Großstädte leben von einem gewissen Image. Wer sich überlegt, als Tourist in eine Metropole zu reisen, wird Kriterien wie kulturelles Angebot, Gastronomie und Sehenswürdigkeiten berücksichtigen. Geschäftsreisende wiederum schauen darauf, wie die Infrastruktur beschaffen ist. Was beide Besuchergruppen vereint, ist der Blick darauf, wie sauber und sicher die Stadt ist oder zumindest erscheint. Der erste Eindruck ist oft entscheidend. Und mit diesem ersten Eindruck hat Frankfurt ein Problem.So ist die Frage, welches Image sich Frankfurt als immerhin bedeutender Wirtschaftsstandort sowie Messe- und Touristenstadt geben will, noch immer nur schwer zu beantworten. Lebenswert sei die Stadt, sagen die einen. In Teilen vermüllt, sagen die anderen. Und vermutlich geht die Wahrnehmung deshalb so weit auseinander, weil Frankfurt eine Stadt der Extreme ist und ihr nach wie vor ein Kompass fehlt. Eine Vision davon, wie sie auf ihre Bewohner und Besucher wirken will.So ist nicht abzusehen, was der neue Plan bringen wird, der von Stadt und Land vor einer Woche für das Frankfurter Bahnhofsviertel vorgestellt worden ist. Bis auf die geplante Polizeiwache sind die meisten Punkte nicht neu. Viel interessanter ist deshalb, was der Plan nicht enthält: Initiativen zur Reduzierung der offenen Drogenszene beispielsweise. Sowie auch der Fokus auf eine stringente medizinische Ausrichtung, denn schon jetzt stellt sich die Frage, wie die Stadt mit den Personen verfahren will, die aufgrund langjährigen Crack-Konsums schwere Psychosen entwickelt haben.Hilfloses AgierenDoch man muss gar nicht immer nur das Frankfurter Bahnhofsviertel heranziehen, um zu verdeutlichen, wie hilflos die Stadt in Teilen agiert. Das hat sich in diesen Tagen auch in der Obdachlosenhilfe gezeigt. Jahrelang hatte sich die Stadt darauf verlassen, dass die Schlafstätte in der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor, die ursprünglich einmal als Provisorium für die kalte Jahreszeit eingerichtet worden war, als ganzjährige Dauereinrichtung fungiert. In dem Moment, als das aus Brandschutzgründen nicht mehr möglich war, erlebte man konsternierte Dezernenten: Wohin mit den Menschen, die ohne Obdach sind?Eine Stadt wie Frankfurt mit ihren sozial- wie auch ordnungspolitischen Herausforderungen kann man nicht regieren ohne Konzept. Das ist ein Fehler, den die vorherige Stadtregierung gemacht hat. Von der neuen Koalition, auch wenn es in großen Teilen dieselben Akteure sind, erwartet man mehr als das Herumdoktern an Symptomen.