal bei der Wallfahrt dabei. Den Mitgliederschwund der katholischen Kirche in Europa sieht er nicht als Schicksal, sondern als Auftrag von Gott, «die christlichen Länder wiederzubeleben».Die Pilgerfahrt nach Chartres ist eine Geschichte innerkatholischer Spannungen. Als sie 1983 erstmals stattfand, galt sie vielen französischen Bischöfen als Provokation. Der damalige Bischof von Chartres untersagte zunächst sogar eine Abschlussmesse im alten Ritus in der Kathedrale; die Pilger mussten unter freiem Himmel feiern.Ein kleiner Kreis von rechtskatholischen Intellektuellen hatte damals die Wallfahrt initiiert. Einer von ihnen, der Publizist Bernard Antony, sass später für den Front national im Europaparlament. Das trug dazu bei, dass die Pilger mit der nationalistischen Rechten in Verbindung gebracht wurden. Die Gründer verstanden Chartres als Beitrag zu einer geistlichen «reconquête», der Rückeroberung eines religiös entleerten Frankreich. Zugleich sahen sie sich als Vorkämpfer eines Katholizismus, der sich, wie sie sagten, nicht dem säkularen Zeitgeist beugen würde.«In den 1970er Jahren glaubten viele, man müsse die Riten vereinfachen, das Latein aufgeben und das Heilige abschwächen, um die Menschen der Kirche näherzubringen», sagt der traditionalistische Priester Abbé Jean de Massia. Heute zeige sich jedoch eher das Gegenteil: Gerade die traditionelle Liturgie spreche Menschen an, die nach Orientierung suchten.Das Kapitel («chapitre») der heiligen Odilia zieht an einem Weizenfeld vorbei. Die Pilger legen an drei Tagen mehr als hundert Kilometer zu Fuss zurück.Ende der achtziger Jahre kam es allerdings zum Streit innerhalb der traditionalistischen Szene. Ein Teil der Bewegung folgte dem Erzbischof Marcel Lefebvre und seiner Priesterbruderschaft St. Pius X. in den offenen Bruch mit Rom. Lefebvre hatte 1988 gegen den Willen des Papstes vier Bischöfe geweiht. Im Jahr darauf gründeten seine Anhänger eine eigene Wallfahrt, die in umgekehrter Richtung von Chartres nach Paris führt. Der Konflikt ist bis heute nicht beigelegt: Erst kürzlich ernannten die Piusbrüder erneut vier Bischöfe ohne Zustimmung des Papstes. Papst Leo XIV. hat die Beteiligten inzwischen exkommuniziert.Die Organisatoren von Notre-Dame de Chrétienté halten Rom dagegen die Treue. Aber auch ihr Verhältnis zum Vatikan bleibt angespannt. Hatte Papst Benedikt XVI. dem alten Ritus noch mehr Raum gegeben, so schränkte ihn sein Nachfolger Franziskus wieder stark ein. Auf dem Weg nach Chartres sagen mehrere Pilger, sie hofften, Leo XIV. werde gegenüber den «Tradis» wieder toleranter sein.Gegen den StromDer Ruf, ein Treffen der äussersten Rechten zu sein, haftet der Wallfahrt bis heute an. Darüber ärgert sich Tanguy, ein junger Beamter aus Nordfrankreich. Der 27-Jährige trägt einen fein gezwirbelten Schnurrbart. Auch er gehört zum Kapitel der heiligen Odilia, das gerade an einem Weizenfeld vorbeiläuft. Per Megafon erinnert ein Sprecher die Pilger daran, der Jungfrau Maria für den bisherigen Weg zu danken.Tanguy, ein junger Beamter aus der Picardie in Nordfrankreich, wehrt sich gegen den Ruf, die Wallfahrt sei ein Treffpunkt nationalistischer und identitärer Katholiken. Den meisten Pilgern, sagt er, gehe es nicht um eine politische Demonstration, sondern um einen Ausdruck ihres Glaubens.«Es gibt viele, die uns in die rechtsradikale Schublade stecken wollen. Weil wir gegen den Strom schwimmen», sagt Tanguy. Er wolle gar nicht bestreiten, dass auch Anhänger des Rassemblement national oder noch weiter rechts stehender Gruppen mitliefen. Doch wer daraus ein Urteil über alle Teilnehmer fälle, übersehe, dass hier 20 000 Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen unterwegs seien. «Die Wallfahrt ist keine politische Demonstration. Sie ist ein aufrichtiger Ausdruck des Glaubens.»Davon abgesehen, findet Tanguy, müsse man genauer argumentieren. Viele Ansichten, die heute als rechts gälten, wie die Ablehnung von Abtreibung oder die Skepsis gegenüber Gender-Theorien, entsprängen für gläubige Katholiken keiner politischen Ideologie, sondern ihrem Glauben. Und dieser erhebe nun einmal einen Wahrheitsanspruch: «Man kann nicht glauben, dass alles gleichermassen gültig ist, und zugleich konsequent katholisch sein.»Er selbst, erzählt er, stamme aus einer Familie, in der man es früher fast peinlich gefunden habe, sich offen zum Katholizismus zu bekennen. Inzwischen zeigten viele junge Franzosen ihren Glauben aber sehr selbstbewusst, vor allem in den sozialen Netzwerken. Tanguy vermutet, dass dazu auch das offensive Auftreten vieler Muslime in Frankreich beigetragen habe.Kurz vor der Abschlussmesse: Junge Pilger warten singend auf den Einlass zum Vorplatz der Kathedrale. Viele schätzen das Gemeinschaftsgefühl bei der Wallfahrt. Eine Pilgerin sagt, bei der Arbeit fühle sie sich mit ihrem Glauben oft allein. In Chartres aber denke sie: «Frankreich ist katholisch.»Für einige Pilger ist der Islam allerdings weniger ein Vorbild als ein Warnsignal. Die katholische Tageszeitung «La Croix» widmete dem Thema erst kürzlich eine eigene Titelgeschichte. Sie beschreibt, wie sich junge Leute aus dem nationalistischen und identitären Milieu für den Glauben interessieren; nicht, weil dieser für sie primär ein Weg zu Gott, sondern vor allem eine Antwort auf Einwanderung, Islam und den Verlust französischer Identität ist.Einer, der solche Gedanken offen ausspricht, ist Michel. Kurz vor der Kathedrale, als der Pilgerzug bereits durch die Strassen von Chartres zieht und Passanten am Wegesrand Beifall klatschen, sucht der 26-jährige Bäcker das Gespräch. «Wir müssen aufpassen, dass uns die Muslime nicht überholen», sagt er. «Sie bekommen mehr Kinder als wir.» Frankreich könne aber vielleicht noch gerettet werden, wenn sich die Franzosen wieder auf ihre christlichen Wurzeln besännen und die «richtigen» Leute an die Macht brächten. Wen er selbst wählt, möchte der Bäcker nicht sagen.Der Schleier der JungfrauKurz vor ihrem Ziel staut sich der Weg der Pilger. Ein Sicherheitsdienst kontrolliert, wer ein Armband trägt und damit auf den Vorplatz der Kathedrale darf. Nach und nach füllt sich der Platz. Längst ist die Notre-Dame von Chartres für die Wallfahrer zu klein geworden. Etliche von ihnen verfolgen die Abschlussmesse deswegen über eine Grossleinwand im Freien. Dicht an dicht sitzen sie auf dem Kies, mit Hüten, Mützen und Schirmen gegen die Mittagssonne, den Blick auf das gotische Portal gerichtet.Philippe (Mitte, mit verspiegelter Sonnenbrille) und sein Sohn (mit Dreispitz und Sonnenbrille) warten auf den Beginn der Abschlussmesse. Der Soldat sagt, in Chartres habe er seine «geistigen Batterien» für das ganze Jahr aufgeladen.Nach katholischer Überlieferung wird in Chartres der Schleier der Jungfrau Maria aufbewahrt, den sie bei der Geburt Jesu getragen haben soll. Schon im Mittelalter machte diese Reliquie den Ort zu einem der bedeutendsten Wallfahrtszentren Europas. Als das Tuch einen Brand im 12. Jahrhundert überstand, sahen die Kirchenoberen darin ein göttliches Zeichen, und sie bauten eine noch grössere Kathedrale. Heute gehört sie zum Weltkulturerbe der Unesco.Auch Marie-Alix und Stuart haben sich auf dem Vorplatz niedergelassen. Sie sind erschöpft, aber glücklich. Marie-Alix hat einen Sonnenschirm aufgespannt, nun wartet sie auf den Beginn der Messe. «Die Wallfahrt erinnert uns daran, dass unser ganzes Leben selbst eine Pilgerreise ist», sagt sie.Philippe, der Berufssoldat, resümiert, ihm helfe Chartres dabei, seine «geistigen Batterien» aufzuladen. Davon zehre er im Alltag. Eine junge Frau aus seinem Kapitel möchte auch noch einen Gedanken äussern. Bei der Arbeit fühle sie sich mit ihrem Glauben oft allein. Hier aber, unter Tausenden Pilgern, denke sie: «Frankreich ist katholisch.» Die Erfahrung der Wallfahrt fasst sie mit einem eindrücklichen Satz zusammen: «Ich habe drei Tage lang gebetet. Mit meinen Füssen.»Die heutige Pfingstwallfahrt nach Chartres wurde 1983 von traditionalistischen Katholiken ins Leben gerufen. Sie knüpft an mittelalterliche Pilgertraditionen und an den Marienkult von Chartres an. Den rechtskatholischen Gründern ging es auch darum, der «Entchristlichung» Frankreichs etwas entgegenzusetzen.Passend zum Artikel