Tuchels Versöhnung, Dechamps Abschied, Mbappés Rekord: Viel Spektakel im Spiel um Platz dreiDas 6:4 zwischen England und Frankreich bot einige besondere Geschichten.19.07.2026, 09.48 Uhr4 LeseminutenKylian Mbappé hat nun mehr WM-Tore geschossen als Messi.Chen Yichen / Imago(dpa) Thomas Tuchel hat mit England durch ein Tor-Festival zumindest einen halbwegs versöhnlichen Abschied von der Fussball-WM gefeiert. Die Three Lions bezwangen mit ihrem deutschen Trainer Frankreich in einem spektakulären Spiel um Platz drei mit 6:4 (4:0). Damit verwehrten die Engländer Frankreichs früherem Weltmeistercoach Didier Deschamps einen erfolgreichen Abschied von seinem Posten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit zehn Treffern lieferten England und Frankreich das torreichste Spiel um Platz drei der WM-Geschichte. Vor 64 478 Fans im Stadion von Miami legten die Engländer Declan Rice (3. Minute), Ezri Konsa (18.) und Bukayo Saka (37./45.+1) schon vor der Halbzeit so vor, dass das Spiel eigentlich bereits entschieden war.Doch so einfach gab sich Frankreich nicht geschlagen. Kylian Mbappé (48./66.) mit einem Doppelpack und Bradley Barcola (54.) brachten die Équipe Tricolore bis auf ein Tor heran. Saka (87.) traf per Foulelfmeter zum 5:3. Der Treffer von Ousmane Dembélé (90.+6) sorgte noch mal für Spannung, ehe Jude Bellingham mit dem zehnten Tor der Partie alle Zweifel beseitigte (90.+8).Mbappé übertrifft Messi in ewiger WM-TorjägerlisteFür Kylian Mbappé war es nur ein schwacher Trost. Mit seinen zwei Treffern zog Frankreichs Topstürmer in der ewigen WM-Torjägerliste am argentinischen Superstar Lionel Messi vorbei. Mbappé erzielte das 1:4 und 3:4 und hat nun 22 Tore bei Weltmeisterschaften geschossen - eins mehr als Messi, der aber im Final am Sonntagabend wieder vorbeiziehen kann.«Ich wäre lieber nicht der Allzeit-Toptorjäger und würde stattdessen morgen das Finale spielen», sagte Mbappé. Mit seinen Treffern neun und zehn in diesem Turnier hat der Angreifer von Real Madrid auch die alleinige Führung in der Torschützenliste vor Messi (acht) übernommen.Tuchel kontert KritikerMit dem spektakulären Sieg im kleinen Finale hat Englands Trainer Thomas Tuchel die Kritik an ihm vorerst gekontert. «Es wäre komplette Zeitverschwendung, wenn wir ihn nicht behalten würden. Ich denke, wir sollten ihn unterstützen», sagte BBC-Experte und Ex-Nationalspieler Martin Keown.Bukayo Saka (rechts) und Jude Bellingham feiern eines der vielen Tore.Chen Yichen / ImagoTuchel hatte nach dem Aus im Halbfinale gegen Argentinien harsche Kritik von Medien und Experten einstecken müssen. Auch seine Spieler sprachen sich nach dem gewonnenen Spiel um Bronze für eine Fortsetzung der Arbeit mit dem früheren Bundesligatrainer aus.Der dritte Platz ist die grösste WM-Leistung einer englischen Mannschaft seit dem Titelgewinn 1966. «Das ist die erste Medaille seit 60 Jahren, die erste Medaille im Ausland. Ich hoffe, die Spieler sehen das», sagte Tuchel. Vor dem Anpfiff waren noch Buhrufe durch das Stadion gehallt, als das Foto des 52-Jährigen am Ende der Mannschaftsaufstellung auf der Anzeigetafel gezeigt worden war.Eine Halbzeit später stand es bereits 4:0. Und am Ende schrieb der «Daily Star», dass die ganze Welt von dem Spiel gefesselt worden sei. Tuchel entschied, «den Anker zu liften, und England überrollte ein lustloses Frankreich.» Der «Guardian» urteilte, das Spiel «zählte zu den Höhepunkten des Turniers» und es sei «wirklich fantastisch» gewesen.Verwehrter Sieg zum Abschied von DechampsFür Frankreich endete mit dem Spiel um Platz drei die Ära von Trainer Didier Dechamps. Sein Adieu als französischer Nationaltrainer entsprach in diesem kleinen WM-Finale gegen England ironischerweise allem, wofür der Baske nicht steht: Viel Spektakel, noch mehr Chaos, und eine Niederlage.Als letzten Tanz hatte Kylian Mbappé das Abschiedsspiel von Deschamps angekündigt. Doch statt eines eleganten Walzers entwickelte sich wilder und ungebremster Rock'n'Roll. Die Reaktionen in der Heimat waren gemischt. Die «L'Équipe» nannte den historischen Abgesang, bei dem Frankreich schon zur Halbzeit mit 0:4 hinten lag, ein Feuerwerk: «Was als Hommage an Didier Deschamps nach 14 Jahren im Amt gedacht war, entwickelte sich zu einem der verrücktesten Spiele seiner Amtszeit.» RMC urteilte, es sei ein «Schiffbruch wie die Titanic» gewesen.Für beide ein besonderes Spiel: Die Trainer Thomas Tuchel (links) und Didier Dechamps.REBECCA BLACKWELL / AP185 Spiele, 14 Jahre: Es war für den französischen Fussball viel mehr als ein Abschied eines Trainers. Deschamps war so prägend, belebte Les Bleus nach den Schockwellen der peinlichen WM 2010 in einem Masse wieder, das wohl kaum jemand für möglich gehalten hatte.Tränen vergoss Deschamps nicht. Zumindest nicht nach dem Spiel, wo er sich allerdings zusammenreissen musste. «Ich möchte nicht vor euch weinen, aber ich könnte, weil ich so viele tolle Nachrichten bekommen habe», sagte der 57-Jährige bei der Pressekonferenz. «Es ist das Ende einer Reise.»Sein Nachfolger ist offiziell bislang nicht verkündet worden. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass nun die Zeit von Zinédine Zidane gekommen ist. Am 1. September, so schreibt nun die gut informierte «L'Équipe», soll der Weltmeister von 1998 seinen ersten Arbeitstag haben.