Die spanischen Fans mussten viel Geduld mitbringen, bis sie die Sieger endlich selbst bejubeln konnten. Bei 36 Grad, unter Regenschirmen in den spanischen Nationalfarben und ausgestattet mit zahllosen Fächern, warteten Tausende an der Strecke des Triumphzuges und auf dem Cibeles-Platz – Stunden, bevor die Nationalmannschaft sich in ihrem roten Bus mit offenem Verdeck verspätet in Bewegung setzte.Das Zentrum der spanischen Hauptstadt ist schon seit Sonntagabend im Ausnahmezustand, als die ganze Innenstadt wie ein großes Stadium klang. Die letzten feiernden Fans hatte die Polizei am Montagmorgen nach Hause geschickt. Bis zu 40.000 Menschen waren es in der heißen Sommernacht in und vor der Public Viewing-Zone am Kolumbus-Platz, wo zusätzliche Großbildschirme aufgestellt werden mussten. Auch viele Argentinier waren dabei. In Spanien leben fast eine halbe Million Menschen, die aus dem südamerikanischen Land stammen; 60.000 in Madrid, wo es in der Nacht friedlich blieb.Am Montagabend wollten wieder Tausende einen Blick auf den Pokal erhaschen – wie fast auf den Tag vor zwei Jahren. Damals feierte „Furia Roja“ sich nach dem EM-Sieg als die „Könige von Europa“ und machte ein Versprechen, das das Team jetzt einlöste. „It’s only the beginning“ (Das ist nur der Anfang) stand im Juli 2024 gleich auf Englisch auf ihrem Bus; damit war die WM gemeint. Jetzt ließen sie auf ihren Doppeldeckerbus „Könige der Welt“ schreiben.Die gesamte Königsfamilie war beim Endspiel in den USA dabeiAm Madrider Flughafen mussten die Spieler am Nachmittag ihr Kabinengepäck noch selbst die steile Treppe zum Bus heruntertragen, als sie mit einer Stunde Verspätung aus den USA ankamen. Ihnen war die Königsfamilie vorausgeflogen, die schon beim Spiel dabei war. Für das Gruppenbild vor dem Madrider Zarzuela-Palast streiften Kronprinzessin Leonor und ihre Schwester Sofía die Trikots der Nationalmannschaft über. „Champions, Champions, oe, oe, oe“, sangen die Spieler auf den Stufen des Palastes.Im Park seines Amtssitzes war Ministerpräsident Pedro Sánchez erst kurz vor der Ankunft der Mannschaftsbusse gelandet. Aus den USA war er direkt nach Algerien geflogen, das einer der wichtigsten Energielieferanten Spaniens ist. Aus Algier ging es dann direkt nach Madrid in den Moncloa-Palast. Der Regierungschef, der mit zahlreichen Korruptionsskandalen zu kämpfen hat, wollte sich den Termin auf keinen Fall entgehen lassen.„Wir haben gelernt zu gewinnen“, lobte Sánchez am Sonntag sein Land, für das es keine Grenzen gebe, wenn es auf sich selbst vertraue. „Warum nicht im Jahr 2030 davon träumen, dass alle guten Dinge drei sind“, sagte Sánchez nach den WM-Titeln 2010 und 2026 – und vor der WM 2030, die Spanien mit Portugal und Marokko ausrichtet.Donald Trump ehrte am Ende die Sieger aus Spanien, das er zuvor attackiert hatteAls „Verlierer“ und „bad people“ hatte der amerikanische Präsident Donald Trump noch vor Kurzem die Spanier im Streit um die NATO und den Irankrieg beschimpft. In New Jersey schüttelte Trump dann auf der VIP-Tribüne Pedro Sánchez die Hand, bevor er an der Seite von König Felipe VI. die spanischen Sieger ehrte.Fans der spanischen Fußball-Nationalmannschaft warten am Cibeles-Platz in Madrid.dpaDer sportliche Erfolg tut in Spanien nicht nur außenpolitisch wohl. Spanien ist innenpolitisch tief gespalten. So klang das Lob von Nationaltrainer Luis de la Fuente auch wie ein mahnender Appell an die zerstrittenen Politiker. Der Sieg zeige, wozu die jungen Spanier in der Lage seien, sagte er: „Gemeinsam sind wir stärker.“Am Madrider Cibeles-Platz hatte erst im Juni Papst Leo XIV. die Spanier zur Einheit aufgerufen. Vor dem Madrider Rathaus, wo am Montag gefeiert wird, hatte das Kirchenoberhaupt vor mehr als einer Million Menschen eine Messe zelebriert. Ähnlich viele wie damals könnten es am Montag werden. Noch bevor die Sonne unterging, gab es rund um den für eine Renovierung eingerüsteten Cibeles-Brunnen, keinen Platz mehr. Madrid leuchtete an dem langen Sonnenabend rot, so viele Menschen trugen das Trikot ihrer „Selección“.