Dr. Grant ist tot: «Jurassic Park»-Schauspieler Sam Neill mit 78 Jahren gestorbenDer Neuseeländer überzeugte durch stille Grösse und unaufdringliche Präsenz in Filmen wie «The Piano» oder «The Hunt for Red October». Vor wenigen Monaten hatte Neil noch den erfolgreichen Ausgang seiner Krebstherapie verkündet.13.07.2026, 11.55 Uhr3 LeseminutenAktualisiertSam Neill an einer Gala in Toronto im Jahr 2019. Drei Jahre später wurde bei ihm Krebs diagnostiziert.Mario Anzuoni / ReutersDoktor Alan Grant, der Paläontologe mit einer latenten Abneigung gegen Kinder, ist kein leicht zu begeisternder Typ. Auf die Idee eines exzentrischen Milliardärs, geklonte Urzeitechsen auf einer Insel auszusetzen und diese in einen Freizeit-Park zu verwandeln, reagiert er zunächst mit wissenschaftlicher Skepsis: «Dinosaurier und Mensch, zwei Arten, die durch 65 Millionen Jahre Evolution getrennt sind, zusammenzubringen – wie können wir nur die blasseste Ahnung haben, was uns erwartet?»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nur wenig später muss er – wörtlich – seinen Hut ziehen, und die Sonnenbrille absetzen, als ein Brachiosaurus an dem Jeep vorbei stapft, in dem er mit seiner Forscherkollegin Dr. Ellie Sattler (Laura Dern) sitzt. Für einen Moment erstarrt der Mensch angesichts der Wunder der Technik. Dr. Grant ist ebenso verblüfft wie die Kinozuschauer 1993 angesichts des digitalen Dinozirkus in «Jurassic Park». Natürlich bleibt es bei Steven Spielberg nicht beim kindlichen Staunen: Die prähistorischen Schöpfungen werden zur lebensbedrohlichen Gefahr – und Grant mausert sich zum Retter, ausgerechnet von Kindern.Der Mann, der mit Kindern wenig anfangen kann, eilt zu ihrer Rettung: Dr. Alan Grant in «Jurassic Park» 1993.Murray Close / Moviepix via GettyIn Behandlung wegen KrebsFür Sam Neill war die Rolle des Paläontologen die populärste seiner Karriere. Dreimal verkörperte er Alan Grant, zuletzt als er 2022 für den sechsten Ableger «Jurassic World Dominion» zurückkehrte. Kurz danach machte er in seiner Autobiografie «Did I Ever Tell You This» öffentlich, dass er wegen eines Non-Hodgkin-Lymphoms, eine seltene Form von Blutkrebs, in Behandlung sei. Am Montag, den 13. Juli, gab seine Familie über Instagram den Tod von Sam Neill in Sydney bekannt. Er kam überraschend; im April hatte der Schauspieler den Krebs als besiegt erklärt.Mehr als fünf Jahrzehnte lang verkörperte der neuseeländische Schauspieler Männer, die kaum zum Helden geboren waren, aber im entscheidenden Moment über sich hinauszuwachsen vermochten. So wie 1990 in «The Hunt for Red October», wo er als loyaler erster Offizier im kalten U-Boot-Krieg an der Seite von Sean Connery agierte.Der loyale erste Offizier im Hintergrund: Sam Neill an der Seite von Sean Connery in «The Hunt for Red October» (1990).Paramount / Everett Collection via ImagoGeboren 1947 im nordirischen Omagh, wuchs Nigel John Dermot «Sam» Neill in Neuseeland auf. In seiner Kindheit litt er an starkem Stottern. Nach einem Studium der englischen Literatur prägte er früh das aufstrebende neuseeländische Kino, unter anderem mit «Sleeping Dogs» (1977).Seine erste grössere Hollywood-Rolle spielte er im dritten Teil von «Omen» als erwachsene Inkarnation des Teufelskindes Damien. Noch eindrucksvoller war seine Leistung im gleichen Jahr in Andrzej Żuławskis fiebrigem Ehe-Horror «Possession» (1981). An der Seite von Isabelle Adjani spielt Neill einen Mann, dessen vermeintliche Selbstkontrolle in Wahnsinn umschlägt.Noch eindringlicher war Neill 1993 in Jane Campions «The Piano» als schottischer Siedler, der eine stumme Pianistin in arrangierter Ehe heiratet. Aus einer Figur, die leicht als blosser Tyrann erscheinen könnte, machte Neill das vielschichtige Porträt eines Mannes, der gefangen ist in den Zwängen des 19. Jahrhunderts und eigener emotionaler Unfähigkeit.In «The Piano» spielt Neill den unverständigen, brutalen Ehemann der stummen Protagonistin. Das Drama von Jane Campion erhielt die goldene Palme und drei Oscars.Miramax / Everett Collection via ImagoEr erzählt lieber von Schweinen als von der KarriereAuch im Fernsehen hinterliess er Spuren, zunächst als Merlin in der gleichnamigen Miniserie, später in «The Tudors» und «Peaky Blinders». Die lauten Auftritte waren nie seine Sache. Sam Neill überzeugte durch stille Grösse und unaufdringliche Präsenz. Selbst die Mächtigen spielt er mit einem leichten Lächeln, hinter dem oft Unsicherheit oder Verletzlichkeit durchschimmerte.Abseits der Leinwand kultivierte Neill das Bild eines Mannes, der den Promi-Kult mit höflicher Distanz betrachtete. Auf seiner Farm in Central Otago widmete er sich dem Weinbau. Seine oft selbstironischen Auftritte in den sozialen Medien machten ihn einer jüngeren Generation bekannt. Darin gab er sich nicht als unnahbarer Star, sondern als gebildeter, humorvoller Menschen, der liebevoll von seinen Schweinen schwärmte.Im Kino wird es auch künftig beeindruckende Dinosaurier geben. Ein Schauspieler, der ihnen mit so viel Skepsis, Staunen und Menschlichkeit begegnete wie Sam Neill, wird fehlen.Passend zum Artikel
Die lauten Auftritte waren seine Sache nicht: «Jurassic Park»-Schauspieler Sam Neill gestorben
Der Neuseeländer überzeugte durch stille Grösse und unaufdringliche Präsenz in Filmen wie «The Piano» oder «The Hunt for Red October». Vor wenigen Monaten hatte Neil noch den erfolgreichen Ausgang seiner Krebstherapie verkündet.











