Der italienische Zugbetreiber hält Wort und hat bei Siemens Mobility 26 Hochgeschwindigkeitszüge mit einer Option auf 14 weitere Züge bestellt. Zudem hat das Unternehmen mit Sitz in Rom mit Siemens einen 30 Jahre laufenden Wartungsvertrag abgeschlossen, wie Italo und Siemens Mobility am Montag mitteilten. Die Investitionen des Unternehmens in Deutschland sollen insgesamt 3,6 Milliarden Euro betragen; der Auftragswert für Siemens liegt bei rund drei Milliarden Euro.Luca Cordero di Montezemolo, der Präsident und Mitgründer der Italo Holding, hält diesen Moment für „historisch“, weil sich der Fernverkehrsmarkt in Deutschland für mehr Wettbewerb öffne und damit ein neues Kapitel für den Schienenverkehr in Europa beginne. Es sei „ein konkreter Schritt hin zu einem einheitlichen Verkehrsmarkt, der die Fahrgäste in den Mittelpunkt stellt und ihnen die Freiheit gibt, selbst zu entscheiden, wie und mit wem sie reisen“, teilte er mit.Siemens Mobility lobt Investition in den Standort DeutschlandIn der vergangenen Woche hatte die Bundesnetzagentur grünes Licht für mehr Wettbewerb im deutschen Fernverkehr gegeben, den heute die Deutsche Bahn dominiert. Michael Peter, der Vorstandsvorsitzende von Siemens Mobility, freute sich über das „Vertrauen“ in sein Unternehmen und unterstrich, dass die langfristige Partnerschaft ein „wegweisendes Projekt und ein starkes Bekenntnis zu industrieller Wertschöpfung und Innovation made in Germany“ sei.Italo bestellt Züge vom Typ Siemens Velaro Multi System, die bis zu 320 Stundenkilometer schnell sein können. Sie haben acht Wagen und sollen 450 Sitzplätze in den drei Klassen bieten: Club Executive, Prima Business und Smart. Zudem soll es, anders als in Italien, einen Bistrowagen geben, der dem Vernehmen nach deutsche und italienische Küche bietet. Schnelles Internet an Bord soll über ein 5-G-Netz des amerikanischen Anbieters Starlink laufen.Drei Klassen auf zwei HauptkorridorenAls Datum des Betriebsbeginns nennt Italo Mitte 2028. Von da an sollen 18 Städte über 1300 Kilometer Streckennetz miteinander verbunden werden. 50 tägliche Verbindungen will das italienische Unternehmen auf zwei Hauptkorridoren anbieten: München–Köln–Dortmund sowie München–Berlin–Hamburg.Die Hochgeschwindigkeitszüge sollen im Krefelder Werk von Siemens gebaut werden, die Wartung werde im Siemens-Depot Dortmund erledigt, heißt es. Nach Angaben von Italo schafft der Markteintritt in Deutschland 2500 neue Arbeitsplätze im Betrieb und in Partnerunternehmen.Der Italo-Vorstandsvorsitzende Gianbattista La Rocca dankte auch den Italo-Großaktionären, vor allem dem Mehrheitsaktionär, der schweizerisch-italienischen Reederei MSC, zudem der zu Blackrock gehörenden Fondsgesellschaft GIP und der Allianz-Versicherung aus Deutschland „für die starke Unterstützung während dieser gesamten Phase“.Italo will sich nach eigenem Bekunden nun rasch bemühen, das nötige Personal zu finden, was als nicht leicht gilt. In Kürze soll auch entschieden werden, wer die Tochtergesellschaft in Deutschland leiten werde. Italo wolle in Deutschland eine eigenständige Gesellschaft aufbauen, die nicht aus Italien ferngesteuert werde, betont das Unternehmen.