Begleitet von heftigen Tumulten und lauten Beschimpfungen hat die nordrhein-westfälische AfD die Benennung ihrer Kandidaten für die Landtagswahl im kommenden Jahr fortgesetzt. Ein Antrag, den Parteitag in Marl abzubrechen, bekam keine Mehrheit. Zahlreiche Vertreter des Lagers hinter der Bundesvorsitzenden Alice Weidel verließen daraufhin unter Protest den Saal. Das Lager um den Landesvorsitzenden Martin Vincentz nutzt diese Situation, um die Liste im Eiltempo mit Kandidaten aus den eigenen Reihen zu füllen.Der Wahlparteitag hatte am vergangenen Wochenende begonnen. Doch der Machtkampf zwischen den beiden innerparteilichen Lagern war schnell eskaliert. Offensichtlich, um den Parteitag zu verzögern, nominierte eine Gruppe mit dem Namen „Operation Filibuster“ mehr als 90 Kandidaten für Listenplatz 22. Vincentz nannte das „Sabotage“. Landesvize spricht von „Parteitag der Schande“ Die AfD-Bundesspitze forderte von der nordrhein-westfälischen AfD, die Aufstellung der Landesliste abzubrechen und neu zu beginnen. „Nach den vorliegenden Stellungnahmen bestehen erhebliche Anhaltspunkte dafür, dass bei der bisherigen Kandidatenaufstellung Wahlgrundsätze verletzt wurden“, schrieben die Parteichefs Tino Chrupalla und Alice Weidel an den Landesvorstand. Bei dem Parteitag in Marl stellte der stellvertretende Landesvorsitzende Christian Zaum offiziell den Antrag auf Abbruch. Er sprach dabei von einem „Parteitag der Schande“. Martin Vincentz, Landessprecher und Fraktionsvorsitzender der AfD NRW. © imago/Revierfoto/imago/Revierfoto Vincentz konterte, dass ein Abbruch des Wahlparteitags schwerwiegende Folgen für die AfD bei der Landtagswahl im kommenden Jahr haben könne. Er forderte deshalb die Fortsetzung des Parteitags und fügte hinzu: „Selbst für den Fall, dass mich das meinen Kopf als Landessprecher kostet.“Die Delegierten beschlossen schließlich mit großer Mehrheit, den Parteitag nicht abzubrechen. Auch der Antrag, eine Pause zu machen und die Wahl weiterer Kandidaten erst am Samstag fortzusetzen, bekam keine Mehrheit. Vincentz konnte einen Kandidaten nach dem anderen benennen Das Lager, das sich gegen Vincentz zusammengeschlossen hatte, verließ daraufhin unter Protest den Saal – und nahm somit keinen Einfluss mehr auf die Benennung der weiteren Kandidaten für die NRW-Landtagswahl im kommenden Jahr.Vincentz ging ein ums andere Mal ans Mikrofon und benannte Kandidaten. Bis Listenplatz 34 stehen sie nun ohne Gegenkandidaten zur Wahl. Stimmberechtigte wurden angeblich bedroht In ihrem Schreiben forderte der AfD-Bundesvorstand um Tino Chrupalla und Alice Weidel den Landesverband zuvor auf, unmittelbar nach der für Freitag geplanten Fortsetzung der Versammlung darauf hinzuwirken, „dass diese wegen der existierenden Risiken abgebrochen wird“. Als Ziel nannten Weidel und Chrupalla, die Landesliste in einer neuen Aufstellungsversammlung „rechtlich einwandfrei aufzustellen“.Mehrere in ihrem Kern übereinstimmende Schilderungen sprächen dafür, „dass stimmberechtigte Delegierte bedroht oder erheblich unter Druck gesetzt“ worden seien. „Eine bloße Verurteilung solcher Vorgänge und der Verweis auf staatliche Ermittlungen“ reichten nicht aus, um „die drohende Gefahr einer Nichtzulassung der Landesliste abzuwenden“.Die Parteichefs erinnerten an die Erfahrungen in Bremen 2023 – dort war die AfD von der Wahl des Landesparlaments ausgeschlossen worden, nachdem zwei konkurrierende Landesvorstände Vorschläge mit Bewerberinnen und Bewerbern eingereicht hatten.Angesichts hoher Umfragewerte rechnet die Partei damit, dass sie mit mindestens 30 Abgeordneten ins Parlament in Düsseldorf einziehen könnte. Insgesamt will sie auf mehreren Konferenzen bis Mitte September 80 Listenplätze vergeben.Die Plätze 1 bis 10 wurden zwischen beiden Lagern aufgeteilt, sodass alle Bewerber dort ohne Gegenkandidaten antraten. Bei weiter dahinter liegenden Plätzen mit ebenfalls guten Chancen auf ein Landtagsmandat trat der interne Streit dann offen zutage. So traten etwa für Listenplatz 22 mehr als 90 Kandidaten an, von denen jedem bis zu acht Minuten Redezeit zustanden – was den Zeitrahmen des Parteitages sprengte. (dpa)