Das Unternehmen, das gerade in aller Munde ist und die Aktienkurse der größten Konzerne der Welt bewegt, schweigt nur. „Wir haben eine Regelung, dass wir keine Fragen der Medien beantworten dürfen“, sagt eine Mitarbeiterin von Moonshot AI. Sie steht am Stand des Pekinger Start-ups auf der World AI Conference in Shanghai, Chinas wichtigster Messe und Konferenz für Künstliche Intelligenz.Nach Monaten, in denen es um Chinas KI-Szene etwas ruhiger geworden war und sich die Aufmerksamkeit auf die Entwicklung in den USA richtete, macht das Reich der Mitte mit einem Feuerwerk an Ankündigungen deutlich, dass es die globale KI-Zukunft gestalten will.Rund um die Shanghaier KI-Messe, die Präsident Xi Jinping erstmals persönlich am Freitag eröffnet hatte, sorgten erst Moonshot AI und dann der Großkonzern Alibaba aus Hangzhou mit ihren Modellen für Aufsehen. Das „Kimi K3“-Modell von Moonshot schneidet in Vergleichen auf den KI-Testplattformen Artificial-Analysis und Arena-AI nahezu auf Augenhöhe mit Fable und GPT-5.6 Sol ab, den besten Modellen von Anthropic und Open AI. In einigen Aufgabenbereichen, etwa dem Programmieren von Internetseiten, sieht Arena-AI das chinesische Modell sogar vor der US-Konkurrenz. Die Nachfrage war so groß, dass Moonshot aus Kapazitätsgründen zeitweise keine neuen Abonnenten mehr annahm.Moonshot bewegt die BörsenAuch das Modell „Qwen 3.8 Max“ von Alibaba stieß zunächst auf positive Resonanz, wurde aber noch nicht ähnlich gründlich geprüft. Der Aktienkurs von Alibaba legte am Montag zeitweise um mehr als fünf Prozent zu und schloss knapp vier Prozent stärker.Moonshot AI ist noch nicht börsennotiert, plant aber laut übereinstimmenden Berichten der Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters in den kommenden Monaten einen Börsengang. Aktuell werde das Unternehmen mit rund 30 Milliarden Dollar bewertet.Die neuen Modelle unterstreichen die Dynamik in der chinesischen KI-Branche. In der ersten Jahreshälfte war das Pekinger Unternehmen Zhipu AI an der Börse umjubelt und hatte seinen Aktienkurs seit dem Börsengang Anfang Januar zeitweise mehr als verzwanzigfacht. Angesichts der Machtdemonstrationen der einheimischen Konkurrenz büßte es seit Ende Juni nun wieder zwei Drittel ein, allein seit Beginn der KI-Konferenz war es knapp die Hälfte. Einige Analysten halten auch einen deutlichen Rückgang der Bewertungen von Open AI und Anthropic für wahrscheinlich, die ebenfalls einen Börsengang anpeilen. Der Aktienkurs des KI-Chipentwicklers Nvidia büßte schon am Freitag zeitweise rund fünf Prozent ein.Xi setzt auf den Globalen SüdenDie Situation in der KI-Industrie weist damit Parallelen zu der in anderen Branchen wie der Autoindustrie und der Solarindustrie auf. Durch eine aktive chinesische Industriepolitik ist eine große Zahl an Unternehmen entstanden, die sich einen intensiven Wettbewerb liefern und westliche Konkurrenten unter Druck setzen.Präsident Xi hatte mit seiner Rede zur Eröffnung der Messe Chinas Gestaltungsanspruch für die Künstliche Intelligenz unterstrichen. In einer neuen in Shanghai angesiedelten Organisation namens World Artificial Intelligence Cooperation Organization (etwa Welt-Organisation für Kooperation in der Künstlichen Intelligenz) versammelte Peking 29 Länder des Globalen Südens, darunter die meisten BRICS-Länder, Indien fehlte aber. Peking will sich Beobachtern zufolge so einen Markt für seine KI sichern. Auch in der Autobranche spielen diese Länder eine wichtige Rolle als Abnehmer chinesischer Produkte.So präsentierte sich auf der Messe, die Teil der Konferenz war, ein Unternehmen namens RJGF, das in Südchina Datencenter betreibt. Diese könnten von Unternehmen in Südostasien günstig genutzt werden, erklärten Mitarbeiter des Unternehmens. Die Daten würden dafür etwa von Malaysia nach Nanning, Hauptstadt der Autonomen Region Guangxi, geschickt und dort weiterverarbeitet. Die wichtigste Region für die Alibaba-Cloud außerhalb Chinas sei Südostasien, sagte eine Mitarbeiterin am Stand des Digitalkonzerns. Hauptsächlich bediene man dort chinesische Konzerne, die expandierten.Fokus auf ProduktivitätAuf der Messe selbst dominierte ansonsten indes nicht der Wettstreit um immer bessere Modelle. Stattdessen lag der Fokus an den meisten Ständen auf produktiven Anwendungen und KI-Agenten, also selbständig handelnden KI-Programmen.Alibaba präsentierte neben Gesundheitsapps, die Tumore erkennen und im Umgang mit chronischen Krankheiten helfen sollen, auch Brillen, die Live-Übersetzungen anzeigen, und Aufnahmegeräte für bessere Gesprächsnotizen. Huawei stellte seine Chiptechnologie ins Schaufenster, außerdem Lösungen für die Finanzwirtschaft, die Energieindustrie, den Bergbau und für Callcenter. Tencent präsentierte KI-Agenten, die in seine in China allgegenwärtige App Wechat integriert werden sollen.Die in China oft anzutreffenden humanoiden Roboter, die eine Fokusbranche des neuen Fünfjahresplans sind, fanden sich in diesem Jahr in einer weniger zentralen Halle im Obergeschoss, wo rund 100 Unternehmen Roboter in Menschenform präsentierten. Das Urteil einiger von der F.A.Z. befragter Besucher war eher ernüchternd: Es gebe kaum Fortschritte gegenüber dem Vorjahr.