AnalyseFür den Vermögensaufbau ist nicht nur entscheidend, dass Ersparnisse investiert werden, sondern auch, wie. Die wichtigsten Grundsätze für den Aufbau und die erfolgreiche Bewirtschaftung des Portfolios im Überblick.Die Börsen bieten attraktive Renditechancen. Um sie zu nutzen, braucht es klare Ziele, ein realistisches Budget und ein passendes Risikoprofil. Darauf baut die Anlagestrategie auf.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Langfristiger Erfolg bedingt aber mehr: Ebenso wichtig sind eine breite Diversifikation und kosteneffiziente Anlageinstrumente. Und das Portfolio muss regelmässig überprüft werden. Rebalancing führt verschobene Gewichtungen auf die Zielallokation zurück. Verändern sich die Lebensumstände, sollte dagegen die Anlagestrategie selbst überprüft werden.Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Grundsätze für Aufbau und Bewirtschaftung des Portfolios.InhaltsverzeichnisAsset Allocation: der Bauplan des PortfoliosPensionierung schafft neue RisikenDiversifikation: Risiken bewusst streuenRebalancing: das Portfolio auf Kurs haltenSparpläne als sanftes RebalancingAsset Allocation: der Bauplan des PortfoliosAm Anfang jeder Anlagestrategie steht die Bestimmung des Risikoprofils. Entscheidend sind Fragen wie: Wie gross sind der zeitliche und der finanzielle Spielraum? Wie hoch darf ein vorübergehender Verlust ausfallen?Daraus ergibt sich die Verteilung des Vermögens auf Aktien, Obligationen, Immobilien, Gold und weitere Anlagen. Generell gilt: Je länger der Anlagehorizont und je höher die Risikobereitschaft, desto höher können Aktienquote und angestrebte Rendite sein.Das klassische 60-40-Portfolio besteht aus 60% Aktien und 40% Obligationen. Ein ausgewogenes Langfristportfolio kombiniert meist Aktien und Obligationen mit diversifizierenden Anlagen wie Immobilien oder Gold. Beim Vermögensverwalter Tareno entfallen beispielsweise in einer ausgewogenen Strategie 50% auf Aktien, 28% auf Obligationen, 12% auf Infrastruktur und Privatmärkte, 5% auf Gold, 3% auf Liquidität und 2% auf Kryptowährungen.The Market führt seit September 2019 ein aktives Asset-Allocation-Portfolio.Dividendenaktien, Immobilien und Gold können stabilisierend wirken. Bei Dividendentiteln zählt jedoch nicht nur die Höhe, sondern auch die Nachhaltigkeit der Ausschüttung. Immobilien liefern laufenden Ertrag, doch viele Schweizer Anleger sind bereits über Wohneigentum oder die Pensionskasse stark im heimischen Immobilienmarkt engagiert, betont Simon Lutz, Anlagechef bei Tareno.Kurzfristige Marktschwankungen sollten gleichzeitig die strategische Allokation nicht infrage stellen. Taktische Anpassungen können beispielsweise bei veränderten Bewertungen, Zinsen oder Inflationsaussichten sinnvoll sein, müssen aber innerhalb klarer Leitplanken bleiben.«Die strategische Asset Allocation bestimmt langfristig den grössten Teil des Anlageerfolgs», sagt Christoph Kuhn, Leiter Portfolio Management bei Raiffeisen Schweiz.Pensionierung schafft neue RisikenMit jeder neuen Lebensphase verändert sich die Allokation. Während der Erwerbsphase erhöhen Einkommen und Sparbeiträge die Risikofähigkeit. Vor und nach der Pensionierung gewinnt die Liquiditätsplanung und damit das Renditereihenfolgerisiko an Bedeutung. Es bezeichnet die Gefahr, dass Kursverluste zu Beginn der Entsparphase das Vermögen überproportional und dauerhaft schmälern.«Ein starker Kursrückgang zu Beginn der Pensionierung kann ein Portfolio bei gleichzeitigen Entnahmen dauerhaft belasten», sagt Djâafar Aballeche von Pictet Wealth Management. Die Aktienquote sollte dennoch nicht pauschal sinken: Auch mit 65 beträgt der Anlagehorizont oft zwanzig bis dreissig Jahre. Entscheidend bleiben Risikofähigkeit, Liquiditätsbedarf und Entnahmeplanung.Diversifikation: Risiken bewusst streuenRisiken sollten bewusst eingegangen werden und nicht zufällig entstehen. Ein Portfolio wird deshalb nicht nur nach Renditechancen, sondern auch unter Berücksichtigung von Aktienmarkt-, Zins-, Kredit-, Währungs- und Liquiditätsrisiken aufgebaut.Diversifikation kann viele dieser Risiken für das Gesamtportfolio mindern. Entscheidend ist, dass sich Anlagen in unterschiedlichen Marktphasen verschieden entwickeln, etwa Aktien und Obligationen.Eine gute Diversifikation verteilt das Kapital über Anlageklassen, Regionen, Sektoren, Laufzeiten, Bonitäten und gegebenenfalls Währungen. Entscheidend ist jedoch nicht die Zahl der Positionen, sondern ihr Zusammenspiel: Je geringer ihre Korrelation, desto grösser ist der Diversifikationseffekt.«Es zählt die Streuung der Risikotreiber», sagt Christian Gattiker, Head of Research bei der Bank Julius Bär. So lassen sich Klumpenrisiken und der Beitrag einzelner Anlagen zum Gesamtrisiko begrenzen.Obligationen können beispielsweise in einer Rezession stabilisieren, verlieren bei stark steigenden Zinsen aber an Schutzwirkung. Gold kann in Krisen helfen, wirft jedoch keinen laufenden Ertrag ab.«Viele selbstverwaltete Portfolios sind stark auf wenige Einzeltitel konzentriert», sagt Achim Peijan, Finanzexperte bei der Grossbank UBS. Das erhöht das unternehmensspezifische Risiko, derzeit besonders bei Engagements in Technologie und künstlicher Intelligenz. ETF ermöglichen mit wenig Kapital eine kostengünstige Streuung und eignen sich gemäss Kuhn von Raiffeisen Schweiz besonders für breite Aktien- und Obligationenmärkte. Doch auch ihre Gewichtung und die Klumpenrisiken sollten Anleger prüfen.Die Kombination aktiver und passiver Anlagen kann sinnvoll sein. Investoren können den breiten Heimmarkt über einen ETF abdecken und mit einem aktiv geführten Small- und Mid-Cap-Fonds ergänzen. Diese Anlagestrategie wird Core Satellite genannt.Die Risikosteuerung des Portfolios beginnt mit der strategischen Asset Allocation und einer breiten Diversifikation. Derivate können Risiken zusätzlich begrenzen, erhöhen aber die Komplexität. Bei Obligationen ist eine Währungsabsicherung oft sinnvoll, weil Wechselkursschwankungen den Zinsertrag überlagern können. Bei Aktien hängt der Entscheid stärker von Renditeerwartung und Absicherungskosten ab.Rebalancing: das Portfolio auf Kurs haltenMit der Diversifikation ist die Arbeit nicht getan. Das Portfolio braucht laufende Pflege. Rebalancing hält es auf Kurs.Durch Marktbewegungen gewinnen gut laufende Aktien, Sektoren oder Anlageklassen an Gewicht. Dadurch kann sich die tatsächliche Allokation von der strategischen Zielstruktur entfernen und das Risikoprofil ungewollt verändern. «Rebalancing ist vor allem Risikomanagement», sagt Gattiker. Es verhindert, dass einzelne Gewinnerpositionen übermässig dominant werden.Nach starken Kursgewinnen einzelner Marktsegmente ist Vorsicht angebracht, häufig sinken die künftigen Renditechancen. Oft ist ein situatives Rebalancing dennoch sinnvoll, weil dabei beurteilt werden kann, ob gut gelaufene Segmente weiterlaufen sollen oder zugunsten moderater bewerteter Anlagen reduziert werden. Es gilt idealerweise, weder Gewinner zu früh zu verkaufen noch an Verlierern zu lange festzuhalten.In der Praxis wird entweder in festen Intervallen – etwa halbjährlich oder jährlich – oder bei Überschreiten definierter Toleranzbänder rebalanciert. Für Privatanleger bietet sich eine Kombination an: regelmässig prüfen, aber nur bei deutlichen Abweichungen handeln. Und Verkäufe sind nicht immer nötig. Es lassen sich auch Zuflüsse wie Sparbeiträge, Dividenden und Coupons nutzen, um untergewichtete Segmente zu stärken. Erst danach werden übergewichtete Positionen reduziert.«Falsch wäre es, allein um des Rebalancing willen zu handeln», sagt Mario Aguilar de Irmay von Janus Henderson. Entscheidend sind Abweichung, Anlageziel und Umsetzungskosten – sprich: Gebühren.Rebalancing wirkt meist antizyklisch: Gewinner werden reduziert, Nachzügler aufgestockt. «So werden Gewinne teilweise realisiert und in zurückgebliebene Segmente investiert», sagt Kuhn. Dadurch bleibt das Portfolio auf Kurs. Nach Pensionierung, Erbschaft, Scheidung oder Jobwechsel reicht Rebalancing jedoch nicht aus. Dann muss die strategische Asset Allocation selbst überprüft werden.Sparpläne als sanftes RebalancingAuch regelmässige Einzahlungen können das Portfolio zurück auf Kurs bringen, wenn der Sparplan an der strategischen Asset Allocation ausgerichtet ist. Neue Mittel fliessen gezielt in breit diversifizierte Fonds und ETF. Das spart Kosten. «Sparpläne sind ein sehr wirkungsvolles Instrument, weil sie Disziplin automatisieren», sagt DWS-Portfoliomanagerin Angelina Kostyrina.Wer regelmässig investiert, kauft bei tiefen Kursen mehr und bei hohen weniger Anteile. «Dies kann die Auswirkungen von Marktschwankungen auf den durchschnittlichen Einstiegskurs reduzieren, ohne jedoch das Marktrisiko zu eliminieren», sagt Peijan von UBS. Zugleich sinkt die Gefahr emotionaler Fehlentscheide.Mit wachsendem Vermögen nimmt der Rebalancing-Effekt der oftmals gleichbleibenden Sparbeiträge allerdings ab.Die seltene Steuerfalle für aktive PrivatanlegerZu häufiges Rebalancing verursacht nicht nur Kosten, sondern kann in seltenen Fällen steuerliche Folgen haben. «Für Privatanleger ist entscheidend, nicht als gewerbsmässige Wertschriftenhändler eingestuft zu werden», sagt Stefan Piller, Leiter Steuern und Recht Region Zürich-Ostschweiz bei BDO. Denn private Kapitalgewinne sind grundsätzlich steuerfrei. Bei gewerbsmässiger Tätigkeit werden Gewinne dagegen als Einkommen besteuert und unterliegen Sozialversicherungsabgaben.Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat fünf Safe-Harbour-Kriterien definiert. Wer sie alle gleichzeitig erfüllt, kann eine gewerbsmässige Einstufung grundsätzlich ausschliessen. Betroffen sind meist nur private Trader.Wer einzelne Kriterien verfehlt, wird nicht automatisch als gewerbsmässiger Händler eingestuft. Entscheidend sind die Gesamtumstände. Zudem kann sich die Handhabung je nach Kanton unterscheiden.Besondere Abgrenzungsfragen stellen sich bei Start-up-Investments und Kryptowährungen. Auch wer zahlreiche Beteiligungen strategisch bewirtschaftet oder intensiv mit Kryptowährungen handelt, kann den Rahmen der privaten Vermögensverwaltung überschreiten.Für die Anlagerendite zählt nicht nur eine mögliche Besteuerung von Kapitalgewinnen. Dividenden und Zinsen sind in der Schweiz steuerbar, Quellensteuern können ausländische Investitionen zusätzlich belasten. Nur ein Teil lässt sich zurückfordern.Performancekontrolle: Rendite allein genügt nichtEin Portfolio sollte regelmässig darauf geprüft werden, ob es noch zur persönlichen Situation und zur gewählten Strategie passt. «Für die meisten Anleger empfehlen wir eine jährliche Prüfung, ob die strategische Asset Allocation weiterhin mit Risikofähigkeit, Anlagehorizont, Liquiditätsbedarf und finanziellen Zielen übereinstimmt», sagt Simon Lutz von Tareno.Daneben gilt es, die Wertentwicklung einzuordnen. Die absolute Rendite allein sagt dabei wenig aus. Entscheidend ist, mit welchem Risiko sie erzielt wurde, wie das Portfolio gegenüber einer passenden Benchmark abschneidet und ob es den finanziellen Zielen näherkommt. Aussagekräftiger als einzelne Jahre sind längere Zeiträume, etwa rollierende Drei- oder Fünfjahresperioden. Kennzahlen wie Volatilität oder Maximum Drawdown helfen, Rendite und Risiko ins Verhältnis zu setzen.Eine fundierte Analyse zeigt idealerweise zudem, woher das Ergebnis stammt: aus der strategischen Allokation, taktischen Entscheiden, Währungseffekten oder dem Marktumfeld. Auch Kosten sind zu berücksichtigen, weil Gebühren und Steuern die Nettorendite schmälern.Für Privatanleger genügt meist eine quartalsweise oder halbjährliche Performancekontrolle. Wer sein Portfolio täglich überwacht, läuft dagegen Gefahr, auf kurzfristige Marktbewegungen überzureagieren. Nach Kursverlusten wird häufig vorschnell verkauft, nach starken Börsenphasen zu viel Risiko aufgebaut. «Auch Profis verhalten sich häufig prozyklisch: zurückhaltend in Bärenmärkten und zu optimistisch in Bullenmärkten», sagt Lutz.Der grösste Mehrwert guten Portfoliomanagements liegt nicht in einer Überrendite, sondern im Vermeiden kostspieliger Fehler. Eine passende Asset Allocation, breite Diversifikation, massvolles Rebalancing und tiefe Kosten schaffen die Grundlage. Entscheidend sind danach Disziplin und Geduld. Je länger Anleger investiert bleiben, desto weniger fallen kurzfristige Schwankungen ins Gewicht, und desto stärker kann der Zinseszinseffekt wirken.Gutes Portfoliomanagement zeigt sich letztlich auch daran, dass die Investitionen zur Lebenssituation passen.
Von Diversifikation bis Rebalancing: So gelingt gutes Portfoliomanagement
Für den Vermögensaufbau ist nicht nur entscheidend, dass investiert wird, sondern auch wie. Worauf Anleger bei der Portfoliobewirtschaftung achten sollten.







