Nach der turbulenten Aufsichtsratssitzung vor wenigen Tagen zeichnen sich im Volkswagen-Konzern konfliktreiche Wochen im Spätsommer und Herbst ab. Wie der Betriebsrat am Freitag mitteilte, sind Ende August Betriebsversammlungen in großen Fabriken geplant, auf denen das Management der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll. An einigen Standorten sollen der Vorstandsvorsitzende Oliver Blume und der Chef der Marke VW, Thomas Schäfer, auftreten.Auch Finanzvorstand Arno Antlitz ist für einen Termin als Redner eingeplant, außerdem Technikvorstand Thomas Schmall-von Westerholt. Er soll in den Komponentenwerken auftreten, also in den Fabriken, die Bauteile und Motoren produzieren. Der Vorstand solle nun „endlich Klartext reden“ und weitere Informationen zu seinen Sparplänen herausgeben, heißt es in einer am Freitag verbreiteten Ausgabe der Betriebsratszeitschrift „Mitbestimmen“.Die Arbeitnehmervertreter wollen sich gegen Werksschließungen stemmen. Sie hatten schon vor Tagen damit gedroht, dass sie die Betriebsversammlungen einberufen, wenn das Management sich nicht im Detail zu den Sparplänen positioniert. Die jüngste interne Stellungnahme von Konzernchef Blume reicht aus ihrer Sicht nicht. Blume hatte darin unter anderem erstmals betriebsöffentlich die Zahl von 50.000 weiteren Stellen genannt, die global abgebaut werden könnten. Diese Zahl kann sich nach Blumes Angaben ergeben, wenn die Gemeinkosten, also die Ausgaben für Verwaltung und Infrastruktur sowie die diversen internen Dienste zur Unterstützung des Kerngeschäfts, wie geplant um 20 Prozent gekürzt werden.Der Betriebsrat macht auf dieser Basis eine neue Rechnung auf, die nun das gesamte Volumen der Einschnitte umreißen soll. In Deutschland wurde schon vor Monaten der Abbau von 50.000 Stellen beschlossen. Nun könnten der Aussage Blumes zufolge global weitere 50.000 Stellen hinzukommen. Und weil das Management außerdem vier deutsche Standorte infrage stelle, müssten die dort beschäftigten 40.000 Mitarbeiter auch noch in die Rechnung einfließen. So ergibt sich laut den Arbeitnehmervertretern eine Gesamtzahl von 140.000 Arbeitsplätzen, die „im Feuer“ stehen. VW kommentierte die Aussage am Freitag nicht und verwies darauf, dass es noch keinerlei Beschlüsse gebe.Den Auftakt für die Betriebsversammlungen soll das Wolfsburger Stammwerk am Dienstagmorgen, dem 25. August, machen. Am Nachmittag soll dann eine Versammlung in Braunschweig folgen. An den Standorten Emden, Zwickau, Chemnitz, Dresden, Kassel, Salzgitter und Hannover folgen weitere Treffen bis zum Montag, dem 31. August. Die Planungen des Wolfsburger VW-Betriebsrats umfassen nicht den Standort Neckarsulm, der zu Audi gehört und deshalb separat zu sehen ist. Das Werk ist ebenfalls von der Schließung bedroht, genau wie die Standorte Emden, Zwickau und Hannover. Nach den Betriebsversammlungen folgt dann die nächste Aufsichtsratssitzung. Diese ist nach Informationen der F.A.Z. für Donnerstag, 3. September, geplant.Der VW-Konzern steckt in der Krise und will seine Kosten senken. Ein personelles Detail rund um die Sparprogramme sorgt dabei schon seit Wochen für Spekulationen: Seit dem Abgang von Personalvorstand Gunnar Kilian vor etwa einem Jahr ist das Personalressort im Vorstand unbesetzt und wird nur kommissarisch von VW-Markenchef Schäfer betreut.Favoritin für das Personalressort sei Erika Rasch, derzeit Personalchefin des Automobilzulieferers Bosch, hieß es nun vor wenigen Tagen im Onlinemedium „Correctiv“ und in der Zeitung „Handelsblatt“. Die Besetzung sei am vergangenen Donnerstag im Aufsichtsrat aber wegen des Streits um neue Sparmaßnahmen im Konzern vorerst gescheitert. Eine verbreitete Lesart lautet, dass es dabei auch um weitere Personalien ging, die an die Benennung der neuen Personalchefin gekoppelt worden seien und zu denen es keine Einigkeit gegeben habe. Dabei soll es um ein neues Technologieressort gehen. Rasch werden weiter gute Chancen zugerechnet, aber beschlossen ist noch nichts. VW und Bosch äußerten sich zu dem Thema nicht.
Volkswagen-Krise: 140.000 Stellen stehen im Feuer
Der Betriebsrat will mehr Details zu den Sparplänen des Managements hören und macht eine brisante Rechnung auf. Auch der Aufsichtsrat soll nach der Sommerpause zügig wieder zusammenkommen.












