Für die Hitzetoten in diesem Juni sind auch die früheren Merkel-Regierungen verantwortlich. Die Toten lassen sich vermeiden, auch wenn der Staat versagt.
W er an Hitze stirbt, stirbt meist einsam. Der Körper ist schon geschwächt durch Herzprobleme oder Bluthochdruck. Die hohen Temperaturen setzen ihm immer weiter zu, die einsetzende Trägheit raubt ihm die Fähigkeit, um Hilfe zu rufen. Irgendwann gibt der Körper auf und stirbt. Manchmal in einem unsanierten Pflegeheim oder in einem Mehrbettzimmer auf der Südseite eines Krankenhauses. Häufig stirbt er in der eigenen Wohnung, wo niemand ist, der ein Glas Wasser reicht, die Warnzeichen bemerkt, den Notruf wählt.
Der Hitzetod ist ein einsamer Tod – und doch ein kollektiver: Bisher starben in diesem Sommer laut Robert-Koch-Institut etwa 6.800 Menschen an der Hitze. Nur die Jahre 2018 und 2019 waren tödlicher, und der Sommer ist noch lange nicht vorbei. Allein am letzten Juniwochenende tötete die Hitze 4.300 Menschen, mehr als je zuvor wegen einer Naturkatastrophe in Deutschland. Mehr als bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Sie hätten nicht sterben müssen, viele Hitzetode lassen sich verhindern.
In Deutschland starben 80 Prozent mehr Menschen an der Hitze als in Frankreich, obwohl die Bevölkerung nur 20 Prozent größer ist. Im Nachbarland wurde nach dem Hitzesommer 2003 vorgesorgt. Das hätte auch in Deutschland geschehen können. Verantwortlich für Katastrophenschutz sind laut Grundgesetz Länder und Kommunen – aber ihre klammen Kassen verhindern Investitionen. Und Hitzeanpassung wird teuer. Register besonders gefährdeter Menschen aufzustellen, Warnstrukturen aufzubauen, Fassaden zu begrünen, Klimaanlagen in Pflegeheimen und Krankenhäusern einzubauen: Das alles kostet Geld. Um die Juni-Hitzetoten zu retten, hätten schon die Merkel-Regierungen handeln und Ländern und Kommunen finanziellen Spielraum verschaffen müssen, statt die Schuldenbremse anzuziehen. Die schwarze Null der 2010er Jahre tötet heute.










