Wie ist denn die Schweiz so als Land? Steht man in Wien vor dem Bild von Thomas Demand mit dem Titel „Guillaume Tell XXI“, so sieht man mit einem Blick, was man kennt: Die ganze Landmassierung drängt in die Höhe. Aber sobald das Auge verweilt, das heißt an Details hängen bleibt, entdeckt man die Einzelteile, aus denen das Hochgebirgspanorama zusammengesetzt ist: Flachlandstücke aus bemaltem Karton. Ein einfachster Schnittmusterbogen genügt für die Tannenkleider. Sie sehen sogar wie aufgeklebt aus, weil das Licht ihre Kanten zusätzlich markiert, doch diese Anmutung der gepressten Welt des Herbariums zerstört den Eindruck nicht, dass die zackigen Wipfel nach allen Himmelsrichtungen in den freien Raum weit über dem See drängen. Auch die charakteristische Abrundung des Gerölls ist hier ein Werk der Schere. Die Erde tritt uns als ein System besonnter Scheiben entgegen, fein säuberlich aufgereiht wie die Toastauswahl im versilberten Ständer beim Herbergsfrühstück. Man freut sich daran, wie schön das alles gemacht ist. Es bleibt nur die Frage, was es bedeuten soll.
Thomas Demands Bilder nach Bühnenmodellen in Wien
Wo Fehlstellen leuchten, wartet die Phantasie auf ihr Stichwort: Im Wiener Museum für angewandte Kunst zeigt Thomas Demand Ansichten von Bühnenmodellen, die er in Theatermuseen gefunden hat.







