5100. So viele Menschen hat die Hitzewelle Ende Juni nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts getötet. Man stelle sich einmal vor, was in diesem Land los wäre, wenn ein Terroranschlag 5100 Opfer fordern würde, fast doppelt so viele wie 9/11. Die Bestürzung, die öffentliche Anteilnahme – ja, auch die Wut und die Forderungen nach politischen Folgen wären zu Recht unüberhörbar.In den Tagen nach der verheerenden Hitzewelle herrschte stattdessen nur dröhnendes Schweigen. Kein Wort von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).Die Szene, die sich am Mittwoch während seiner Sommerpressekonferenz entspann, war vor diesem Hintergrund geradezu peinlich. Auf die Frage, warum von ihm bisher nichts zu den Hitzetoten zu vernehmen gewesen sei, vermerkte er pikiert, „wenn sich diese Wetterentwicklungen fortsetzen“, werde er „gegebenenfalls auch öffentlich etwas sagen“.Das ist eine reichlich seltsame Antwort. Sind 5100 Tote nicht genug für ein Wort der Anteilnahme vom Bundeskanzler? Reichen 6,3 Milliarden Euro Wirtschaftsschaden binnen weniger Tage nicht für ein Umdenken? Wann ist die Schwelle erreicht, bei der er doch etwas sagen will? Also, gegebenenfalls.Klimaschutz muss wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken – mit der ihm angemessenen Dringlichkeit und mit einer Erzählung, die Lust auf eine saubere und gesunde Zukunft macht.Jan KrüßmannMerz’ Schweigen ist bedauerlich. Viel schlimmer aber ist seine Weigerung, angemessene Maßnahmen zu ergreifen. Jetzt braucht es eine gemeinsame Kraftanstrengung und einen Kanzler, der sagt: Wir machen Hitzeschutz zur Priorität. Wir bauen unsere Städte um, um sie fit für 40 Grad zu machen – mit Entsiegelung, Bäumen, Trinkwasserspendern. Wir schaffen Kälteinseln in allen Pflegeheimen und Krankenhäusern.Stattdessen schoben sich Bund, Länder und Kommunen in der Woche nach der großen Hitze gegenseitig die Verantwortung zu. Ja, die föderale Ordnung macht kraftvolles Handeln nicht leichter. Aber wenn etwas passieren soll, muss jemand vorangehen und eine Aufbruchsstimmung erzeugen. Das ist Aufgabe des Kanzlers.Noch mehr als für die Linderung der Symptome gilt das für den Kampf gegen die Ursache. Die Fridays-for-Future-Proteste haben 2019 eindrucksvoll bewiesen, wie zuvor politisch Undenkbares plötzlich möglich wird, wenn eine gesellschaftliche Dynamik entsteht. Klimaschutz muss wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken – mit der ihm angemessenen Dringlichkeit und mit einer Erzählung, die Lust auf eine saubere und gesunde Zukunft macht. Die Chance dafür ist jetzt, Herr Bundeskanzler. Nutzen Sie sie!
Merz’ Schweigen zu den Hitzetoten ist bedauerlich: Noch schlimmer ist aber seine Arbeitsverweigerung
Ganze 5100 Tote forderte die Hitzewelle Ende Juni. Diese Warnung sollten wir ernstnehmen. Wann, wenn nicht jetzt, ist die Zeit für entschlossenes Gegensteuern?










