Der Mann, der in «Jurassic Park» Dr. Grant war. Ein NachrufSam Neill, dessen Karriere als Schauspieler in einem neuseeländischen Theater begann und ihn bis nach Hollywood führte, ist 78-jährig gestorben.19.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenEinige seiner Auftritte in «Jurassic Park» sind längst Internet-Memes geworden: Sam Neill als Dr. Alan Grant im Kinohit von 1993.Murray Close / MoviepixAls Sam Neills Tochter Elena noch klein war, wurde sie in der Schule einmal gefragt, was ihr Vater beruflich mache. «Mein Papa sitzt im Wohnwagen», antwortete sie. Damit lag sie nicht falsch: Als Schauspieler verbrachte Neill die meisten Stunden des Tages in seinem Wohnwagen auf dem Filmset. Er las Zeitung, trank Tee und wartete auf den Moment, in dem jemand kam und sagte: «Wir brauchen Sie am Set, Mr. Neill.» Dann trat er blinzelnd ins Tageslicht hinaus und verbrachte ein paar Minuten damit, das zu tun, was Schauspieler eben tun: schauspielern. Und «hin und wieder», schrieb Neill in seinen Memoiren, «spielt man vielleicht sogar gut.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im Falle von Neill sogar so gut, dass es zum Titel des berühmtesten Schauspielers in der Geschichte Neuseelands gereicht hat.Nigel John Dermot Neill wurde im September 1947 auf einem nordirischen Küchentisch geboren, das mittlere von drei Kindern eines neuseeländischen Offiziers und einer englischen Hausfrau. Als er sieben Jahre alt war, zog die Familie nach Neuseeland.Die Ankunft am anderen Ende der Welt war für ihn nicht einfach. Neill stotterte, empfand seinen britischen Akzent als «peinlich vornehm» und hiess darüber hinaus auch noch Nigel. Mit elf nahm er deswegen den Namen Sam an, inspiriert von Figuren aus Westernfilmen. «Es war», so schrieb er, «wahrscheinlich die beste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe. Sam lässt sich leicht aussprechen, klingt freundlich, hat einen Hauch von Männlichkeit und erinnert ein wenig an einen Labrador.»Neills Schauspielkarriere begann im Theater, wo er für 35 neuseeländische Dollar pro Woche und eine Portion Lasagne pro Abend auftrat. Dann wechselte er für zehn Jahre ins Fernsehen, dort war er vor allem in neuseeländischen und australischen Produktionen zu sehen. Schliesslich, 1981, schaffte er mit seiner ersten internationalen Rolle den Sprung ins Kino: In «Omen III: The Final Conflict» verkörperte Neill den Antichrist.Seinen endgültigen Durchbruch erreichte Neill 1993, als er unter der Regie von Steven Spielberg als Dr. Alan Grant in «Jurassic Park» von Dinosauriern gejagt wurde. Der Film wurde zum weltweiten Kassenschlager und ist bis heute fest in der Pop-Kultur verankert: Die Szene, in der Alan Grant seine Sonnenbrille abnimmt, um besser sehen zu können, ist längst zu einem Internet-Meme geworden. Für Neill wurde die Rolle zum Lebensbegleiter. 2022, fast dreissig Jahre später, kehrte er für «Jurassic World: Dominion» ein letztes Mal als Alan Grant vor die Kamera zurück.Am Ende seiner Karriere wies Neills Lebenslauf über 150 Rollen auf: etwa im Oscar-prämierten Film «The Piano», an der Seite von Robin Williams in «Bicentennial Man» oder als Bösewicht in der beliebten Serie «Peaky Blinders». Preise erhielt er dafür unzählige, wichtig waren sie ihm nach eigenen Aussagen aber nie besonders.Eine Ehrung gab es jedoch, die ihm etwas bedeutete. 1991 wurde er zum «Officer of the Order of the British Empire» ernannt, kurz bevor sein Vater starb. «Ich bekam einen Brief, nahm ihn mit zu meinem Vater, der im Bett lag und kurz vor seinem Tod stand, und sagte: ‹Papa, sie verleihen mir den OBE›», so erinnerte sich Neill. «Und er sagte: ‹Ich bin sehr stolz auf dich.›»Neill hat die Öffentlichkeit so gut es ging gemieden. Er lebte die meiste Zeit des Jahres auf einer Farm in Neuseeland, umgeben von Pinot-Noir-Trauben für seinen Wein, Gemüsebeeten, Kräutergärten, alten Apfelbäumen und Stachelbeersträuchern. «Ich kann im Dorf einen Kaffee holen, und niemand dreht sich nach mir um», sagte Neill. «Mein Leben gehört da nur mir.»Im echten Leben mag das stimmen, im Internet hat Neill sein Leben jedoch gerne mit anderen geteilt. Er wurde zu einer Art Dr. Dolittle, weil er in seinen Videos oft mit seinen Tieren sprach, die er nach Prominenten benannt hatte. Da waren zum Beispiel Laura Dern (Huhn), Kylie Minogue (Ente), Helena Bonham Carter (Kuh) und Bryan Brown (Schwein). Manchmal sang er mit seinen Kühen, manchmal unterhielt er sich mit seinen Wellensittichen über Weltpolitik. Und manchmal erzählte er auch vom Ableben seiner Tiere: Meryl Streep, ein Huhn, wurde von einem Frettchen getötet. Hugo Weaving, ein Widder, starb beim Begatten eines Schafes.2022, beim Promoten des letzten «Jurassic Park»-Filmes, bemerkte Neill geschwollene Lymphknoten. Innerhalb weniger Wochen begann die Chemotherapie. Neill litt an Blutkrebs, schaffte es aber, ihn zu besiegen.Neill schrieb in seinen Memoiren, dass Sterben zwar ärgerlich wäre, Angst vor dem Tod habe er jedoch keine. Er blieb bis zuletzt ein zufriedener Mann. Eines seiner letzten Weihnachtsfeste beschrieb er etwa so: «Ich habe mich noch nie in meinem Leben so wohl und glücklich gefühlt. Es war einfach herrlich, alles probieren zu können. Der Wein war grossartig und das Essen hervorragend. Ich bin jeden Tag in meinem Stausee geschwommen, und es war eine wundervolle Zeit. Meine Familie und alle Enkelkinder waren dabei. Es war einfach phantastisch.» Sam Neill starb vergangenen Montag im Kreise seiner Familie an einer Lungenentzündung.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel