Das Lesbisch-schwule Stadtfest zieht wieder Hunderttausende an. Klaus Wowereit wird bejubelt und der Rainbow Award geht an einen CDU-Politiker.

Manche kamen auch nur zum Gucken

Christoph Soeder/dpa

Die Nachricht vom Rücktritt Jens Spahns als CDU-Bundesfraktionschef ist wenige Stunden alt. Vor der Bühne auf dem Lesbisch-schwulen Stadtfest rund um die Motzstraße in Schöneberg hat sich eine Menschenmenge versammelt. Gespanntes Erwarten. Er sei wegen „der Legende“ hier, verrät ein älterer Mann mit Strohhut und Hosenträgern, „ohne den hätte der Spahn nicht heiraten können“. Da kommt die Legende auch schon. Mit weit ausgestreckten Armen schreitet Klaus Wowereit an den Rand der Bühne, streicht sich kokett über das kurze graue Haar und begrüßt die Versammelten, die klatschen und jubeln, mit „ihr Lieben“.

Weiße Jeans, rosa Hemd, gebräunter Teint, er sieht gut aus, der ehemalige Regierende von Berlin. Eigentlich ist es unnötig, dass ihn der 80-jährige Moderator Gerhard Hoffmann, Gründer des Stadtfestes und selbst eine Schwulen-Legende, vorstellt. Aber man kann es nicht oft genug sagen. Ohne den Wegbereiter Wowereit, der sich vor 25 Jahren als erster Spitzenpolitiker öffentlich outete – „Ich bin schwul, und das ist gut so“ –, hätte die Angleichung der Lebensverhältnisse vermutlich viel länger gedauert. „Du hast die Welt verschönert, das war ein absoluter Tabubruch“, sagt Hoffmann. „Dafür danke ich dir heute noch.“ Die Menge unterstreicht das mit Applaus.