MeinungVon Elektrofahrzeugen über Halbleiter und Robotik bis zu künstlicher Intelligenz: China holt im technologischen Wettlauf mit den USA rasch auf und übernimmt in manchen Bereichen bereits die Führung. An der Börse wird dies noch weitgehend ignoriert, was hervorragende Chancen eröffnet.Kevin Duffy21.07.2026, 03.38 UhrVor wenigen Tagen habe ich mich mit Marc Faber, einem erfahrenen Investor und Herausgeber des «Gloom, Boom & Doom Report», ausgetauscht. Der folgende Auszug zeigt, worum sich unser Gespräch hauptsächlich drehte:Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Auf dem Höhepunkt von Bullenmärkten ist es nicht ungewöhnlich, dass sich neben Blasen auch Anti-Blasen bilden. Und diese Anti-Blasen können ihren Tiefpunkt genau dann erreichen, wenn die Blasen den Zenit markieren. Tatsächlich können sich einige der grössten Kaufgelegenheiten beim Top einer grossen Hausse wie im Jahr 2000 eröffnen. Wenn man die Aktien aus der damals verpönten «Old Economy» betrachtet, war der März 2000 bei vielen davon der günstigste Zeitpunkt für ein Investment in den letzten dreissig Jahren.»Diese Beobachtung passt besonders gut zum aktuellen Geschehen. Wir erleben eine der grössten kollektiven Wahnvorstellungen der modernen Geschichte: den amerikanischen Exzeptionalismus. Der Ausdruck basiert auf der unerschütterlichen Überzeugung, dass die Vereinigten Staaten in den Bereichen Technologie, Militär, demokratische Regierungsform, wirtschaftliche Dynamik und kultureller Einfluss nach wie vor unübertroffen sind. Überheblichkeit und eine Aura der Überlegenheit sind in diesem Glauben tief verwurzelt.Währenddessen entfaltet sich die wahre Geschichte in Form der Anti-Blase: China.Chinas AufstiegIn dieser Erzählung beginnt die amerikanische Seite zu erodieren. Das Imperium ist überfordert, versinkt in Schulden und wird durch endlose politische Machtkämpfe abgelenkt. Demokratie in den USA ist zu einem Zuschauersport geworden, und die Wirtschaft ächzt unter den Lasten staatlicher Eingriffe – man denke nur an die Beteiligung der Regierung an Intel oder an den Vorschlag von OpenAI, dem amerikanischen Staat eine Aktienbeteiligung von 5% zu «schenken».Doch während die Blase bei Halbleiterwerten und anderen Aktien mit Bezug zu künstlicher Intelligenz parabolische Züge annimmt, bröckelt das allgemeine Narrativ amerikanischer Überlegenheit.Hier kommt China ins Spiel – der ultimative Gegenpol zur Blase. China muss kein globales Imperium aufrechterhalten. Man kann sich aus ideologischer Sicht darüber streiten, doch das Land unterliegt keinem endlosen Wahlzirkus, Kulturkämpfen und einem aufgeblähten Sozialsystem, das die Produktivität untergräbt.Stattdessen betreibt es eine – aus meiner Sicht – pragmatische Wirtschaftspolitik mit einer Mischung aus staatlichen und marktwirtschaftlichen Prämissen, die echte Ergebnisse liefert. Und was ist mit Innovation und Technologie? Der Fortschritt ist geradezu atemberaubend.Bewertungen sind attraktivWährend viele im Westen die Augen verschliessen, schreiten chinesische Unternehmen in Bereichen wie Elektrofahrzeuge, Batterien, Robotik, Halbleiterproduktion und KI-Modelle mit Lichtgeschwindigkeit voran. Und das Beste daran für Anleger? Chinesische Aktien sind absurd günstig bewertet. Der MSCI China Index handelt etwa zur Hälfte seiner Bewertung im Jahr 2020; zum rund 12-Fachen des in den nächsten zwölf Monaten erwarteten Gewinns.Die Angriffe der USA auf chinesische Technologieunternehmen sind kein Zeichen von Stärke, sondern Ausdruck von Verzweiflung. Die besten Innovatoren leben vom Wettbewerb – sie errichten keine Mauern und betteln nicht um Schutz.Beweisstück A: Chinesische Elektroautos sind in den USA aufgrund von 100%-Zöllen (die am Ende der Amtszeit der Biden-Regierung verhängt wurden) und strenger Vorschriften für vernetzte Fahrzeugtechnologie aus «Gründen der nationalen Sicherheit» praktisch verboten.Mein Freund Derek Au, ein Venture-Capital-Investor, bringt es auf den Punkt:«Ich kann mir gut vorstellen, dass die US-Regierung chinesische KI-Modelle verbieten wird. Deshalb positioniert sich OpenAI für eine Rettungsaktion und versucht, sich immer stärker im US-Staatsapparat zu verankern, um eine systemrelevante Bedeutung zu erlangen.»Als wollte der OpenAI-Rivale Anthropic diese These untermauern, hat er soeben Ben Bernanke, den ehemaligen Vorsitzenden der US-Notenbank, in den Verwaltungsrat berufen.Vorreiter bei neuen TechnologienDie etablierten Finanzmedien wachen langsam auf. Ende Juni veröffentlichte das Anlegermagazin «Barron’s» einen Bericht über Chinas Innovationsschub:«Pekings Streben nach Eigenständigkeit bleibt ein Motor für das Binnenwachstum. Das Land entwickelt sich zu einem Vorreiter bei neuen Technologien, wobei die Forschung und Entwicklung schneller voranschreitet als in den USA.China wird zudem zu einer führenden Wirtschaftsmacht in der Produktion, von grossformatigen Industriebatterien bis hin zur Robotik. Dies hat trotz der US-Zölle zu einem globalen Handelsüberschuss von 2 Bio. $ im vergangenen Jahr geführt.China holt auf – und zwar schnell – in Bereichen wie grosse Sprachmodelle sowie dem Design von KI-Chips, sagt Vivian Lin Thurston, Portfoliomanagerin beim William Blair Emerging Markets Growth Fonds. Thurston, die kürzlich von einer China-Reise und Treffen mit heimischen Unternehmen zurückgekehrt ist, ist von ihren Eindrücken begeistert. «Es ist das einzige Land der Welt, das über das gesamte KI-Ökosystem von A bis Z verfügt», sagt sie.»Der Artikel von «Barron’s» hob den Batterieriesen CATL und den Elektrofahrzeug-Giganten BYD hervor:«Die Aktien von BYD haben zu kämpfen. Seit Mai 2025 ist der Kurs um 36% gefallen, zumal das Inlandgeschäft unter Preiskriegen litt. Doch dank kostengünstigen Modellen mit grosser Reichweite ist BYD zur weltweit meistverkauften Marke von Elektrofahrzeugen avanciert.Analysten zufolge wird mittlerweile etwa die Hälfte des Umsatzes im Ausland erzielt. Und BYD beginnt nun mit der Produktion ausserhalb Chinas, unter anderem in einem Werk in Ungarn, um Autos zollfrei in Europa zu verkaufen. [...] Zum 13-Fachen des für 2027 geschätzten Gewinns bewertet, ist die Aktie ein Schnäppchen.»Harter Konkurrenzkampf im BinnenmarktDas Finanzblatt «Investor’s Business Daily» folgte mit einem Leitartikel auf der Titelseite über den technologischen Wettlauf zwischen den USA und China. Obwohl die Zeitung dem Silicon Valley weiterhin optimistisch gegenübersteht, räumt sie ein, dass China eine «rasant wachsende Bedrohung» darstelle.China bringt mittlerweile jährlich rund 50% mehr Doktoranden in naturwissenschaftlichen Fächern hervor als die USA. Und im extrem wettbewerbsintensiven Binnenmarkt gilt das Prinzip «Survival of the Fittest»:«Joe Ngai, Chef von McKinsey in der Grossregion China, argumentierte kürzlich in einem Interview mit dem Börsensender «CNBC», dass das Land für aufstrebende Unternehmen «das härteste Trainingslager der Welt» sei – noch anspruchsvoller als Amerikas raues Pflaster des ‹Cowboy-Kapitalismus›.»BYD stand auch im Bericht von «Investor’s Business Daily» im Rampenlicht; wegen der niedrigen Produktionskosten (4703 $ pro Fahrzeug weniger als bei Tesla), der vertikalen Integration und der bahnbrechenden Blade-Batterie auf Basis der kostengünstigen und sicheren LFP-Technologie (Lithium-Eisenphosphat).Tiefpreise bei SchlüsseltechnologienDer Artikel erwähnte auch Unitree. Der Hersteller humanoider Roboter wird voraussichtlich bald im Technologiesegment der Börse Schanghai kotiert. Er wächst rasant und dürfte demnächst 10’000 Einheiten ausgeliefert haben. (Der US-Rivale Tesla, der 2022 seinen ersten humanoiden Roboter mit Namen «Optimus» vorstellte, lieferte im vergangenen Jahr 150 Exemplare aus.)Gemäss dem Researchdienst SemiAnalysis setzt Unitree das BYD-Konzept mit einem «Mass an Skalierbarkeit und Fertigungskapazität um, das die Kosten und Vorlaufzeiten westlicher Unternehmen in den Schatten stellt». «Wir erleben gerade die Geburt eines weiteren chinesischen Hardware-Giganten», heisst es weiter.Wie Louis-Vincent Gave, einer der besten Asien-Kenner und Gründer von Gavekal, oft sagt: «Wenn China den Raum betritt, verschwinden die Gewinne.» Stellen Sie sich nun vor, was das für die teuren amerikanischen KI-Modelle bedeutet. Chinesische Unternehmen streben nicht nur nach der absoluten Spitzentechnologie, sie drücken auch die Preise und bieten Open-Source-Lösungen an, um globale Marktanteile zu gewinnen. Wendy Chang, Senior-Analystin beim Mercator Institute for China Studies, meint dazu:«Anstatt direkt mit Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und Google zu konkurrieren, die hochmoderne KI-Dienste zu Premiumpreisen anbieten, verfolgen chinesische Unternehmen eine Strategie der weiten Verbreitung und günstiger Token, um weltweit Marktanteile zu gewinnen.»FazitWie jede Volkswirtschaft, die eine Mischung aus staatlicher Planung und marktwirtschaftlichen Prinzipien repräsentiert, hat China seine Schwächen. Ganz oben auf der Liste stehen die zu hohe Verschuldung der Kommunalverwaltungen, eine schrumpfende Bevölkerung und die Nachwirkungen der sich auflösenden Immobilienblase.Dennoch: Es ist der chinesischen Regierung hoch anzurechnen, dass sie dem Einbruch des Immobilienmarktes im Grossen und Ganzen ohne Konjunkturpakete und Rettungsaktionen nach westlichem Vorbild seinen Lauf nehmen liess.Die Welle chinesischer Innovationen steht erst am Anfang. Wie ein global ausgerichtetes Portfolio in den nächsten zehn, zwanzig oder dreissig Jahren abschneidet, wird mit grosser Wahrscheinlich davon abhängen, ob man frühzeitig auf diesen Trend setzt.Die englische Originalfassung dieses Artikels ist in der Publikation «Mises Wire» erschienen.Kevin DuffyKevin Duffy ist ein schlachterprobter Contrarian-Investor. Seine Ansicht zu den Märkten und Ideen für Investments teilt er im Newsletter «The Coffee Can Portfolio» sowie auf dem Blog «Notable and Quotable». Duffy ist Mitbegründer des 2002 lancierten Hedge Funds Bearing Asset Management. Zuvor war er Mitbegründer von Lighthouse Capital Management und leitete dort von 1988 bis 1999 das Research-Team. Während seiner Karriere befasste er sich eingehend mit den Exzessen, unter anderem mit den Blasen in Japan sowie im Technologiesektor in den späten Achtziger- bzw. Neunzigerjahren sowie mit den Übertreibungen am US-Häusermarkt in den Jahren 2006/07. Duffy ist Anhänger der österreichischen Wirtschaftsschule. Seine erste Aktie kaufte er im Alter von dreizehn Jahren.
Kevin Duffy: Chinas stiller Aufstieg zur Innovationsmacht
Kevin Duffy: Von Elektrofahrzeugen über Halbleiter und Robotik bis zu künstlicher Intelligenz – China holt im technologischen Wettlauf mit den USA rasch auf.














