Die Versorgung von Schulen mit funktionierenden Beamern oder Tablets ist ständig wichtiger geworden. Auch die Bedeutung, Lehrkräfte pädagogisch für den Einsatz moderner Medien zu schulen, hat in den vergangenen Jahren beständig zugenommen. Doch für das Landesmedienzentrum (LMZ) in Baden-Württemberg mit 350 Beschäftigten und einem Gesamtbudget von etwa 30 Millionen Euro jährlich war das nicht genug Ansporn, gute Arbeit abzuliefern.In dem am Montag öffentlich vorgestellten Prüfbericht des Landesrechnungshofs wird ein katastrophales Bild von der Arbeit des Landesmedienzentrums gezeichnet: Der Fuhrpark ist überdimensioniert. Die Mitarbeiter verwenden nur 30 Prozent ihrer Tätigkeit für originäre Aufgaben. Ein während der Corona-Pandemie eingerichtetes Videostudio kostete mit 1,2 Millionen Euro doppelt so viel wie ursprünglich geplant, ist nicht ausgelastet und wird zur Produktion „digitaler Weihnachtsgrüße“ benutzt. Angeblich zu Testzwecken kauften LMZ-Mitarbeiter dann auch noch für 33.000 Euro Kryptowährungen.Vernichtendes Gesamturteil der RechnungsprüferAngesichts dieser Verfehlungen fällt das Gesamturteil der Rechnungsprüfer vernichtend aus: „Die Ausgabenpraxis wie auch die dafür vorgebrachten Begründungen zeugen von einem im Kontext öffentlicher Verwaltung völlig unüblichen und durchweg unangemessenen Verständnis von rechtskonformem und wirtschaftlichem Handeln“, schreiben die Prüfer. Dem LMZ fehlten „strategische und und operative Zieldefinitionen“ und ein „einheitliches Prozessmanagement“.Die Rechtsaufsicht über das LMZ, eine Anstalt des öffentlichen Rechts, hat das Kultusministerium. Die Fehlleistungen des LMZ fallen in die Amtszeiten der früheren Kultusministerinnen Susanne Eisenmann (CDU) sowie ihrer Nachfolgerin Theresa Schopper (Grüne).Der Rechnungshof soll die Aufsichtsgremien des LMZ schon im Herbst 2025 über Verfehlungen informiert haben. Die Leitung des damaligen Kultusministeriums leitete aber erst am 9. März 2026, einen Tag nach der Landtagswahl, gegen mehrere Mitarbeiter Disziplinarverfahren ein und berichtete der Staatsanwaltschaft. Deshalb muss sich die jetzige Bauministerin Theresa Schopper (Grüne) fragen lassen, warum sie nicht früher handelte.Bei der Bildung der dritten grün-schwarzen Regierung übernahm Andreas Jung (CDU) das Kultusministerium und somit die Zuständigkeit für das Landesmedienzentrum mit seinen zwei Standorten. Jung möchte das LMZ in dieser Organisationsform auflösen, wie sein Staatssekretär Andreas Deuschle (CDU) in einem Interview ankündigte. Schopper will am Donnerstag im Landtag zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Der Titel eines Antrags der oppositionellen SPD-Fraktion zu dem Thema lautet: „Erst die Wahl, dann die Staatsanwaltschaft.“
Verschwendung im Landesmedienzentrum Baden-Württemberg: Fuhrpark und Videostudio
Die Mitarbeiter des Landesmedienzentrums in Baden-Württemberg verschwendeten offenbar Steuergeld. Nun soll die Einrichtung aufgelöst werden.






