Der Rauch von Waldbränden in Kanada zieht über die USA hinweg – und sorgt für dicke Luft zwischen den beiden LändernSelbst der Final der Fussball-WM war wegen schlechter Luftwerte zeitweise in Gefahr. Donald Trump wirft Kanada vor, zu wenig gegen die Brände zu tun, und droht mit Zöllen. Der kanadische Premierminister sagt, dass beide Länder gegen den Klimawandel vorgehen müssten.19.07.2026, 17.47 Uhr4 LeseminutenDicker Rauch, so weit das Auge reicht: Die kanadische Grossstadt Toronto ist von den Auswirkungen der Waldbrände stark betroffen.Cole Burston / APSeit Tagen wüten in Kanada und im amerikanischen Gliedstaat Minnesota schwere Waldbrände. 955 aktive Feuerherde zählten die kanadischen Behörden am Sonntag. Sie zerstören nicht nur enorme Waldflächen, sondern führen zu gefährlich schlechter Luft in weiten Teilen Nordamerikas.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Sogar der WM-Final war gefährdetBesonders stark betroffen sind Städte im Mittleren Westen der USA, von Minnesota bis Ohio, aber auch Toronto in Kanada. Gemäss dem Schweizer Datenanbieter IQAir hatte Chicago am Sonntagmorgen die schlechteste Luftqualität aller Metropolen weltweit. Einige der giftigen Rauchschwaden haben in den vergangenen Tagen auch die amerikanische Ostküste heimgesucht, am Freitag war die Luftqualität selbst in der etwas weiter südlich gelegenen Hauptstadt Washington gefährlich schlecht.In New York war die Luft bereits ab Mittwoch mit beissendem Rauch erfüllt. Wer aus Brooklyn in Richtung Manhattan blickte, konnte zum Teil die berühmte Skyline nicht mehr erkennen. Selbst das World Trade Center verschwand tagsüber in einem dicken, gelb-grauen Nebel. Langjährige Anwohner wenden indes ein, dass die Waldbrandsaison 2023 noch viel schlimmer gewesen sei. Die Brände loderten damals viel näher bei der Stadt, in der Provinz Québec, und New York verzeichnete tagelang die gefährlichste Luft auf der Welt.In New York verdeckte der Rauch tagelang die Sicht auf die Skyline von Manhattan.Christopher Neundorf / EPAIn New York schützten sich manche Passanten mit Atemschutzmasken vor dem gefährlichen Feinstaub in der Luft.Angel Colmenares / ImagoIn den nördlichen USA mussten wegen der hohen Konzentration an gefährlichem Feinstaub in der Luft zahlreiche Sommerlager, Konzerte und Sportveranstaltungen abgesagt werden. Zeitweise machte man sich gar um den Final der Fussball-WM Sorgen, der am Sonntagabend vor den Toren New Yorks in einem offenen Stadion stattfinden sollte. Im Lauf des Wochenendes zeichnete sich indes ab, dass sich die lokale Luftqualität nach heftigen Regenfällen rechtzeitig wieder etwas verbessern würde.Politiker aus den USA warfen dem nördlichen Nachbarn vor, an der Misere Schuld zu tragen. Allerdings werden die meisten der Brände nicht von Menschen verursacht: Kanada ist ein riesiges, stark bewaldetes und mit Ausnahme einiger Metropolen dünn besiedeltes Land. Es kam hier im Sommer schon zu Waldbränden, bevor sich Menschen ansiedelten. Die Ökosysteme sind im gewissen Sinn sogar angewiesen auf solche regelmässigen Feuer, um sich zu erneuern.Wissenschafter sind jedoch überzeugt, dass der Klimawandel die Waldbrandgefahr in Kanada verschärft; insbesondere, weil er für trockenere Böden und häufigere Dürreperioden sorgt. Im Kern handelt es sich aber um ein natürliches Phänomen.Die meisten Waldbrände werden in Zentralkanada registriert. In der Grossstadt Edmonton in Alberta sorgt der Rauch für eindrückliche Bilder.Andy Bao / APApokalyptische Bilder: Die Waldbrände sorgen in Toronto für eine gelb-graue Nebeldecke. Einwohner wurden aufgefordert, auf sportliche Aktivitäten zu verzichten.Carlos Osorio / ReutersEine «Invasion» aus NordenDie Waldbrandsaison 2026 spielt sich jedoch in einem bereits vergifteten politischen Klima ab. Seit über einem Jahr mokiert sich der amerikanische Präsident Donald Trump über Kanada und droht dem nördlichen Nachbarn regelmässig an, ihn zum 51. Gliedstaat der USA zu machen. Die Kanadier reagierten mit einem weitreichenden Boykott amerikanischer Produkte. Sie kaufen fast keinen kalifornischen Wein mehr und streichen ihre Ferien in Florida oder New York.Doug Ford, der Premierminister der kanadischen Provinz Ontario, nannte die Kritik aus den USA «völlig inakzeptabel». Er erinnerte daran, wie kanadische Feuerwehrleute im vergangenen Jahr mitgeholfen haben, Brände in Kalifornien, Georgia und South Carolina zu bekämpfen. «Das ist, was Nachbarn tun, nicht?»Zahlreiche Löschflugzeuge kommen in Kanada zum Einsatz. Der amerikanische Politiker Tim Sheehy kritisierte jedoch, dass US-Flugzeuge regelmässig abgewiesen würden.Darryl Dyck / APEs verwundert daher wenig, dass sich Donald Trump am Samstag auf seiner Plattform Truth Social zu den Rauchschwaden geäussert hat. Es handle sich um eine Invasion «dreckiger, verschmutzter und ungesunder Luft» aus Kanada. Er warf dem nördlichen Nachbarn vor, seine Wälder und sein Buschwerk zu vernachlässigen – und drohte mit neuen Zöllen. Trump fachte damit einen Streit zwischen Maga-Republikanern und kanadischen Politikern beider Länder an, der bereits hin und her wogte.Tim Sheehy, Senator aus dem nördlichen Gliedstaat Montana und früher selbst Pilot von Löschflugzeugen, warf der kanadischen Regierung vor, «sehr unehrlich» zu sein, wenn sie auf ihre früheren Hilfeleistungen verweise. Er verglich ihr Vorgehen mit «chinesischer Schutzgelderpressung»: Sie würde private amerikanische Löschunternehmen regelmässig daran hindern, Brände in Kanada zu bekämpfen, und schicke ihrerseits staatlich subventionierte Flugzeuge in die USA, um dort auf dem freien Markt Aufträge zu ergattern, die vom amerikanischen Steuerzahler bezahlt würden.Der kanadische Premierminister Mark Carney hat am Donnerstag an einer Pressekonferenz gesagt, dass Kanada und die USA eine gemeinsame Verantwortung hätten, gegen den Klimawandel vorzugehen. Es war eine nur leicht verhüllte Spitze gegen Trump, der dem Kampf gegen den Klimawandel keine Bedeutung zumisst.Die schlechte Luft aus Kanada gelangte zeitweise weit nach Süden, etwa bis in die amerikanische Hauptstadt Washington.Al Drago / ReutersPassend zum Artikel