In Grossbritannien surfen Schweizer vielleicht bald gratis im Internet. Eine Mitte-Politikerin sagt: «Jetzt braucht es Gratis-Roaming mit der EU»Dank dem neuen Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und Grossbritannien soll in Zukunft Roaming in beiden Ländern ohne Extrakosten möglich sein. Für die Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter ist das nicht genug.Ralph Goldinger20.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenAuf Instagram in den Sommerferien? Wer sich nicht ums Roaming kümmert, könnte von einer hohen Rechnung überrascht werden.Design Pics / ImagoEs gehört mittlerweile auf beinahe jede To-do-Liste, bevor man in die Ferien fährt: ein Roaming-Paket abschliessen. Wer mit seinem Handy ausserhalb der Schweiz und ohne WLAN-Verbindung surfen will, muss Daten kaufen, wenn diese nicht schon im Abonnement enthalten sind. Sonst kann es extrem teuer werden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Anders ergeht es den meisten Menschen, die in Europa leben. Im EU- und EWR-Raum gilt das sogenannte «Roam like at home»-Gebot. Dieses besteht seit dem Jahr 2017 und sorgt dafür, dass Reisende die Smartphone-Nutzung im Ausland genauso viel kostet wie in dem Land, in dem sie das Handy-Abonnement abgeschlossen haben.Nun tut sich auch etwas für Schweizer Reisende – zumindest für jene, die das Vereinigte Königreich besuchen wollen. Vergangene Woche gaben Bundespräsident Guy Parmelin und der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle in Bern bekannt, dass die beiden Länder ein neues Freihandelsabkommen ausgehandelt haben. Die Staaten beabsichtigen, Mobilfunk-Roaming ohne zusätzliche Aufschläge in den Vertrag aufzunehmen, wobei die technischen Details noch geprüft werden.«Mit den Briten vereinbart man jetzt genau das, was man eigentlich längst mit der EU verhandeln sollte», sagt die Mitte-Politikerin Elisabeth Schneider-Schneiter. Sie setzt sich seit zehn Jahren für die Abschaffung der zusätzlichen Roaming-Kosten in der EU ein. «Jetzt braucht es erst recht Gratis-Roaming mit der EU.»Trendwende beim Gratis-Roaming?Bis anhin waren Roaming-Deckelungen politisch chancenlos. Der Bundesrat lehnte verschiedene Vorstösse von Schneider-Schneiter immer wieder ab.Die Begründungen sind nicht nur staatsrechtlicher Natur: Das internationale Roaming werde kontinuierlich billiger, Mobilfunkanbieter böten bereits attraktive Angebote, oder neuere Gesetzesrevisionen regelten das Roaming bereits genügend. Die Abmachung mit dem Vereinigten Königreich stellt somit einen Kurswechsel dar.Mit der EU sind Roaming-Gebühren derzeit kein Thema. Sie sind kein Aspekt im ausgehandelten Vertragspaket. Dennoch erhält die Mitte-Politikerin Elisabeth Schneider-Schneiter Unterstützung aus dem Ständerat, vom FDP-Politiker Thierry Burkart, der Mitglied der zuständigen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen ist: «Viele Mobiltelefonkunden haben das Roaming mit der EU in ihrem Abonnement bereits integriert, womit es politisch wichtigere Themen gibt. Dennoch wäre ein Roaming-Abkommen mit der EU selbstverständlich positiv.»Mobilfunkanbieter dürften am Roaming gut verdienenFallende Roaming-Gebühren die EU betreffend wären für die Schweizer Mobilfunkanbieter von grösserer Tragweite, als wenn sich die Regulierung auf das Vereinigte Königreich beschränkte. Sehr viel mehr Menschen reisen in EU-Länder als in das Vereinigte Königreich. Die Firmen müssten ihre Geschäftsmodelle vermutlich stark überarbeiten. Derzeit handeln die Mobilfunkanbieter die Roaming-Preise bilateral mit ausländischen Unternehmen aus. Entscheidend sind dabei die Datenvolumen, Nutzungsmengen, Qualitätsanforderungen oder eingesetzte Netztechnologien.Swisscom, Sunrise und Salt geben auf Anfrage nicht an, wie hoch ihr Gewinn durch Roaming-Gebühren ausfällt. Das Bundesamt für Kommunikation erhebt jedoch, wie viel Umsatz die drei Mobilfunkanbieter mit Roaming machen. Die Berechnungen beliefen sich 2024 auf 63 Millionen Franken beim Daten-Roaming, 33 Millionen beim Sprachanrufe-Roaming und 6 Millionen beim SMS-Roaming. Die Zahlen beziehen sich jedoch nur auf Einnahmen aus dem Standardtarif und zusätzlich gebuchten Optionen wie Datenpaketen. Die Umsätze, die Anbieter durch Flatrate-Tarife, also die im Mobile-Abonnement inbegriffenen Datenmengen, machen, nennt das Bundesamt nicht.«Die Schweizer Mobilfunkanbieter könnten wegfallende Roaming-Zuschläge finanziell verkraften», so der Telekommunikationsexperte Ralf Beyeler. «Die Anbieter erhalten dafür niedrige Preise beim Einkauf.»Beyeler sagt, dass die Swisscom wohl am wenigsten stark von tieferen Roaming-Preisen betroffen wäre. Entscheidend seien hier die unterschiedlichen Marktanteile bei den Abonnements im Inland und beim Roaming. Die Swisscom deckte 2024 mehr als die Hälfte des Marktes bei den Schweizer Abos ab. Anders sei das beim Markt für Roaming. Dieser sei zwischen den drei Anbietern ziemlich gleichmässig verteilt, schätzt Beyeler.«Die Swisscom muss demnach tiefer in die Tasche greifen, um ihren Kunden das Surfen im Ausland zu ermöglichen», sagt Beyeler. Vergleichsweise nehme sie weniger Geld durch ausländische Kunden in der Schweiz ein. Tiefere Roaming-Preise würden die Swisscom am wenigsten stark treffen. Bei Salt und Sunrise wäre es genau umgekehrt, so Beyeler.Dennoch spricht sich die Swisscom derweil für den Status quo aus: Aus Sicht des Unternehmens sei die heutige Schweizer Roaming-Regulierung sinnvoller als regionale oder länderspezifische Regelungen. Der Mobilfunkanbieter Salt scheint jedoch gegenüber einer Lösung mit der EU nicht abgeneigt: «Grundsätzlich sind einheitliche Lösungen einfacher als mehrere bilaterale Abkommen.»Als die EU das «Roam like at home»-Regime einführte, setzte sie auf verschiedene Mechanismen, um die Mobilfunkanbieter zu schützen – beispielsweise auf eine «Fair Use Policy» oder den sogenannten Nachhaltigkeitsmechanismus: Falls Mobilfunkanbieter ihre Kosten wegen der wegfallenden Roaming-Gebühren nicht mehr decken können und das inländische Preismodell leidet, dürfen die Anbieter einen Aufschlag auf Roaming-Dienste erheben.Gemäss einem EU-Bericht aus dem Jahr 2025 sind Mobilfunkanbieter kaum noch auf solche Zuschläge angewiesen. Seit dem Jahr 2022 musste kein einziger Mobilfunknetzbetreiber darauf zurückgreifen.Gerade fleissige Reisende und Grenzgänger dürfte es freuen, falls die Roaming-Gebühren auch mit der EU fallen könnten – oder Politiker: Im Jahr 2018 reiste der ehemalige polnische Aussenminister Radoslaw Sikorski für einen Tag an das World Economic Forum in Davos und verpasste es, sich um ein Datenpaket zu kümmern. Die Handy-Rechnung war entsprechend saftig: 1400 Franken, wobei die Daten 1100 Franken ausmachten.Passend zum Artikel
Schweiz-GB-Abkommen: Gratis Roaming als Vorlage für die EU?
Dank dem neuen Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und Grossbritannien soll in Zukunft Roaming in beiden Ländern ohne Extrakosten möglich sein. Für die Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter ist das nicht genug.








