Der erste Block der Saisonvorbereitung liegt hinter den Profis des FSV Mainz 05. Nach dem 4:1 gewonnenen Testspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern gab Trainer Urs Fischer seinen Spielern fünf Tage frei. Zuvor aber vermeldete der Verein noch zwei Personalien. Zum einen hat sich Nachwuchsstürmer Nelson Weiper für ein Jahr auf Leihbasis auf den Weg zum österreichischen Erstligaklub Sturm Graz gemacht. Zum anderen haben die Mainzer in Alexander Schwolow einen erfahrenen Mann unter Vertrag genommen, der ihr Torwarttrio komplettiert.Den 34-jährigen gebürtigen Wiesbadener, der in der Bundesliga 177 Partien für den SC Freiburg bestritt, bevor er unter anderem noch für Hertha BSC, den FC Schalke und Union Berlin tätig war, haben die Rheinhessen vom schottischen Meisterschaftszweiten Heart of Midlothian losgeeist. Allerdings wird Schwolow erst Ende Juli während des Trainingslagers im österreichischen Hopfgarten zu seinen neuen Kollegen stoßen. Zuvor soll er seinem bisherigen Klub zum Einzug in die Champions League verhelfen – in der Qualifikation trifft er kurioserweise auf Weipers neues Team.Ein Routinier sollte es seinDie Verpflichtung eines Schlussmanns war nötig geworden, weil Daniel Batz zu Borussia Mönchengladbach gewechselt war. Zwar nahm Lasse Rieß vorübergehend wieder die zweite Position hinter Robin Zentner ein – allerdings nur bis zum für ein Jahr abgeschlossenen Leihgeschäft mit Fortuna Düsseldorf. Nummer drei im Mainzer Kader ist der aus der U23 hochgezogene Maximilian Kinzig.Das Profil für die Suche nach einem Ersatz ergab sich von selbst. Ein Routinier sollte es sein, den die Trainer jederzeit bedenkenlos anstelle eines verletzten oder gesperrten Zentner bringen können. Und jemand, der seine Rolle als Back-up akzeptiert. „Jetzt sind uns viele Namen durch den Kopf gegeistert, mit denen wir uns mal mehr, mal weniger beschäftigt haben“, sagt Sportdirektor Niko Bungert. „Am Ende hatten wir bei Alex ein sehr gutes Gefühl.“17 Partien ohne GegentorSchwolow erfülle die Anforderungen mit seiner Bundesligaerfahrung nicht nur zu 100 Prozent, sondern habe gerade in Schottland eine beeindruckende Saison gespielt – in 17 Meisterschaftspartien waren die Hearts ohne Gegentor geblieben.Als „vielleicht sogar entscheidenden“ Aspekt nennt Bungert beim neuen Keeper einen „sehr angenehmen, vernünftigen Charakter, mit dem wir schnell auf einer Wellenlänge waren“. Bei Union Berlin habe sich Schwolow zudem in einer ähnlichen Konstellation befunden. Und in die Kategorie „Soft Skills“ fallen seine Herkunft aus dem Rhein-Lahn-Kreis und die Jugendjahre beim SV Wehen Wiesbaden. „Er kommt aus der Region und wird keine Eingewöhnungszeit brauchen.“Selbstredend wird Robin Zentner als Mainzer Nummer eins in die Saison gehen, seine inzwischen siebte in dieser Rolle. Das sagt auch Trainer Urs Fischer, „und das haben wir so mit Alex besprochen“. Allerdings: „Eine Garantie hat niemand. Am Ende geht es über die Leistung.“ Über seinen Neuzugang zwischen den Pfosten freut der Trainer sich nicht nur sehr, sondern er und Ko-Trainer Markus Hoffmann hatten auch darauf hingewirkt. Sie kennen Schwolow aus der gemeinsamen Zeit bei Union, „wo er sich vorbildlich verhalten hat“.„Wir brechen nichts über das Knie“Ob die Mainzer für das andere Ende des Spielfelds noch Verstärkungen suchen, lassen Trainer und Sportdirektor offen. Fischer äußert sich grundsätzlich nicht zu Personalfragen, solange diese nicht geklärt sind. Und laut Bungert zieht Weipers vorübergehender Abgang nicht zwingend die Verpflichtung eines anderen Mittelstürmers nach sich. „Wir brechen nichts übers Knie, wir haben ja auch noch ein paar Wochen Zeit.“Jetzt sei es vorrangig gewesen, mit dem seit seiner Kindheit am Bruchweg ausgebildeten Weiper „lange und gute Gespräche zu führen und das Gefühl zu bekommen, gemeinsam den richtigen Schritt zu planen“. Der U21-Vizeeuropameister, der in der vergangenen Spielzeit nach dem Heckmeck um seine Vertragsverlängerung vorübergehend aus dem Kader gestrichen worden war und anschließend den überhöhten Erwartungen als Jonathan-Burkardt-Ersatz nicht gerecht werden konnte, kam auf 24 Bundesligaeinsätze, fast immer von kurzer Dauer, und stand in der Conference League neunmal auf dem Platz.Weiper nimmt in Graz einen neuen AnlaufAller Wahrscheinlichkeit nach wäre es für Weiper schwierig geblieben, hinter Phillip Tietz auf viele Minuten zu kommen. Nichtsdestotrotz hält der Verein an ihm fest. „Nelly war und ist ein herausragendes deutsches Sturmtalent“, betont Bungert. „Er hat in sehr jungen Jahren schon beeindruckende Schritte mit Spielen und Toren in der Bundesliga gemacht.“Sturm Graz habe sich sowohl bei Mainz 05 als auch bei Weiper selbst um dessen Dienste bemüht. Der 21-Jährige sei genau der Spielertyp, der im Kader fehle, berichtet Bungert von den Plänen der Österreicher. „Sie wollen ihn in einem passenden System mit Spielzeit füttern.“Auch ohne das Eigengewächs sehen sich die Mainzer im Angriff gut aufgestellt. Im Test gegen den FCK bildeten Tietz und Sheraldo Becker vor der Pause das Sturmduo, danach kam auch der vom HSV geholte Ransford Königsdörffer zum Zug. „Wir haben vorne gute und interessante Namen dabei, und alles Weitere hängt auch vom Heilungsverlauf unserer Verletzten ab“, sagt Bungert. Benedict Hollerbach, seit Ende Januar wegen eines Achillessehnenrisses außen vor, werde schon mit ins Trainingslager fahren, wenn auch noch nicht voll mit der Mannschaft trainieren.