Die NSU-Unterstützerin Susann Eminger ist zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Oberlandesgericht Dresden (OLG) sprach sie der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und in einem Fall der Beihilfe zu einer schweren räuberischen Erpressung mit Waffen schuldig. Nach gut acht Monaten ging der Prozess zu Ende. Die 45-Jährige ist die Ehefrau des bereits verurteilten NSU-Unterstützers André Eminger und mutmaßlich eine enge Freundin der Rechtsterroristin Beate Zschäpe.Die Bundesanwaltschaft warf ihr vor, Zschäpe ihre Personalien überlassen zu haben. Sie soll der NSU-Terroristin mehrmals ihren Personalausweis zur Verfügung gestellt haben, etwa bei einer Vernehmung der Polizei zu einem Wasserschaden in dem Mietshaus, in dem das NSU-Trio lebte, und während einer längeren Urlaubsreise. Mit der Krankenkassenkarte der Angeklagten habe sich Zschäpe mehrmals bei einem Zahnarzt behandeln lassen. Auch auf eine Bahncard mit dem Foto von Zschäpe und einen Videotheksausweis, beide im Namen Susann Emingers, verwies die Bundesanwaltschaft.NSU:„Dann sag wenigstens die Wahrheit“Im Oberlandesgericht Dresden tritt Beate Zschäpe nicht gerade wie eine Geläuterte auf. Sie sagt zwar gegen Susann Eminger aus, die in NSU-Zeiten ihre beste Freundin war. Aber Reue? Da müsste sie endlich anfangen, wirklich zu reden.Zudem wurde der 45-Jährigen zur Last gelegt, an der Abholung des Wohnmobils beteiligt gewesen zu sein, das der NSU am 4. November 2011 bei seinem letzten Raubüberfall in Eisenach verwendete.Die Neonazi-Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) bestand aus Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Ab dem Jahr 2000 verübten sie jahrelang unerkannt zehn Morde in ganz Deutschland. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin.Mundlos und Böhnhardt verletzten zudem Dutzende Menschen bei zwei Bombenanschlägen in Köln. Die beiden töteten sich 2011 in Eisenach, um ihrer Festnahme zu entgehen. Zschäpe verurteilten die Richter des OLG München 2018 zu lebenslanger Haft. Sie wurde bei der jetzigen Verhandlung in Dresden an drei Verhandlungstagen ausführlich befragt.Zschäpe wollte ihre damals einzige Vertraute offenbar möglichst wenig belastenEine zentrale Frage bei der Beweisaufnahme im Prozess war, ob Susann Eminger von den rassistischen Morden des NSU wusste. Davon ging die Bundesanwaltschaft aus. Sie hatte in ihrem Plädoyer vier Jahre Haft für die Angeklagte gefordert. Die 45-Jährige habe ihrer Freundin Zschäpe durch ihre Taten das Leben im Untergrund erheblich erleichtert, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Barrot.Die Eheleute Eminger waren laut Bundesanwaltschaft die engsten Vertrauten des NSU und der Terrorzelle auch noch nach deren Ende verbunden. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung habe etwa eine Bleistiftzeichnung der Terroristen Böhnhardt und Mundlos neben Fotos der eigenen Söhne im Wohnzimmer an der Wand gehangen.Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Die Rechtsanwälte sahen in dem Verfahren keinen Hinweis auf einen „Wissenstransfer“ zwischen den NSU-Mitgliedern und der Beschuldigten. Es habe keinen Beleg gegeben, dass Susann Eminger etwas von den Straftaten gewusst haben könnte.Die Angeklagte selbst hatte sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert. Zschäpe wirkte bei ihrer Zeugenaussage bemüht, ihre damals einzige Vertraute möglichst wenig zu belasten. Sie gab an, Eminger seien lediglich die Raubüberfälle, nicht aber die Morde der Terrorzelle bekannt gewesen.