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Ausschüttende Fonds können die Rente sinnvoll ergänzen. Foto: Getty Images Private Altersvorsorge: Die Rente, die automatisch kommt – was ausschüttende Mischfonds leisten Wie ausschüttende Fonds das Vermögen schützen, wie Anleger sie auswählen können und welche Auszahlungsintervalle es gibt.

Es gibt diesen einen Moment im Ruhestand oder nach der Aufgabe des Jobs mit Abfindung, in dem sich alles ändert: Der Lohn bleibt aus, und plötzlich muss das eigene Vermögen einen Teil der Ausgaben decken, die sonst aus dem Lohn gezahlt wurden. Kein Wunder, dass die Frage, wie sich ein Depot in eine verlässliche monatliche Rente verwandeln lässt, gerade viele Anleger umtreibt – befeuert durch die Debatte um das neue Altersvorsorgedepot, das ab 2027 die Riester-Rente ablöst.Neben altbekannten Rentenversicherungen und Fondsauszahlplänen kommt dabei auch ein Modell infrage, das lange ein Nischendasein fristete: ausschüttende Fonds, die ihren Anlegern automatisch Geld aufs Konto überweisen.Wer sich durch die Fondslandschaft klickt, stößt schnell auf Fonds, die es in gleich 20 verschiedenen Varianten gibt, die sich nur durch Buchstaben oder Kürzel im Namen unterscheiden. Ein kleines Kürzel mit großer Wirkung ist „Inc“. Es steht für Income und verrät, dass ein Fonds Erträge ausschüttet. Das Gegenstück ist „Acc“, für Accumulating. Bei diesen Fondstranchen werden Erträge automatisch wieder angelegt. Im Fachjargon nennt man das thesaurieren.Interaktiver Rechner Reicht mein Vermögen lebenslang? Vor allem mit ETF-Sparplänen wollen sich viele eine private Zusatzrente aufbauen. Geht das Kalkül auf? Prüfen Sie es auf Basis realer Daten. von Niklas HoyerBei den 1864 in Deutschland angebotenen Mischfonds, die in der Datenbank des Fondsanalysehauses Morningstar gelistet sind und die Aktien mit Anleihen oder auch Rohstoffen kombinieren, gibt es von rund der Hälfte ausschüttende Tranchen. Diese haben allerdings unterschiedliche Intervalle für die Ausschüttung.Die Mehrheit zahlt einmal im Jahr, eine Handvoll immerhin halbjährlich oder quartalsweise – monatlich schütten gerade einmal rund zehn Fonds aus. Darunter finden sich thematisch enge Produkte wie der auf Aktien rund ums Thema Smart Cities spezialisierte Allianz Global Intelligent Cities Income, aber auch breiter aufgestellte Alternativen wie der Schroder ISF Global Target Return, der Franklin Income Fund oder der Wellington Multi-Asset Income & Growth.Dass solche Auszahlungsvarianten bislang keine große Aufmerksamkeit bekommen, erklärt sich für Thomas Romig, Investmentchef bei Assenagon, damit, dass „die Rentenversicherer immer so schnell eingesprungen sind, wenn es um planbare Ausschüttungen aus einem Vermögen ging“.Zahlt der Fonds mehr als die Rentenversicherung?Für viele Anleger lautet die entscheidende Frage: Kann ein Fonds dauerhaft mehr auszahlen als eine Rentenversicherung? Und kann das Vermögen im Fonds dabei auch erhalten bleiben? Erben würde das freuen. Bei einer Rentenversicherung wettet der Kunde auf ein langes Leben, im Todesfall bleibt das Geld beim Versicherer. Je nach Ausgestaltung bleibt für Erben wenig bis gar nichts übrig.„Natürlich sollte der Fonds zuvor das erwirtschaften, was man dann ausschüttet“, sagt Romig – und macht damit deutlich, worin sich erfolgreiche Fonds von weniger erfolgreichen unterscheiden. Einige Anbieter am Markt locken mit hohen Ausschüttungsquoten, ohne dass die zugrunde liegende Performance mithalten kann. Die Folge ist ein Fondsvermögen, das über die Jahre still und leise schrumpft.Damit genau das nicht passiert, setzt Assenagon bei seinen Multi-Asset-Fonds auf eine Strategie, die bewusst nicht an starren Anlagequoten festhält. Aktien, Anleihen und verschiedene Fondsstrategien werden gemischt und aktiv gesteuert, je nachdem, wie die Marktlage es gerade verlangt. Aktuell etwa hält Assenagon die Aktienquote vergleichsweise hoch. „Wir fahren aktuell eher im vierten Gang von fünf als im zweiten“, so Romig. Bei Anleihen dagegen bevorzugt das Haus bewusst kurze Laufzeiten, weil man von einer dauerhaft höheren Inflation ausgeht und deshalb wenig Potenzial in langlaufenden Staatsanleihen sieht.Altersvorsorge So klappt es mit der Zusatzrente von der Börse Eine Zusatzrente von der Börse? Dafür muss man nicht auf die Regierung warten. Jeder kann sie sich selbst aufbauen. Mit der richtigen Strategie hält das Geld lebenslang. von Niklas HoyerAuch Gold gehört fest zur strategischen Allokation, nicht als kurzfristige Wette, sondern zur Diversifikation: „Wir sind durchaus positiv für andere Assets wie beispielsweise Rohstoffe“, so Romig. Große Einzelwetten auf Trendinvestments sind seine Sache nicht. „Wir stehen nicht für einen Fonds, der kurzfristig die Lichter ausschießt und dann eventuell zu stark enttäuscht.“Ob ein Fonds langfristig mehr einnimmt als er ausschüttet, erkennen Anleger, wenn sie die prozentuale jährliche Ausschüttung mit der Wertentwicklung vergleichen, die bereits nach Kosten berechnet wird. Die Wertentwicklung enthält stets auch die Ausschüttungen (Total Return). Schafft ein Fonds über Jahre etwa eine Wertentwicklung von im Schnitt sechs Prozent, schüttet aber nur 3,5 Prozent aus, bleibt das Vermögen erhalten und wächst sogar noch leicht.Seit Fondsauflage 2021 steht bei dem Fonds Assenagon Multi Asset Balanced eine annualisierte Rendite nach Kosten von 7,6 Prozent. Da die Ausschüttung bei drei Prozent pro Jahr liegt, bleibt ein Sicherheitspuffer. „Wir wollten das anbieten, was man sich vernünftigerweise als monatliche Ausschüttung leisten kann“, erklärt Romig.Ausschüttende Fonds statt AuszahlplanWichtig ist, einen ausschüttenden Fonds nicht mit einem klassischen Auszahlplan zu verwechseln, auch wenn beides auf den ersten Blick ähnlich wirkt. Beim Auszahlplan verkauft der Anleger regelmäßig Fondsanteile, wodurch sich sein Bestand kontinuierlich verringert. Beim ausschüttenden Fonds dagegen bleibt die Anteilszahl unverändert, während eine vorab für ein Jahr festgelegte Quote aus dem Fondsvermögen ausgezahlt wird.„Wir haben kein neues Produkt konstruiert, sondern ein bestehendes Produkt genommen und lediglich mehrere Anteilsklassen mit monatlicher Ausschüttung geschaffen“, sagt Romig. Das eigentliche Ziel des Managements bleibe unverändert dasselbe: „das Beste an Rendite zu erwirtschaften.“Dieses Ziel verfolgt auch Johannes Hirsch, Gründer der Vermögensverwaltung Antea aus Hamburg, beim Antea Einkommen Global. Dieser konnte seinen Anlegern kürzlich mitteilen, dass sie sich auf sechs Prozent Ausschüttung freuen können, nach fünf Prozent in den Vorjahren. Der Fonds erwirtschaftete diese Ausschüttung auch stets, überweist sie den Anlegern aber nur einmal im Jahr.Kapitalrente Das falsche Spiel der Börsenfeinde Die Kapitalrente wird in Deutschland immer noch bekämpft. Mit vielen unsinnigen und falschen Argumenten. Lassen Sie sich davon nicht verunsichern – und sparen Sie los! Ein Kommentar. Kommentar von Horst von ButtlarMischfonds haben einen steuerlichen Pluspunkt: Halten sie eine Aktienquote von über 25 Prozent, greift die Teilfreistellung von 15 Prozent. Schüttet ein Fonds also zehn Euro pro Anteil aus, bleiben 1,50 Euro davon steuerfrei, nur auf die restlichen 8,50 Euro wird Abgeltungsteuer fällig. Bei Fonds mit noch höherer Aktienquote von mindestens 51 Prozent sind es sogar 30 Prozent, die steuerfrei bleiben. Wer die jährliche Ausschüttung geschickt timed, kann obendrein seinen Sparerfreibetrag jährlich optimal nutzen.So verlockend das alles klingt, eine Garantie gibt es bei diesem Modell nicht. Fallen die Kapitalmärkte über längere Zeit deutlich, kann auch das Fondsvermögen schrumpfen. Und selbst, wenn sich die Ausschüttung grundsätzlich anpassen lässt, trägt am Ende der Anleger das Kapitalmarktrisiko. „Natürlich wird es Schwankungen geben“, räumt Romig ein. „Genau deshalb ist entscheidend, dass der Fonds langfristig ausreichend Rendite erwirtschaftet.“Wer zudem sein gesamtes Vermögen unmittelbar vor einem Börseneinbruch investiert und gleichzeitig laufende Ausschüttungen bezieht, läuft Gefahr, stärker getroffen zu werden als jemand, der sein Depot schrittweise aufgebaut hat. „Riester-Sparer sollten sich überlegen, ob sie ihre Garantien aufgeben und ihre Verträge zum ungünstigen Zeitpunkt komplett in aktienorientierte Produkte für ein Altersvorsorgedepot übertragen“, sagt Romig.Für wen sind ausschüttende Fonds geeignet?Ausschüttende Fonds lohnen sich vor allem für Anleger, die bereits Erfahrung mit Geldanlagen haben, die eine gesetzliche Rente beziehen und sich zusätzliche, regelmäßige Kapitalerträge wünschen. Sie eignen sich aber auch für alle, die eine größere Einmalzahlung aus einer Lebensversicherung, einer Erbschaft oder einem bestehenden Depot in laufende Einnahmen umwandeln wollen. Der Charme liegt in der Flexibilität: Die Ausschüttung lässt sich an veränderte Lebenssituationen anpassen. Durch einen Wechsel der Anteilsklasse kann sie erhöht, reduziert oder auch ausgesetzt werden.Eine klassische Rentenversicherung ersetzt das Modell trotzdem nicht in jedem Fall, schließlich zahlt diese lebenslang garantiert – allerdings zum Preis strenger Sicherheitsauflagen und häufig geringer Rendite.Romig selbst sieht darin ohnehin kein Entweder-oder: Die meisten Anleger verfügten längst über verschiedene Bausteine der Altersvorsorge. „Man hat in der Regel noch die gesetzliche Rente, vielleicht eine Immobilie und weitere Vermögenswerte.“ In diesen Mix können sich ausschüttende Fonds sinnvoll einfügen.Am Ende bleibt eine einfache Faustregel, die jeder Anleger im Hinterkopf behalten sollte: Nicht die Höhe der versprochenen Ausschüttung entscheidet über die Qualität eines Produkts, sondern die Frage, ob diese sich nachhaltig finanzieren lässt. Bei der Auswahl eines passenden Fonds können sich Anleger an den WirtschaftsWoche-Rankings oder den Fondstipps der Woche orientieren. Auch die Fondsurteile von Morningstar und Scope sind bei der Auswahl hilfreich. Auf einen Blick findet man sie, wenn man Fondsname oder ISIN auf der Internetseite von Comdirect eingibt.Risikokriterien wie der maximale Verlust sind ebenfalls interessant. Die langfristige Wertentwicklung über zehn Jahre gibt Aufschluss darüber, ob ein Fonds auch in Niedrigzinsphasen gut lief. Die Verteilung des Kapitals auf Aktien und Anleihen sowie Gold oder Cash bietet einen weiteren Einblick. Einzeltitel kann sich ein Interessent auf dem Datenblatt ansehen, das Factsheet genannt wird. Auch das hilft, einen Fonds und seine Strategie besser zu verstehen. 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