An diesem Montag haben für viele Beschäftigte am Stadttheater in Fürth die Ferien begonnen, ein wenig Ruhe können alle dort gut gebrauchen. Und etwas Zeit zum Nachdenken. Anlässe dazu gibt es reichlich, denn zuletzt gab es dort massive Verwerfungen und tiefe Gräben ziehen sich durch das Haus. Die Theaterleute wurden also mit viel Stoff zum Sinnieren in die Ferien entlassen.Im März hatte ein Brief an die Stadtspitze in Fürth für Aufruhr gesorgt. 25 namentlich nicht genannte Beschäftigte und damit etwa die Hälfte der Belegschaft wandten sich mit einem „Hilferuf“ unter anderem an Oberbürgermeister Thomas Jung sowie Kulturreferent Benedikt Döhla (beide SPD) und erhoben verschiedene Vorwürfe gegen Intendantin Silvia Stolz. Von einem toxischen Arbeitsklima war die Rede, das „durch Angst und Misstrauen“ geprägt sei. Stolz führe das Haus mit „Druck, Herabsetzung und unfairer Kritik“. Vorwürfe, welche die Intendantin vehement zurückwies. Im Mai dann offenbarten SZ-Recherchen, dass an dem Haus seit Jahren etliche Missstände herrschten und herrschen, die Stolz bei ihrem Amtsantritt im November 2023 als Nachfolgerin von Langzeit-Intendant Werner Müller vorfand – die Mängel reichten von Sicherheitsfragen über die wirtschaftliche Führung bis in die Organisationsstrukturen des Theaters.Jahrelange Mängel und ein Brief als „Hilferuf“:Großes Drama am StadttheaterDas Fürther Stadttheater feiert Erfolge – hinter den Kulissen aber brodelt es. Offenbar gab es über Jahre schwere Missstände. Und Teile der Belegschaft erheben Vorwürfe gegen die neue Intendantin.Am vergangenen Freitag nun, direkt vor dem Ferienstart, kamen die Angestellten zur Personalversammlung zusammen, um über die Ergebnisse einer Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Stolz durch eine Stuttgarter Anwaltskanzlei zu erfahren. Das Ergebnis fasste die Stadt am Samstag in einer Pressemitteilung zusammen: Arbeitsrechtlich habe sich Stolz nichts zuschulden kommen lassen. Zwei Vorgänge seien zwar von Mitarbeitern gemeldet worden, in beiden Fällen hätten sich aber „keine Anhaltspunkte für arbeitsrechtliche Pflichtverletzungen ergeben“.Silvia Stolz ist seit November 2023 Intendantin am Stadttheater Fürth. Stadttheater FürthEinfach so weitergehen soll es trotzdem nicht. Denn neben den Anwälten, die mit den arbeitsrechtlichen Fragen befasst waren, beschäftigte sich mit der Situation am Theater eine auf den Kulturbetrieb spezialisierte Agentur. Und deren „organisationsbezogene Bestandsaufnahme“ zeige, „dass in den Bereichen Führung, Zusammenarbeit, Kommunikation und Organisationskultur Handlungsbedarf besteht“, heißt es in der Mitteilung. Was damit konkret gemeint ist, ließ die Stadt offen. Kritiker der Intendantin fühlen sich bestätigt; die Mitteilung zeige, dass sich in der Führungskultur etwas ändern müsse. Dem Vernehmen nach will Stolz künftig versuchen, ihre Kritiker besser einzubinden – bei von der Stadt eingeforderten Veränderungen ebenso wie bei von ihr selbst angestoßenen.Das Theater befinde sich mitten in einem umfassenden Veränderungsprozess, der von allen Beteiligten „ein hohes Maß an Flexibilität, Toleranz und gegenseitigem Verständnis verlange“, heißt es von der Stadt. Dazu brauche es an vielen Stellen „eine ehrliche und kritische Reflexion des eigenen Verhaltens und vor allem eine konstruktive Kommunikation“. Diese Absicht äußerte Stolz Teilnehmern zufolge bei der Versammlung am Freitag, als sie selbst das Wort ergriff.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Aus Sicht der Stadt sind die Ergebnisse der ersten Phase des Klärungsprozesses „insgesamt positiv“. Ob sich die zwei Lager aus Stolz-Kritikern und ihren Befürwortern an dem gespaltenen Haus aber, wie von der Stadt erhofft, wirklich miteinander versöhnen, ist dennoch fraglich. Mit den beiden Untersuchungen und der Personalversammlung am Freitag scheint es noch nicht gelungen zu sein.Silvia Stolz wertete den Abschlussbericht auf SZ-Anfrage so, „dass wir alle, auch ich als Intendantin“, noch besser werden müssten in Sachen konstruktiver Kommunikation sowie „ehrlicher und kritischer Reflexion des eigenen Verhaltens“. Sie freue sich aber, dass alle Mitarbeiter sich „voll und ganz mit dem Stadttheater identifizieren“. Man müsse den Blick nun nach vorne richten.Die Strategie der Stadt Fürth läuft auf Beruhigung hinaus. OB Thomas Jung und Kulturreferent Döhla sprachen sowohl Intendantin Stolz als auch den Beschäftigten ihr Vertrauen aus. Dass im September nach ein paar Wochen Pause alles wieder gut ist, glaubt freilich niemand – zu angespannt war die Situation zuletzt.Bereits im Sommer 2025 und ein weiteres Mal im Dezember hatten Beschäftigte Vorwürfe gegen Stolz an Kulturreferent Döhla herangetragen, zunächst geschah danach wenig. Erst nach dem Brief im März begann die Klärung – zu einem Zeitpunkt, als die Belegschaft durch gegenseitige Vorwürfe längst in zwei Lager gespalten war, wie auch die Agentur bei ihrer Bestandsaufnahme ausmachte: Auf der einen Seite viele jener, die schon lange am Haus sind, das Theater als Familie und die Intendantin als empathielos sehen, auf der anderen diejenigen, die teils erst von Stolz nach Fürth geholt wurden, ihren Reformweg goutieren und den Betrieb auch als wirtschaftliches Unternehmen betrachten.Von der Stadt heißt es dennoch, die Verantwortlichen sähen nach der Personalversammlung bei den Beteiligten die notwendige Bereitschaft, um künftig wieder vertrauensvoll, professionell und wertschätzend zusammenzuarbeiten. Ob das gelingt, zeigt sich nach den Ferien.
Vorwürfe gegen Intendantin Stolz am Stadttheater Fürth: Was die Aufarbeitung ergab
Im März sorgte ein anonymer Brief mit Vorwürfen gegen Stolz in Fürth für Aufruhr. Jetzt ist die erste Phase der Aufarbeitung abgeschlossen.







