So arbeiten die NZZ-FaktenprüferMit KI hergestellte Bilder und Videos sind zwar massiv besser geworden. Aber sie lassen sich durchaus überprüfen. Die wichtigste Ressource dabei: Zeit. Und über die verfügen Faktenprüfer der NZZ.19.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDie Prüfung von Videos und Bildern braucht Zeit. Das ist der Mehrwert, den ein seriöses Medium bieten kann und muss.Andrew Brookes / GettyEs kann uns nicht egal sein, wenn ein renommierter Fachmann wie Hany Farid das Vertrauen in seine Fähigkeiten verliert. Wenn er sich aufs Land in Vermont zurückzieht, in der Hoffnung, Abstand zu gewinnen von all den falschen Bildern. Wer würde es ihm verdenken?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.KI-Videos sind bis heute nicht perfekt. Das müssen sie aber auch nicht sein. Es reicht, wenn sie uns abends beim Scrollen auf der Couch überlisten. Dafür sind sie realistisch genug.Aber den Luxus, nun einfach gar nichts mehr zu glauben, uns ins innere Vermont zurückzuziehen: Den können wir uns nicht leisten. Nicht als Journalisten, nicht als Gesellschaft, nicht als demokratisch verfasstes Gemeinwesen. Denn Meinungsbildung sollte auf Fakten beruhen und Faktenbildung nicht auf Meinungen. Wir müssen uns auf einen Grundbestand an Tatsachen einigen, und dazu gehören auch Videos aus Kriegen. Sind sie nun wahr oder falsch?Um diese Frage zu beantworten, trauen wir bei der NZZ im Team Osint (Open Source Intelligence) durchaus noch unseren eigenen Augen. Sie sind weiterhin unser vielleicht bester Sinn. Aber unsere Ohren brauchen wir ebenso sehr. Dazu unser Wissen von der Welt, ein paar KI-Erkennungstools – und etwas, das im Prinzip jeder Laie aufbringen könnte: Zeit.Wie lange schauen wir im Privaten auf Videos, die online kursieren? Vielleicht ein paar Sekunden. In der NZZ kann es schon einmal Stunden dauern, für ein einziges Video. Aufnahme verorten, Datum und Uhrzeit abschätzen, nach früheren Versionen des Videos suchen, nach schärferen, längeren, mit weiterem Bildausschnitt.Geprüfte Videos, geprüfte Bilder brauchen Zeit. Das ist der Mehrwert, den wir als Medien bieten können und müssen. Denn Zeit ist die Ressource, die wir – sind wir ehrlich – beim Konsum von Social Media nur in absoluten Zahlen aufbieten, aber nicht relativ zur Zahl der Videos. Oder wann hat jemand, der diese Zeilen liest, letztmals zurückgescrollt bei Insta, Tiktok, Youtube?Als Autos immer schneller wurden, entstand die Idee, sie sicherer zu machen. Leitplanken und Tempolimiten, Airbags, ABS und Gurte setzten sich als Branchenstandard durch. Teils als Folge staatlicher Intervention, teils als Geschäftsidee innovativer Hersteller.Von der KI-Industrie lässt sich das bis jetzt nicht sagen. Google, Open AI und Meta, die Grossen der Branche, führen zwar nach und nach Entlarvungs-Tools ein. Die Software identifiziert unsichtbare Wasserzeichen, digital eingebrannt in KI-generierte Bilder und Videos. Aber die Detektoren erkennen nur Bilder derselben Firma. Ein branchenweiter Standard hat sich bisher nicht durchgesetzt.Trotz allem: Sie müssen sich Osint-Journalisten als glückliche Menschen vorstellen. Die Herausforderung, Falsches von Wahrem zu trennen, nehmen wir jeden Tag aufs Neue an. Kampflos gibt ja auch Hany Farid nicht auf: Er bleibt immer ansprechbar für Redaktionen, wenn er denn Empfang hat in Vermont. Denn letztlich sind wir gerne visuelle Detektive, immer auf der Suche nach dem entscheidenden Beweis. Und wenn gar nichts hilft, dann vielleicht ein Anruf bei Hany Farid. Zur Not auch in seinem Landhaus.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel