Ein interdisziplinäres Team der Philipps-Universität Marburg hat herausgefunden, dass sich Dialektkompetenz positiv auf die Sprache auswirkt. Wer neben der Standardsprache einen Dialekt beherrsche, baue dieselben Hirnareale aus wie Menschen, die zweisprachig aufwachsen. Außerdem fördere Mundart die Fähigkeit, weitere Fremdsprachen zu lernen. Die Ergebnisse wurden in „Nature: Scientific Reports“ veröffentlicht.Für die Studie verglichen Forscher aus den Bereichen Dialektik, Neurolinguistik, Physik und Medizin die MRT-Aufnahmen von 26 dialektkompetenten Menschen aus Nordhessen mit denen von 23 Menschen, die Standarddeutsch sprechen.Anders als der in Deutschland bekannte Regiolekt im Frankfurter Raum wiesen die zentral-, ost- und nordhessischen Dialekte eigenständige Sprachstrukturen auf, die sich erheblich von der Standardsprache unterscheiden und von „Einsprachigen“ kaum verstanden werden.Been, Bään oder BoanAls Maß für die Dialektbeherrschung wurde der sogenannte „ai“-Test verwendet, er wurde am Deutschen Sprachatlas entwickelt und beruht auf einer Lautentwicklung. In den vergangenen 500 Jahren sind die Laute, zunächst in der Schrift, dann in regionalen Umgangssprachen und später in der Standardsprache zusammengefallen. Dagegen ist der historische Lautunterschied in fast allen Dialekten erhalten, in teils stark abgewandelter Form: Je nach Dialekt kann Bein daher Been, Bään, Baan oder Boan lauten.„Einsprachige“ scheitern der Studie nach daran, den vorgegebenen hochdeutschen ai-Wörtern die korrekte Dialektform zuzuordnen. Bei Menschen mit Dialektkompetenz verhielt es sich anders.„Das wichtigste Ergebnis ist, dass sich die Hirnstruktur von Bilektalen, also Menschen, die einen Dialekt und das Standarddeutsche beherrschen, in bestimmten Teilen des sprachverarbeitenden Netzwerks signifikant in Dicke und Volumen im Vergleich zu nur Standarddeutsch Sprechenden unterscheidet“, sagt Phonetiker Mathias Scharinger.Demnach weisen die Messungen bei den Dialektsprechenden höhere Werte auf. Das ständige unbewusste Umschalten zwischen Dialekt und Hochdeutsch trainiere dieselben neuronalen Netzwerke, die auch für das sogenannte „Code-Switching“ bei Mehrsprachigen verantwortlich seien.Trotz alldem schätze man Bewerber mit Dialekt in Vorstellungsgesprächen oft als weniger kompetent ein, sagen Forscher der Universität Berlin. Fälschlicherweise, wie sich nun herausstellt.
MRT-Studie: Warum Dialektsprecher beim Sprachenlernen im Vorteil sind
Lange Zeit galt Mundart in Deutschland als Bildungshindernis. Forscher der Uni Marburg beweisen nun das Gegenteil und weisen sogar Unterschiede in der Gehirnstruktur nach.










