Der aus dem Kinohit „Jurassic Park“ bekannte neuseeländische Schauspieler Sam Neill ist tot. Das teilten seine Angehörigen mit. Neill hatte 2023 seine Leukämie-Erkrankung öffentlich gemacht. In seiner Autobiographie „Did I Ever Tell You This“ (Hab ich Dir das je erzählt) schrieb er, dass er seit März 2022 wegen eines Non-Hodgkin-Lymphoms behandelt und möglicherweise daran sterben werde.In einem Interview mit dem „Guardian“ sagte Neill damals, dass er sich trotz Behandlungserfolgen bis zum Ende seines Lebens Chemotherapie unterziehen werde. „Ich kann nicht so tun, als ob das letzte Jahr nicht seine dunklen Momente hatte“, sagte Neill in dem Interview. Er sei „dankbar für jeden Tag und unermesslich dankbar für alle meine Freunde“.Sam Neill wurde am 14. September 1947 unter dem Namen Nigel John Dermot Neill in Omagh in Nordirland geboren. Sein Vater war Neuseeländer, seine Mutter Engländerin. Der Vater diente zur Zeit seiner Geburt als Offizier in der britischen Armee. 1954 kehrte die Familie nach Neuseeland zurück.Neill entdeckte als Student der Englischen Literatur an der University of Canterbury in Christchurch und an der Victoria University in Wellington seine Leidenschaft für das Theater, später auch für den Film. Eine Schauspielschule besuchte er nicht. Sein Gesicht ist vielen Kinogängern und Fernsehzuschauern weltweit bekannt, häufig aus tragenden Nebenrollen.An der Seite von Meryl StreepSein erster Kinofilm als Schauspieler war Roger Donaldsons Debütfilm „Schlafende Hunde“ (1977), eine Terroristengeschichte. In dem viel diskutierten Kinodebüt „Meine brillante Karriere“ (1980) der australischen Filmemacherin Gillian Armstrong, einer Emanzipationsgeschichte aus der Zeit der Jahrhundertwende, war Neill dann Hauptdarsteller. Mit dieser Rolle erregte er auch die Aufmerksamkeit des britischen Schauspielers James Mason, der ihm den Einstieg in das britische Filmgeschäft erleichterte. Mit seiner Hilfe bekam Neill die Rolle des Antichristen in Graham Bakers Horrorstreifen „Barbaras Baby - Omen III“ (1981).Trotz etlicher Engagements in englischen, australischen und amerikanischen Produktionen war es schließlich eine Fernsehserie, die ihm den entscheidenden Popularitätsschub brachte, als Spion und Frauenheld Sidney Reilly in der zwölfteiligen PBS-Serie „Reilly: Ace of Spies“ (1983). Seine bis dahin vielleicht anspruchsvollsten Filmrollen hatte Neill in den Achtzigerjahren als Partner von Meryl Streep. Nachdem er 1985 schon in Fred Schepisis Drama „Eine demanzipierte Frau“ an ihrer Seite zu sehen gewesen war, überzeugte er 1988 in Schepisis Biopic „Ein Schrei in der Dunkelheit“ in der Rolle des Adventisten-Pastors Michael Chamberlain und Ehemanns einer Australierin, die 1980 nach einer wütenden Pressekampagne vorschnell wegen der Ermordung ihres eigenen Kindes verurteilt wurde.Abenteuerfilme, Liebesgeschichten, Science Fiction1993 feierte Neill mit zwei höchst gegensätzlichen Filmen den Gipfel seiner bisherigen Karriere: In Jane Campions preisgekrönter Beziehungsgeschichte „Das Piano“ über die Selbstbefreiung einer Frau durch eine verbotene Liebesbeziehung spielte er einen schüchtern-hölzernen Farmer, der seine aus England angereiste Braut (Holly Hunter), mit der er sich brieflich verlobt hatte, an den Nachbarn (Harvey Keitel) verliert. In Steven Spielbergs Saurierspektakel „Jurassic Park“ verkörperte er den wagemutigen Archäologen Alan Grant, der sich mit gefährlichen Urechsen herumschlagen muss. In dieser Rolle war er abermals 2001 in „Jurassic Park 3“ zu sehen.Das Spektrum seiner Filme in den Neunzigerjahren reicht von Stephen Sommers' Abenteuerfilm „Das Dschungelbuch“ über Mark Peploes Liebesgeschichte „Victory“ und Paul W. S. Andersons Horror-Science-Fiction-Streifen „Event Horizon - Am Rande des Universums“ (1997) zu Robert Redfords Melodram „Der Pferdeflüsterer“ und Chris Columbus' Zukunftsdrama „Der 200 Jahre Mann“.Noch einmal Dr. Alan GrantIn seinen weiteren Kinofilmen gab Neill. Immer wieder den Wissenschaftler, der mutig und entschlossen an der Lösung schwieriger Probleme arbeitet - etwa in Rob Sitchs Film „The Dish - Verloren im Weltall“ (2000) als Techniker, der mit seinem Team in einem australischen Provinzstädtchen anno 1966 die erste Mondlandung mittels eines riesigen Teleskops in alle Welt übertragen will. Im Jahr 2007 stand Neill zudem als Kardinal Thomas Wolsey für die zehnteilige Fernsehserie „The Tudors“ vor der Kamera. 2012 übernahm er in Michael Sucsys Kinodrama „Für immer Liebe“ eine Vaterrolle, 2013 spielte er in Mikael Håfströms Actionthriller „Escape Plan“ mit Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger, 2015 in Simon Stones Neuverfilmung von Henrik Ibsens Theaterstück „Die Wildente“ einen durch eine Gefängnisstrafe gebrochenen Mann.Die Hauptrolle des Predigers Fred Smith übernahm Neill. 2017 in Warwick Thorntons mehrfach ausgezeichnetem Historiendrama „Sweet Country“, das bei den Filmfestspielen in Venedig Premiere feierte. Der Film erzählt von einem australischen Aborigine, der in den Zwanzigerjahren aus Notwehr einen Weißen tötet und daraufhin gnadenlos gejagt wird. 2019 wirkte Neill in William Glucks Kinderbuchadaption „Peter Hase“ mit, 2022 kehrte er in Colin Trevorrows Sci-Fi-Film „Jurassic World: Dominion“ als Dr. Alan Grant auf die Leinwand zurück. 2023 war er neben Christoph Waltz in Jeffrey Walkers Abenteuerfilm „The Portable Door“ zu sehen.Im Kreise der FamilieNeill machte auch als Umwelt-Aktivist von sich reden. Er war seit 1993 Besitzer eines auf ökologischen Anbau spezialisierten Weinguts namens „Two Paddocks“ in Central Otago in Neuseeland. 2023 gab er bekannt, an Leukämie erkrankt zu sein, die Krankheit aber mit einer neuen Therapie erfolgreich unter Kontrolle zu halten.Neill sei am Montag im Alter von 78 Jahren im Kreise seiner Familie in Australien gestorben, teilten seine Angehörigen mit. Demnach war sein Tod „plötzlich und unerwartet“. In der Mitteilung der Familie hieß es zudem, dass der Star „krebsfrei“ gewesen sei.