Ein Hinweis auf kühle Orte, die Öffnung des „Main Bad Bornheim“ und das Osthafen-Festival: Die Stadt Frankfurt veröffentlicht auf der Social-Media-Plattform X ihre offiziellen Mitteilungen. Aber nicht nur: Mit einem Blick über die Weinreben am Lohrberg zur Skyline wünscht sie zum Beispiel auch ein schönes Wochenende. Das missfällt den Grünen. Sie fordern, die Stadt solle sich von der Plattform zurückziehen, denn das Geschäftsmodell von X beruhe auf Hass, Desinformation und purem Rassismus, so die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Julia Eberz.Der Kurzmitteilungsdienst ist besonders umstritten, seit Elon Musk die damals unter dem Namen Twitter firmierende Plattform 2022 gekauft hat. Nicht nur, weil der reichste Mensch der Welt vom Widersacher zum Freund des amerikanischen Präsidenten Donald Trump geworden war, wandten sich in den folgenden Jahren viele Persönlichkeiten und Institutionen von dem nun X genannten Social-Media-Kanal ab. X gehe nicht gegen Hetze und Propaganda vor, lautete beispielsweise die Begründung der Stadt Hanau, die 2023 als erste größere Kommune im Rhein-Main-Gebiet den Schritt vollzog. Außerdem verbreite Musk selbst Falschnachrichten und Verschwörungstheorien.Hetze erkennen und Bots sperrenAuch für die Stadt Frankfurt stellte sich die Frage schon mehrfach. Wie der Magistrat mit Desinformation auf den von ihm bespielten Plattformen umgehe, wollte etwa Omar Shehata (SPD) im Jahr 2024 wissen. Schon damals lautete die Antwort, dass X, Facebook und Instagram wegen ihrer großen Reichweite eine wichtige Rolle bei der niedrigschwelligen Kommunikation zwischen Bürgern und Ämtern spielten. Dabei beobachte man die Entwicklungen genau und achte darauf, verleumderische Inhalte, Hetze und Fake News zeitnah zu erkennen und Bots zu sperren.Einen Antrag der Linken, sämtliche Aktivitäten der Stadt auf X einzustellen, lehnte 2025 eine große Mehrheit der Stadtverordneten einschließlich der Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt ab. Aber auch jetzt hält der Magistrat die Social-Media-Kanäle für unverzichtbar, hieß es im Mai in einer Antwort auf die Frage der Grünen-Stadtverordneten Eberz, warum Frankfurt noch immer auf dem Portal von Elon Musk vertreten sei und nicht „die Unterstützung für diesen Menschenfeind durch das Verlassen von X“ beende.Viele Großstädte haben sich zurückgezogenDas Presse- und Informationsamt beobachte die Entwicklung weiterhin aufmerksam, schrieb der Magistrat. Es sei in einem Umfeld aus Desinformation, Fake-Profilen und emotionalisierter Debatte zwar schwieriger geworden, mit verlässlichen Informationen sichtbar zu bleiben. Gerade deshalb sei eine seriöse und faktenbasierte Präsenz auf X aber wichtig. Vor allem hält der Magistrat die Möglichkeit für unverzichtbar, den Kanal bei Krisen und Gefahren wie Bombenentschärfungen, Stromausfällen und Starkregen zu nutzen. Mit 243.000 Followern habe die Stadt Frankfurt eine der größten Reichweiten deutscher Städte. So viele Menschen erreiche man mit dem zusätzlichen Angebot auf der X-Alternative Bluesky nicht.Tatsächlich liegt nur München mit gut 250.000 Followern auf X knapp vor Frankfurt. Die bayerische Hauptstadt nutzt den Kanal ebenfalls noch aktiv, ebenso wie Düsseldorf und Leipzig, denen jeweils weniger als 95.400 Nutzer folgen. Hamburg kommt auf 232.000 Follower, doch der letzte Beitrag stammt von 2024. Andere Großstädte haben sich weitgehend zurückgezogen und nutzen die Plattform nur noch zur Krisenkommunikation, etwa im Fall einer Evakuierung bei Blindgängerfunden. Die Reichweite lässt dann allerdings deutlich nach, die Millionenstadt Köln zum Beispiel hat nicht einmal 70.000 Follower.Die Frankfurter Grünen-Politikerin Eberz ist mit der Antwort des Magistrats nicht zufrieden. Denn für Informationen in Notfällen gibt es aus ihrer Sicht eigens dafür vorgesehene Anwendungen wie Katwarn und Hessenwarn. Und mit ihrer „faktenbasierten Präsenz“ könne die Stadt den Lügen, dem Rassismus und dem Antisemitismus auf X nichts entgegensetzen.Hatten vor drei Jahren die meisten Städte in der Region noch abgewartet, ob sie dem Beispiel Hanaus folgen sollen, so haben sich inzwischen Darmstadt, Offenbach und Wiesbaden weitgehend zurückgezogen und nutzen X, wenn überhaupt, nur noch als Informationskanal im Katastrophenfall. Auch die Grünen in Hessen haben Anfang Mai die Plattform verlassen.Einzelne Politiker hingegen wie der Bundestagsabgeordnete und frühere hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) schreiben noch Beiträge auf X. Auch das kann seine Tücken haben, wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der WM feststellen musste. In einem Post auf seinem X-Account hieß es zunächst, „was für ein Spiel“ – er sei stolz auf deren Einsatz und Teamgeist. Daraufhin war von einem „Abstimmungsfehler“ die Rede.
Frankfurt auf X: Warum die Stadt weiter Elon Musks Plattform nutzt
Regelmäßig kommt die Forderung auf, die Stadt Frankfurt solle die Plattform X verlassen. Aber der Magistrat hält die Präsenz dort für unverzichtbar.






