Die Hamas kürt mit Khalil al-Haya ihren neuen ChefterroristenZwei Jahre nach der Eliminierung ihres früheren Chefs durch die israelische Armee hat die islamistische Miliz einen Nachfolger gewählt: einen Mann mit besten Kontakten nach Iran.20.07.2026, 20.06 Uhr4 LeseminutenHat in den vergangenen Jahren grossen Einfluss in der Islamistenmiliz gewonnen: Khalil al-Haya.Khalil Hamra / APVor fast zwei Jahren tötete die israelische Armee den Hamas-Chef Yahya Sinwar, den Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023. Nun hat die Terrororganisation einen neuen Anführer: Khalil al-Haya übernimmt das Politbüro der Islamisten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bei der internen Wahl um die Nachfolge fiel die Entscheidung nach Angaben des katarischen Senders Al-Arabi denkbar knapp aus: 35 zu 34 Stimmen soll Haya gegen Khaled Mashal erhalten haben, den bisherigen Chef der Hamas im Ausland.Gewählt wird der Politbüro-Chef vom Shura-Rat, dem obersten Beratungsgremium der Hamas. Auch inhaftierte Hamas-Mitglieder in israelischen Gefängnissen sind wahlberechtigt, ihre Stimmen werden über Schmugglertelefone oder Anwälte nach draussen gebracht. Haya tritt indes keine volle vierjährige Amtszeit an, sondern führt die laufende Legislaturperiode bis zu regulären Neuwahlen 2027 zu Ende.Mit der Wahl endet die Übergangsphase, in der ein fünfköpfiges Führungsgremium, dem auch Haya und Mashal bereits angehörten, die Organisation nach Sinwars Tod leitete. Zugleich ist sie eine Richtungsentscheidung innerhalb der Terrorgruppe. Mashal, der seit Jahren im Exil lebt, vertrat gegenüber Teheran eine unabhängigere Linie und unterhält enge Verbindungen zu Katar und der Türkei.Hamas bleibt Teheran verbundenHaya dagegen steht, wie zuvor Sinwar, für die Fraktion, die ihre Beziehungen zu Iran und dessen regionalem Bündnissystem in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut hat. Grundlegende Veränderungen in der politischen oder militärischen Ausrichtung der Organisation sind daher nicht zu erwarten.Geboren wurde Haya im Gazastreifen und hat dort auch den Grossteil seines Lebens verbracht. Er gilt als tief religiös. Sein Bachelorstudium in islamischen Religionswissenschaften absolvierte er in Gaza, seinen Master erwarb er an einer Universität in Jordanien, promoviert wurde er an der Universität für Koran- und Islamwissenschaften im Sudan.Der Hamas gehört Khalil al-Haya seit ihrer Gründung 1987 an, zuvor hatte er sich bereits Anfang der achtziger Jahre der Muslimbruderschaft angeschlossen, aus der die Organisation hervorging.Im Laufe der Jahre wuchs sein Einfluss innerhalb der Terrorgruppe stetig. 2006 zog er für die Hamas ins palästinensische Parlament ein. Es waren die bislang letzten Parlamentswahlen; die Hamas ging aus ihnen als stärkste Kraft hervor.Als Sinwar 2017 zum Anführer der Hamas im Gazastreifen gewählt wurde, bestimmte ihn die Organisation dann zu dessen Stellvertreter. Lange galt er als einer der engsten Vertrauten Sinwars.Kurz vor den Massakern des 7. Oktober verliess Haya Gaza dann in Richtung Katar – offenbar, um sich darauf vorzubereiten, die Hamas in den bevorstehenden Verhandlungen zu vertreten. Tatsächlich leitete er in der Folge wiederholt, wenn auch indirekt, Gespräche zwischen Israel und der Hamas.Die Massaker an israelischen Zivilisten selbst bezeichnete er als «grossartige Taten» und einen «historischen Moment». Bei dem Überfall wurden mehr als 1200 Menschen getötet, die meisten von ihnen israelische Zivilisten.Seine wachsende Bedeutung innerhalb der Terrorgruppe rückte Haya dann auch ins Visier Israels. Am 9. September 2025 traf ihn gemeinsam mit anderen Hamas-Führungsmitgliedern ein israelischer Luftangriff auf einen Wohnkomplex in Doha, in dem sich Hamas-Funktionäre aufhielten. Haya überlebte den Angriff, sein Sohn Humam kam dabei ums Leben.Islamisten kämpfen mit KriegsfolgenHaya übernimmt die Führung der Hamas in einer schwierigen Phase. Zwei Jahre Krieg, ausgelöst durch den Überfall vom 7. Oktober 2023, haben die Organisation und den Gazastreifen gezeichnet. Zwar sind die Kämpfe seit dem von den USA vermittelten Waffenstillstand im Oktober vergangenen Jahres zurückgegangen, doch Israel kontrolliert weiterhin mehr als 60 Prozent des Küstengebiets, Angriffe finden weiterhin statt, und die Lage für die rund zwei Millionen Bewohner Gazas bleibt katastrophal.Der vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump vorgelegte Friedensplan für Gaza fordert zudem eine Machtübergabe von der Hamas ein. Tatsächlich hatten die Islamisten auch in der vergangenen Woche angekündigt, ihre Regierungsfunktion im Küstenstreifen formell abzugeben.Ein «Nationalkomitee für die Verwaltung Gazas» aus unabhängigen Fachleuten, eingesetzt von Trumps Friedensrat und geführt vom palästinensischen Technokraten Ali Shaath, soll künftig die zivile Verwaltung übernehmen. Ihre Waffen aber weigert sich die Organisation abzugeben.Israels Regierung wertet den Schritt daher als reine Täuschung, mit der die vorgesehene Entwaffnung umgangen werden solle. Auch der Palästina-Experte Michael Milshtein vom Moshe-Dayan-Zentrum sieht darin vor allem ein symbolisches Manöver.Die Islamisten strebten in Gaza offenbar ein ähnliches Modell wie das des Hizbullah in Libanon an, meint er. «Auch wenn die Hamas nach aussen einer formellen Regierung den Vortritt lässt, kann die eigentliche Macht weiterhin bei der bewaffneten Organisation liegen.»Innerhalb Gazas ist die Hamas zudem wegen des hohen Blutzolls des Krieges in die Kritik geraten. Weite Teile der Enklave liegen in Trümmern. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza wurden mehr als 70 000 Menschen getötet.Haya erbt damit nicht nur den Chefposten einer erschöpften Organisation, sondern auch ihr ungelöstes Dilemma: Gibt die Hamas ihre Waffen nicht ab, droht die Fortsetzung des Krieges. Gibt sie sie ab, verliert sie die Grundlage ihrer Macht.Passend zum Artikel
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Zwei Jahre nach der Eliminierung ihres früheren Chefs durch die israelische Armee hat die islamistische Miliz einen Nachfolger gewählt: einen Mann mit besten Kontakten nach Iran.










