Made in Germany stand einmal auch in der Mode für etwas. Nein, sogar schon zweimal. Die Geschichte der deutschen Mode ist eine Geschichte zweier Blütezeiten – und zweier dramatischer Brüche. Während Paris zur Hauptstadt der Haute Couture und Mailand zum Synonym für Luxusmode wurden, war Berlin eines der bedeutendsten Zentren der industriell gefertigten Bekleidung.Damit war Deutschland zwar nie das Land der spektakulären Couture, wohl aber der präzisen Schnitte, der industriellen Qualität und des hochwertigen Handwerks. „Made in Germany“ war auch in der Mode ein Qualitätsversprechen. Was passierte mit den gefeierten Modemarken der 90er-Jahre?

Ein kleiner Exkurs in die deutsche Modegeschichte

Rund um den Hausvogteiplatz entstand ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die Berliner Konfektion, die als Vorläuferin der heutigen Ready-to-wear-Industrie ganz Europa mit bezahlbarer Kleidung belieferte. Zeitweise arbeiteten mehrere zehntausend Menschen in der Konfektionsbranche. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde dieses Ökosystem systematisch zerstört. Die überwiegend jüdischen Unternehmer wurden enteignet, vertrieben oder ermordet, ihre Unternehmen „arisiert“, internationale Handelsbeziehungen brachen ab. Deutschland verlor damit nicht nur seine Modeindustrie, sondern auch das kreative und unternehmerische Know-how, auf dem sie beruhte.Dennoch gelang der Branche nach dem Zweiten Weltkrieg ein bemerkenswerter Neuanfang. Das Zentrum verlagerte sich in den Westen der Bundesrepublik – nach München, Düsseldorf, Bielefeld, Metzingen oder Nördlingen. In den 70er-, 80er- und besonders den 90er-Jahren entstand eine neue Generation deutscher Premiummarken.