Als Kai Wegner am 10. Juli seine Spitzenkandidatur zurückzog, geschah etwas, das man im politischen Betrieb selten so unmittelbar beobachten kann: Die Partei atmete auf – die Umfragen erholten sich. Doch schon nach wenigen Tagen im Wahlkampf drängt sich die Frage auf, ob Berlin mit Stefan Evers wirklich einen neuen Kurs sieht oder bloß ein neues Gesicht vor einem sehr alten Bühnenbild.

Der Absturz und das Aufatmen: War Wegner die Belastung?

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache – wenn auch eine, der man aufmerksam zuhören muss. Die CDU war zuvor auf Platz vier abgestürzt, nach falschen Angaben des Regierenden Bürgermeisters zu seiner Kommunikation am Tag des größten Stromausfalls in Berlin seit 1945 und in den Monaten seither. Nach dem Wechsel zu Evers legt sie im Infratest-dimap-Berlintrend des RBB von drei Prozentpunkte auf 20 Prozent zu. Stärkste Partei bliebe die Linke mit 22 Prozent.

Fakt ist: Die Christdemokraten kommen aus einer tiefen Krise: Eine Infratest-Umfrage von Ende Juni sah zum ersten Mal die Linke als stärkste Kraft, während die CDU abgeschlagen auf 17 Prozent lag. Eine Civey-Umfrage sah CDU und Linke zwischenzeitlich gleichauf bei je 19 Prozent.

Wegner ist weg – alle sind froh