StartseiteFinanzenBörse „S‑Neo“-Wertpapierdepots: So wollen die Sparkassen jetzt Trade Republic Konkurrenz machen Die Sparkassen starten ein neues digitales Angebot für das Wertpapiersparen. Mit einer Erweiterung in ihrer App wollen sie Neobroker angreifen.
Junge Anleger kaufen Wertpapiere bisher eher bei Neobrokern als bei der Sparkasse. Foto: picture alliance/dpaEs ist ein weiterer Versuch, das verstaubte Image abzuschütteln: Die Sparkassen haben ein neues Angebot für das Wertpapiersparen gestartet. „S‑Neo“ ist eine Erweiterung der Sparkassen-App fürs Smartphone. Kunden können darüber Sparpläne einrichten und Aktien oder ETFs kaufen und verkaufen.S-Neo ergänzt das bestehende Angebot der Sparkassen. Wer seine Investments in Zukunft direkt über das Smartphone verwalten will, benötigt lediglich einen Zugang zur aktuellen App seiner Sparkasse.Das Angebot richtet sich an die mehr als 20 Millionen Nutzer der Sparkassen‑App und damit an eine Kundengruppe, in der nach Sparkassen-Angaben viel Potenzial liegt: Etwa die Hälfte der Nutzer soll bislang kein Wertpapierdepot besitzen. Derzeit ist S‑Neo nur für Bestandskunden verfügbar. Ab Anfang 2027 sollen auch Nicht-Sparkassen-Kunden das Angebot nutzen können.Lang & Schwarz Nach Ende des exklusiven Deals mit Trade Republic – Handel bricht um bis zu 96 Prozent ein Der Börsenbetreiber Lang & Schwarz hat seine Exklusivstellung bei Trade Republic verloren. Diese Zahlen zeigen, wie dramatisch das Handelsvolumen jetzt kollabiert. von Philipp Frohn„Wir müssen Hürden abbauen, ohne Risiken kleinzureden, und digitale Einfachheit bieten, ohne Vermögensbildung auf kurzfristiges Handeln zu verkürzen“, sagt Joachim Schmalzl, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen‑ und Giroverbands (DSGV). Mehr als 90 Prozent der Sparkassen seien bereits bei S-Neo dabei, weitere kämen in den nächsten Tagen und Wochen hinzu, teilt der Verband mit.Aufmerksamkeit mit DauerwerbesendungUm auf S‑Neo aufmerksam zu machen, fahren die Sparkassen eine große Kampagne – offensichtlich mit dem Ziel, auch jüngere Kunden zu erreichen. Kern ist dabei eine Webvideo‑Serie, die auf Streaming‑Diensten wie Joyn, RTL+ und Amazon Prime läuft und zusätzlich in sozialen Medien wie Instagram oder TikTok ausgespielt wird.Die Reihe ist zwar als Werbung gekennzeichnet, aber wie eine echte, fünfteilige Serie aufgebaut: „Mareike“, die als neue Sparkassen-Filialleiterin in ihren Heimatort „Spardorf“ zurückkehrt, soll das verschlafene Örtchen und seine Einwohner für eine neue Art des Sparens begeistern.Ob es den Sparkassen gelingt, mit dem neuen Angebot und der dazugehörigen Kampagne zu Trade Republic und anderen Neobrokern aufzuschließen, ist fraglich. Zwar wächst auch bei den Sparkassen die Zahl der Wertpapierkunden. Über einen längeren Zeitraum haben sie in diesem Geschäft aber Marktanteile verloren.Neobroker So dominant ist Trade Republic am deutschen Brokermarkt Trade Republic stellt andere Wettbewerber mit seinem Wachstum in den Schatten. Doch ausgerechnet am Heimatmarkt Deutschland holt ein Konkurrent enorm auf. von Philipp FrohnDas hat viel mit Preis und Bedienung zu tun: Klassische Sparkassen-Depots sind oft deutlich teurer als Depots bei Neobrokern. Und der digitale Handel war bei Sparkassen lange nicht so selbstverständlich in der App möglich wie bei rein digitalen Wettbewerbern. Jüngere Kunden gehen daher eher zum Neobroker.Viele Sparkassen konnten den Bedeutungsverlust im Wertpapiergeschäft eine Zeit lang hinnehmen, denn ihre Gewinne stiegen mit dem Ende der Nullzinsära kräftig. Einzelne Häuser haben auf die Veränderungen im Markt auch schon reagiert.Die Stadtsparkasse Düsseldorf etwa gründete 2022 Smoney, um junge Kundinnen und Kunden anders anzusprechen. Die spezielle Geschäftsstelle ist ausschließlich mit jungen Sparkassen-Mitarbeitern besetzt. „Hier bekommst Du trendy Kaffee und Snacks, mega interessante Events, super praktische Money-Hacks und ganz klar, natürlich auch die beste Finanzberatung der Stadt“, heißt es auf der Homepage der Stadtsparkasse Düsseldorf.Auch über TikTok versuchen manche Sparkassen, junge Menschen für Finanzen zu begeistern. S-Neo und die Kampagne dazu sind nun ein weiterer Schritt, um die Sparkassen zugänglicher und „jünger“ wirken zu lassen.Sparkassen Reichen ein paar Apps und Banner, um gegen Trade Republic und Co. zu bestehen? Sparkassen verlieren den Anschluss an die jungen Kunden. Mit Ideen wie einem digitalen Wertpapierangebot will Deutschlands größte Finanzgruppe gegensteuern – und muss dafür geliebte Prinzipien aufgeben. von Lukas ZdrzalekWas das Angebot von S-Neo kostetPreislich kann S-Neo mit Neobrokern mithalten. Depotführung und Ausführung von Sparplänen sind in der Regel kostenlos, wie beim Gros der digitalen Konkurrenz. Bei einigen Sparkassen gilt die kostenlose Depotführung allerdings nur bis zu einem bestimmten Betrag, etwa 25.000 oder 50.000 Euro. Die 338 Sparkassen seien geschäftspolitisch eigenständige Institute und legten ihre Entgelte jeweils selbst fest, heißt es dazu vom Verband.Wertpapiertransaktionen kosten mit S-Neo meist 0,95 Cent oder 1 Euro. Mehrere Konkurrenten berechnen ähnliche Gebühren. Bei Trade Republic etwa zahlen Nutzer seit Langem pro Order eine Gebühr von einem Euro, neuerdings mitunter zwei Euro.Ein Punkt unterscheidet die Sparkassen klar von klassischen Neobrokern: die Beratung. Wer persönliche Betreuung wünscht, kann sich weiterhin an seine Sparkasse wenden und ein klassisches Depot nutzen, heißt es vom Verband. S‑Neo erweitere die Wahlmöglichkeiten, ersetze aber nicht die persönliche Beratung. 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