PfadnavigationHomePolitikDeutschlandAufstellung der Bundesregierung„Hat sehr, sehr spät informiert“ – Merz kritisiert Spahn und deutet Kabinettsumbildung anStand: 13:33 UhrLesedauer: 4 MinutenBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im ZDF-„Sommerinterview“ 2026 in Meschede Quelle: Dominik Asbach/ZdF/dpaFriedrich Merz sucht nach einem neuen Fraktionsvorsitzenden – und heizt im ZDF-„Sommerinterview“ Spekulationen um einen Kabinettsumbau an. Von einer bestimmten „Top“-Personalie will er aber nichts wissen. An der Kommunikation von Jens Spahn übt der Bundeskanzler nachträglich Kritik.Nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hat Bundeskanzler Friedrich Merz einen Personalumbau in der Bundesregierung nicht ausgeschlossen. „Es könnte eine Gelegenheit sein, noch einmal über die Aufstellung der Bundesregierung nachzudenken“, sagte er im ZDF-„Sommerinterview“, verwies zugleich aber wiederholt darauf, dass man hier im Konjunktiv spreche.Merz war gefragt worden, ob er über einen größeren Personalumbau im Kabinett nachgedacht habe. Auf Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) angesprochen, der ein „Top-Kandidat für den Fraktionsvorsitz“ sei, sagte Merz, er wisse nicht, wer ihn zum Top-Kandidaten gemacht habe und höre das zum ersten Mal.Spahn hat „uns spät informiert“, kritisiert der KanzlerNach Spahns Rücktritt strebt Merz eine Entscheidung über dessen Nachfolge an der Fraktionsspitze vor seiner ab Ende Juli geplanten Urlaubszeit an, wie die Nachrichtenagentur dpa aus dem Umfeld des CDU-Chefs erfuhr.In dem ZDF-Gespräch mit Redakteurin Diana Zimmermann deutete der CDU-Chef auch an, dass er mit Spahns Kommunikation rund um die Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter in den USA nicht glücklich war. „Wir hatten ja alle kaum Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen. Er hat ja auch die Partei und die Fraktion erst sehr, sehr spät über das alles informiert“, sagte Merz. „Wenn wir Zeit gehabt hätten, hätten wir das in Ruhe besprechen können, aber die Zeit hatten wir nicht.“Lesen Sie auchMerz war von Spahn nach Angaben beider Politiker Ende vergangener Woche über die Elternschaft informiert worden. Der Kanzler gab diese Information nach eigenen Angaben nicht innerhalb der CDU weiter. „Ich bin seinem Wunsch gefolgt und habe ihm die Kommunikation überlassen.“Lesen Sie auchSpahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch via „Bild“ bekanntgemacht, mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden zu sein. Merz verneinte die Frage, ob Spahn ihm gesagt habe, wie er die Nachricht kommunizieren würde.Eine Leihmutterschaft in Deutschland ist verboten. Die CDU spricht sich gegen eine Legalisierung aus, so wie das Spahn in der Vergangenheit auch selbst getan hatte.„Ich habe mir gedacht: Na ja, hoffentlich geht er kommunikativ damit gut um“Auf die Frage, was ihm zuerst durch den Kopf gegangen sei, als Spahn ihn informierte, sagte Merz: „Zunächst einmal das Wohl des Kindes. Ich habe dem Kind viel Glück gewünscht und habe mir gedacht: Na ja, hoffentlich geht er kommunikativ damit gut um und erklärt es gut. Aber wir hatten gar nicht so viel Zeit, darüber zu sprechen.“Die Personalspekulationen bezüglich der Nachfolge laufen derweil auf Hochtouren. Am häufigsten wird Frei als möglicher Nachfolger genannt. Dann müsste Merz für den einflussreichen Posten des Kanzleramtschefs, den dieser aktuell besetzt, jemand anderen finden. Lesen Sie auchAls Fraktionschef käme neben Frei auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann infrage. Auch über Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) wird spekuliert – dann wäre allerdings dessen Position neu zu besetzen.Der Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag wird traditionell von den beiden Parteichefs von CDU und CSU – Merz und Markus Söder – vorgeschlagen, die über das Wochenende dazu im Gespräch bleiben wollen.Aus der angestrebten Steuerreform sei „nicht so sehr viel“ gewordenThematisch ging es in dem Interview aber nicht nur um Personalien, sondern auch um die Sozialreformen der Bundesregierung. Hier warb der Kanzler um Verständnis: „Wir können im Augenblick nicht viel mehr machen, weil die Staatsfinanzen sehr angespannt sind. Wir müssen die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest machen.“ Die Regierung müsse auf die Demografie Rücksicht nehmen und jahrzehntelang verschleppte Reformen angehen. Einschnitte seien da zum Teil schmerzhaft.Hintergrund ist, dass laut ZDF-Politbarometer eine große Mehrheit der Wählerinnen und Wähler die von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Gesundheitsreform ablehnt und das Reformpaket der schwarz-roten Regierung insgesamt für sozial unausgewogen hält.Merz hielt dagegen, dass man zunächst den weiteren drohenden Anstieg der Beiträge für die Sozialversicherungen stoppen müsse. „Das wird uns mit diesen Reformen gelingen, zumal wir eine große, nämlich die Gesundheitsreform, gemacht haben.“ Im Herbst würden die Pflege- und die Rentenreform folgen. Der Kanzler zog eine Parallele zur Flüchtlingspolitik, die man ebenfalls in den Griff bekommen habe. „Das waren auch enorme Kosten, auch für die sozialen Sicherungssysteme“, betonte er. Die Regierung versuche derzeit, den Kostenanstieg zu bremsen, was schwer genug sei.Merz räumte ein, dass aus der ebenfalls angestrebten Steuerreform „nicht so sehr viel“ geworden sei. Aber es gebe eben eine Entlastung von ungefähr 600 Euro im Jahr für eine Familie mit 60.000 Euro Einkommen.Zudem wiederholte der Kanzler die Forderung, dass in Deutschland insgesamt mehr gearbeitet werden müsse. Er unterstelle niemandem persönlich Faulheit. Aber in der Schweiz würden Arbeitnehmer 200 Stunden mehr arbeiten als in Deutschland. „Unsere Produktivität ist zu gering, unsere wirtschaftliche Leistung ist zu gering und da müssen wir was dran tun“, forderte er. „Wenn wir uns diesen Sozialstaat weiter leisten wollen, müssen wir für diesen Sozialstaat gemeinsam arbeiten.“dpa/Reuters/jho/krott
Aufstellung der Bundesregierung: „Hat sehr, sehr spät informiert“ – Merz kritisiert Spahn und deutet Kabinettsumbildung an - WELT
Friedrich Merz sucht nach einem neuen Fraktionsvorsitzenden – und heizt im ZDF-„Sommerinterview“ Spekulationen um einen Kabinettsumbau an. Von einer bestimmten „Top“-Personalie will er aber nichts wissen. An der Kommunikation von Jens Spahn übt der Bundeskanzler nachträglich Kritik.














