Das Logo der Commerzbank über dem Eingang einer Filiale in Hamburg. Foto: imago imagesDiese Woche, die 29. des Jahres 2026, hat das Potenzial, einmal als einer jener Wendepunkte beschrieben zu werden, an denen sich etwas sehr Grundlegendes verändert hat – zumindest im Hinblick auf die mögliche Übernahme der Frankfurter Commerzbank durch die Mailänder UniCredit. Die Bundesregierung nämlich weicht nun auch offiziell ihren Widerstand gegen den Zusammenschluss auf, den sie seit zwei Jahren rundheraus ablehnte. Und das ist richtig so – auch unter der Prämisse, dass man eine Übernahme eigentlich für falsch hält.Aber der Reihe nach.UniCredit war im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen. Der Schritt gelang den Italienern ausgerechnet, weil der Bund ihnen ein Aktienpaket an dem Frankfurter Konzern verkaufte, das ihm bis dato selbst gehörte. Zur Erinnerung: Die Regierung rettete die Commerzbank in der Finanzkrise und war deshalb zu ihrem Großaktionär geworden. Sie begann aber 2024 damit, ihren Anteil an dem Frankfurter Konzern zu reduzieren. Seit jenen September-Tagen haben die Italiener ihr Aktienpaket an der Commerzbank weiter ausgebaut, von anfangs knapp zehn Prozent auf zuletzt fast 50 Prozent. Dazu hatten sie erst im Frühjahr ein offizielles Übernahmeangebot vorgelegt.Commerzbank Andrea Orcel, der mögliche Vorstands-Abgang und das Zwölf-Prozent-Problem Das Drama zwischen Commerzbank und Unicredit spitzt sich zu: Die Italiener stellen in Aussicht, das „Coba“-Management auszutauschen. Und die schwerste Aufgabe steht Unicredit noch bevor. von Lukas ZdrzalekDie Bundesregierung hat den Zusammenschluss in all der Zeit abgelehnt. Und vor allem den Umstand bemängelt, dass UniCredit seinen Anteilsausbau gegen den erklärten Willen des Commerzbank-Managements durchgezogen hat. So erklärte Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) im Mai 2025: „Wir setzen auf die Eigenständigkeit der Commerzbank.“ Und noch im Juni dieses Jahres wurde ein Brief von Kanzler Friedrich Merz (CDU) öffentlich, in dem er gegenüber den Arbeitnehmervertretern der Commerzbank betonte, ein „unabgestimmtes und unfreundliches Vorgehen wie das der UniCredit“ sei „nicht akzeptabel“.Zwar bröckelt hinter den Berliner Kulissen die Widerstandsfront bereits seit Monaten, wie die WirtschaftsWoche berichtete. Aber doch: Die Linie, zumindest bei offiziellen Verlautbarungen, war bemerkenswert klar. Umso erstaunlicher war der Satz, den Merz am vergangenen Mittwoch sprach: „Wir verhindern nicht diese Fusion.“Sicherlich werden manche dem Kanzler jetzt Wortbruch vorwerfen. Oder zumindest den Versuch, diesen vorzubereiten. Tatsächlich betonte Merz am Mittwoch abermals, dass er das feindliche Vorgehen von UniCredit, den Versuch einer Übernahme gegen den Willen des Commerzbank-Managements, weiter für falsch hält.Im Übrigen war es richtig, dass sich die Politik möglichst lange massiv gewehrt hat. Genauso richtig ist es aber, eine veränderte Lage neu zu bewerten und sich anders zu positionieren. Der Kanzler erkennt nur die Realität an, dass Unicredit inzwischen fast 50 Prozent an der Commerzbank besitzt.Zumal Experten seit Langem betonen: So wie Berlin nach dem Verkauf von Aktien im September 2024 das immer größer werdende Engagement der Italiener schon nicht verhindern konnte, so könnte der Bund auch einen weiteren Ausbau nicht blockieren. Die Mailänder sind – unter Wahrung gewisser Fristen und bestimmter Freigaben der Behörden – frei darin, zusätzliche Commerzbank-Aktien zu kaufen, um ihren Anteil sogar auf mehr als 50 Prozent auszubauen.So ist das halt in einer Marktwirtschaft – und das ist auch gut so. Möchte irgendein Manager oder Unternehmer in diesem Land bei seinen Entscheidungen noch abhängiger von Politik und Behörden sein, als sie es angesichts der grassierenden Bürokratie ohnehin sind?Standort Deutschland Lars Klingbeil verprellt ausländische Investoren Rund zwei Jahre sollen Konzerne künftig auf die Erstattung von deutschen Kapitalertragsteuern warten. So sieht es ein neuer Gesetzentwurf vor. Es geht um Milliarden. von Christian RamthunInsofern ist es folgerichtig, dass die Bundesregierung wohl an einer neuen Strategie im Umgang mit UniCredit arbeitet, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag berichtete. So soll der Bund über Forderungen sinnieren, über die er mit den Italienern zu einem späteren Zeitpunkt verhandeln könnte. Berlin könnte etwa darauf pochen, dass die Commerzbank weiter im großen Umfang den deutschen Mittelstand finanziert. Außerdem soll Frankfurt ein wichtiger Standort eines fusionierten Instituts bleiben.Dass der Bund den weiteren Anteilsausbau zwar nicht verhindern, aber trotzdem Forderungen stellen kann, liegt daran, dass er trotz des Verkaufs von Aktien an UniCredit noch Großaktionär der Commerzbank ist. Sein Anteil an dem Konzern beträgt derzeit rund zwölf Prozent. Diese Aktien benötigen die Italiener aber, um ihren Frankfurter Wettbewerber in Gänze zu schlucken, was mittelfristig das erklärte Ziel ist.Natürlich könnte Berlin noch länger Front gegen die Übernahme machen, anstatt über Forderungen zu räsonieren, eben weil der Bund diese zwölf Prozent besitzt. Dieses Vorgehen aber wäre ein Fehler: Je größer der Anteil von UniCredit wird, desto stärker ist auch die Verhandlungsposition der Italiener. So sind sie wohl schon auf der nächsten Commerzbank-Hauptversammlung im Frühjahr 2027 in der Lage, acht ihnen genehme Aufsichtsräte zu wählen. Bei solchen Aktionärstreffen sind selten alle Investoren eines Konzerns anwesend, was zur Folge haben dürfte, dass die Italiener mit ihren knapp 50 Prozent bereits die Hauptversammlungs-Mehrheit besitzen. Weitere den Mailändern gewogene Aufsichtsräte könnte UniCredit spätestens 2029 einsetzen. Mit der Konsequenz, dass diese Aufsichtsräte den amtierenden Commerzbank-Vorstand um Chefin Bettina Orlopp absetzen könnte, wogegen der Bund kaum Handhabe hätte.Sicher: Merz und Co. könnten es einmal darauf ankommen lassen, ob UniCredit ihre neue Macht tatsächlich im und über den Aufsichtsrat ausspielt. Bis dahin aber würde die Commerzbank unter großer Unsicherheit leiden, weil nicht klar ist, wie es weitergeht: Dem Frankfurter Konzern könnte es immer schwerer fallen, gute Mitarbeiter zu halten und zu gewinnen. Womöglich verlassen gar Kunden das Institut, weil insbesondere Unternehmen nicht wissen, welche Strategie das Geldhaus im Umgang mit ihnen in zwei, fünf oder acht Jahren verfolgt. Und welche Produkte und Dienstleistungen die Bank ihnen noch offeriert.Ein solches Siechtum ist weder im Interesse des Commerzbank-Managements noch der Mitarbeiter oder des Landes. Deshalb ist es klüger, zumindest Verhandlungsbereitschaft anzudeuten – so wie es der Bund jetzt getan hat. Ein solcher Schritt könnte die Italiener auch zu Zugeständnissen zwingen, haben sie doch ein Interesse daran, möglichst schnell eine Komplettübernahme zu erreichen. Denn je länger der derzeitige Schwebezustand anhält, desto schwieriger wird es für UniCredit, einen Gewinn aus dem Kauf der Commerzbank zu ziehen.Man muss die Art und Weise, wie UniCredit-Chef Andrea Orcel bei dieser Übernahme vorgegangen ist, seine aggressive Art, all die Anwürfe, Andeutungen und Behauptungen, sein öffentliches Schlechtmachen der Commerzbank, nicht gut finden. Aber die Wut und der Ärger darüber dürfen nicht den Blick darauf verstellen, was das ureigene Interesse nach zwei Jahren Abwehrkampf ist.
Commerzbank-Übernahme durch UniCredit: Kanzler Merz erkennt die Realität an
Die Bundesregierung weicht offenbar ihren Widerstand gegen eine Commerzbank-Übernahme durch UniCredit auf. Das ist im Interesse aller Beteiligten. Ein Kommentar.







