Wenn er mit seinen Kumpels ausgeht, will Frederik Sorg, 34, mal nicht der Ehemann und der Vater sein. Er möchte sich jung fühlen, flirten. Erfahren, ob er noch ankommt. Er sagt: „Flirten tut mir gut.“ Es hilft ihm, abzuschalten von seinem stressigen Alltag mit Job und Kind, wie er sagt. Seine Ehefrau weiß, dass er gern flirtet – und vertraut ihm, dass nicht mehr daraus wird.Zumindest erzählt er das so, an einem Dienstagvormittag. Er sitzt in einem Restaurant in der Nähe von Freiburg, das seine Frau zusammen mit einem Geschäftspartner führt. Den zehn Monate alten Sohn hat er vorhin ihr übergeben. Sorg bestellt Rührei, ein Körnerbrötchen und schwarzen Kaffee. Sorg, weißes T-Shirt, schwarze Hose und auf dem Kopf eine Kappe der New York Yankees, ist groß, muskulös, Sechstagebart. Vor ihm liegen sein privates und sein geschäftliches Handy, er arbeitet im Vertriebsaußendienst und kann sich seine Arbeitszeit selbst einteilen. Während er die zwei Brötchenhälften mit Butter beschmiert, redet er los – über das Flirten als verheirateter Mann.Flirten ist „intensiver“Wenn Singles anderen Menschen Avancen machen, gibt es kein Problem. Schließlich sind sie – zumindest potentiell – auf Partnersuche und können niemanden betrügen. Aber flirten, wenn man verheiratet ist oder eine ernsthafte Beziehung führt? Da ist die gesellschaftliche Moral schon strenger.Doch was bedeutet „Flirten“ hier überhaupt? Ist das schon die Frage „Was machst du so?“, welche die Deutschen gerne und routiniert neuen Bekanntschaften stellen? Nein, sagt der Paartherapeut Michael Thiel, 65: „Dann würden wir nur noch flirten.“ Flirten ist „intensiver“, erläutert er; das seien Blicke, ein Lächeln, ein Berühren, ein Kompliment. „Es kann ein Mittel sein, um das Selbstwertgefühl zu stärken, soziale Bindungen zu prüfen – oder einfach Spaß zu haben.“Flirten, das können subtile Andeutungen und mehrdeutige Signale sein, eine Art Spiel – und man merkt: „Da regt sich was, da kommen Gefühle in mir hoch, die ich vielleicht lange nicht mehr gehabt habe“, sagt Thiel. Dabei böten sich Möglichkeiten zum Flirten selbst in banalsten Alltagssituationen: in der Bäckerei, in der Laufgruppe, im Sprachkurs.
Ist Flirten ok, obwohl man in einer Beziehung ist?
Darf man andere Leute anmachen, obwohl man in einer Beziehung ist? Klar, sagen ein junger Vater und seine Ehefrau. Zwei Frauen entgegnen: Freundlich sein dürfen ihre Partner, aber nicht mehr.








