Einen „guten fucking Morgen“ wünscht keck der junge Berliner Rapper Baran Kok, als er an diesem windigen, bewölkten, aber dennoch sommerlichen Samstagmittag, dem 18. Juli, um Punkt 12 Uhr die Bühne auf dem Lollapalooza Berlin besteigt. Rotes Kampfhund-T-Shirt, an den Knien aufgeschlitzt Schlabberhose. Um 12 Uhr schlafe er für gewöhnlich noch, lässt Kok seine junge Fan-Crowd im Olympiapark unweit des Stadions lässig wissen. Deshalb, so Kok, brauche er nun ihre Energie. Spoiler: An der wird es nicht mangeln.

Chillen auf dem Rasen zu den Beats und Bässen: das Lollapalooza Berlin im Olympiapark

© DAVIDS

Ob Kok nun auf Trap-Beats einen Polizisten bezirzt („Herr Officer“), schwulenfeindliche Hate-Kommentare durch den Kakao zieht („#Freebarankok“) oder von der Amazon-Sprachassistentin Alexa wissen will, wie oft er heute noch „ficken“ wird: Das Lolla-Publikum, das auf der Zugfahrt wohl schon die ein oder andere Rosé-Flasche geleert hat, ist hin und weg – und dabei verdammt textsicher. Kok-Texte haben sich ins kollektive Gedächtnis der Generation Z offenbar mindestens genau so gut eingebrannt wie bei ihren Großeltern noch Schiller-Balladen.

Der selbsternannte „Schwuchtelpräsident“ wackelt mit dem Hintern in die Kamera, flirtet mit einem gewissen Julian im Publikum, und er verkündet authentische Pride-Botschaften. „Das war was fürs Herz“, sagt einer der Lolla-Besucher final zu seiner Begleitung. Besser kann man den 40-Minuten-Auftritt kaum zusammenfassen. Und besser kann man ein Festival auch kaum einläuten. Auch nicht das Lollapalooza Berlin 2026 mit seinen rund 50.000 Besuchern. Kok, Deutschlands erster großer offen schwuler Rapper, steht dabei, vor Selbstbewusstsein strotzend, für ein mutiges, weltoffenes Berlin. Aber nicht in langweiligem Sonntagssprech, sondern mit sexy Punchlines, die derbe, aber gewitzt unterhalten, wenn man sich drauf einlässt.