Tucker Carlson ist eine der Schlüsselfiguren der US-Rechten. Neuerdings finden sogar Linke manche seiner Positionen gut. Was ist da los?

D ie Sache mit Tucker Carlson, also das neue Phänomen um diesen Mann, das war erstmals im Juni 2025 zu beobachten. Der Moderator hatte damals den texanischen US-Senator Ted Cruz zu Gast in seiner Talkshow und nutzte die zwei Stunden des Gesprächs, um den republikanischen Politiker mit offensichtlichem Genuss vorzuführen. Carlson warf Cruz Kriegstreiberei vor, vor allem wegen dessen Ruf nach einem durch die USA herbeigeführten Regimewechsel im Iran. Als Carlson testen wollte, was Cruz überhaupt über den Iran wisse, musste dieser zugeben, nicht mal die grobe Bevölkerungszahl des Landes zu kennen.

Ein Clip dieses Wortwechsels ging viral, allein auf Youtube wurde er bis heute vierzehn Millionen Mal geschaut. „Hervorragend“ sei Carlsons Gesprächsführung gewesen, kommentierte der bekannte Journalist Mehdi Hasan anschließend. Viele in Hasans progressivem Umfeld stimmten zu. Plötzlich bekam Carlson, einer der bekanntesten Rechten der USA, Applaus von links.

Carlson hat seither viele solcher Momente produziert. Im vergangenen Februar stellte er Mike Huckabee, den US-Botschafter in Israel, für dessen theologische Verteidigung der israelischen Kriegsverbrechen in Gaza bloß. Im April sorgte Carlson mit dem Bekenntnis für Schlagzeilen, dass er es mittlerweile bedauere, im Wahlkampf 2024 für Donald Trump mobilisiert zu haben. Anfang Juli gab der 57-Jährige bekannt, beim Aufbau einer dritten Partei mithelfen zu wollen, um das Spektrum der Wahlmöglichkeiten zu stärken. Diverse Medienfiguren, die mit Carlson politisch sonst quer liegen, haben sich in vergangenen Monaten positiv auf ihn bezogen, darunter Barack Obamas früherer Redenschreiber Jon Favreau, der linke israelische Journalist Gideon Levy sowie Cenk Uygur, Moderator der Sendung „The Young Turks“.