Fliegt sie oder fliegt sie nicht? Laut Anzeigetafeln nähert sich ein Unwetter der Allianz-Arena, das würde es sogar für die in allen Stadionhöhen schwindelfreie Helene Fischer zu gefährlich machen, auf ihrer Drahtseilbahn über ihrem Publikum an den Arbeitsplatz einzuschweben. Nicht nur das, aus internen Quellen heißt es, der Innenraum könnte bald geräumt werden. Das geplante Aufwärmprogramm des DJs ist offenbar schon abgeblasen. „Derzeit besteht kein Grund zur Besorgnis“, steht auf den Infotafeln. Also, machen wir uns mal Sorgen.2o Minuten vor dem erwarteten Konzertbeginn schreibt die interne Quelle: „Räumung abgeblasen.“ Eine DJane taucht unter dem riesigen Video-Würfel mitten in der Arena auf, zu Michael Jacksons „Billy Jean“ fängt die Publikumskamera glückliche Fans in betröpfelten Regenponchos ein. Super-Helene wird fliegen können.Und dann hebt sie ab: Im Besucherblock 102 wird Fischer angeschnallt und noch weiter hinauf zum Himmel geschleppt, der nun fast wolkenlos ist. „Einen wunderschönen guten Abend, München“, grüßt sie unbeeindruckt, als hänge sie nicht 25 Meter hoch in der Luft. Sie landet sanft auf der gerade noch von Helfern trockengefeudelten Mittelbühne. „Jetzt oder nie“, singt sie im roten Lack-Fransen-Body und Overknee-Stiefeln, umringt von 24 Tänzern und einer XXL-Band. Die Botschaft ist klar: Jedes Unwetterloch soll man zum Feiern nutzen: „Vielleicht ist das hier unsere letzte Chance.“Mit Aufmunterung-Unterhaltungsmusik geht es weiter: „Das ist unser Tag“, denn dann hat man „Genau dieses Gefühl“, singt sie ins goldene Mikro, und erstmals singt das Publikum im Chor mit. Man muss sagen, selbst in diesem Riesenstadion hat sie eine Riesenpräsenz, alles hochhausgroß auf die vier Seiten des schwebenden Videowürfels projiziert.Bevor die Schlagerkönigin zu „Flieger“ einen silbernen Thron erklimmt, wendet sie sich sehr freundlich an ihr Volk. Sehr emotional seien sie heute, denn es sei der letzte Tag ihrer Tour, das letzte Mal, dass sie alles, was sie sich monatelang erarbeitet hatten, zeigen dürften. „Und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als das heute bei euch zu machen.“ Sie habe heute „ganz viel Liebe im Herzen“.Großkonzerte in München:Ist die Allianz-Arena eine Open-Air-Notlösung – oder Konkurrenz fürs Olympiastadion?Helene Fischer hat im Kessel der Allianz-Arena Gewaltiges vor. Viele Pop-Fans sehnen sich allerdings in die Weite des Olympiastadions zurück, das noch lange saniert wird. Veranstalter wünschen sich bereits, beide Orte bespielen zu dürfen.Die Show ist das große Finale von Helene Fischers „360 Grad“-Tour mit 15 Konzerten in zwölf Städten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Es ist allerdings nicht das größte Konzert der am Ammersee wohnenden Entertainerin bisher hier und sonstwo: 2022 trat sie auf dem Freigelände der Münchner Messe vor je nach Quelle 130 000 bis 150 000 Menschen auf. Im Jahr darauf spielte sie dann in der mit 15 000 Plätzen vergleichsweise bescheidenen Münchner Olympiahalle – das allerdings fünf Abende lang in Folge.Das war schon als Versuch zu werten, wieder persönlicher zu erscheinen und näher ran an jeden einzelnen Fan zu rücken. Dies soll ihr – nach drei Jahren Tournee-Pause und rechtzeitig zur Feier ihrer ersten 20 Karrierejahre – nun auch durch Videotechnik und die Bühnenkonstruktion gelingen. Lange Stege bringen sie vor jede Tribüne der Allianz-Arena, die riesigen Monitore des Videowürfels in der Mitte zeigen die Sängerin und ihre Tänzer so nah wie in einem Wohnzimmer. Super-Helene zum Greifen nah, ein Höhepunkt für viele Fans.Der Text schildert erste Eindrücke aus Konzert von Helene Fischer in München. Eine ausführliche Kritik finden Sie morgen auf www.sueddeutsche.de.
Konzert in der Allianz-Arena: So läuft Helene Fischers Tour-Abschluss in München
Die Schlagerkönigin vom Ammersee will zum Abschluss ihrer „360 Grad“-Tournee 72 000 Fans noch einmal ganz nah kommen. Zuerst einmal hebt die Sängerin aber ab.








