Berlin-Wahl: Stefan Evers wird Nachfolger von Kai Wegner als CDU-Spitzenkandidat. Kann er die CDU wieder stark machen?Der designierte CDU-Spitzenkandidat für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus soll einen Wahlsieg der Linken verhindern. Doch ihm bleiben nur wenige Wochen, um die Wähler mit konservativen und wirtschaftsfreundlichen Positionen zu überzeugen.13.07.2026, 12.36 Uhr4 LeseminutenBerlins Finanzsenator Stefan Evers gilt als effizienter Wahlkampfmanager.imagoAn diesem Montag steuert Berlins Finanzsenator Stefan Evers auf den vorläufigen Höhepunkt seiner politischen Karriere zu. Am Nachmittag wird ihn der Landesvorstand der Berliner CDU aller Voraussicht nach als neuen Spitzenkandidaten der Christlichdemokraten für die Abgeordnetenhauswahl in der deutschen Hauptstadt am 20. September nominieren. Die einflussreichen Kreisvorsitzenden der Berliner CDU hatten sich bereits am Freitagabend in einer Krisensitzung auf Evers als Ersatz für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner geeinigt. Evers’ offizielle Nominierung an diesem Montag dürfte daher ein Selbstläufer sein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Angesichts der schlechten Umfrageergebnisse der CDU galt Evers seit einiger Zeit als potenzieller Nachfolger für Wegner. Dieser hatte am vergangenen Freitag seinen Rückzug von der Spitzenkandidatur bekanntgegeben. Hintergrund war sein Krisenmanagement beim Anschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar dieses Jahres. Damals hatte Wegner nach dem Stromausfall erfundene Angaben über seinen Tagesablauf gemacht und mit seiner Lebensgefährtin Tennis gespielt. Zehntausende Bürger sassen derweil ohne Strom in ihren kalten Wohnungen.Gegen die Enteignung von WohnungenMit Evers hofft die CDU, nun wieder Luft unter die Flügel zu bekommen. Der 46-jährige Finanzsenator, der nach dem Rücktritt der parteilosen Sarah Wedl-Wilson seit April dieses Jahres auch das Kulturressort führt, bezeichnet sich selbst als Vertreter eines «modernen Konservatismus». Gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» sagte er, er werde «alles tun, um eine links-grüne Regierung in Berlin zu verhindern».Die Linkspartei, die in Wahlumfragen vorn liegt und damit gute Chancen hat, den nächsten Regierenden Bürgermeister zu stellen, wolle mit ihrer Enteignungspolitik die soziale Marktwirtschaft zerstören, sagte Evers. Zudem habe sie ein Antisemitismus-Problem und wolle die Polizei schwächen. Wer das nicht wolle, «muss CDU wählen», so Evers.Bereits die Debatte über die Vergesellschaftung von Wohneigentum in Berlin habe «riesigen Schaden» angerichtet und die Wohnungsnot verschärft, kritisierte Evers. Statt kostspielige Entschädigungen bei Enteignungen zu zahlen, wolle er das Geld lieber in den Bau von Wohnungen investieren.Kampf gegen den Berliner MüllAuch in gesellschaftspolitischen Fragen grenzte sich Evers von Linken, SPD und Grünen ab. Er sprach sich dafür aus, Empfänger staatlicher Leistungen zu gemeinnützigen Arbeiten heranzuziehen. Sie könnten dabei helfen, «Berlin sauber zu halten». Die zunehmende Vermüllung der Hauptstadt sei «inakzeptabel». Bis jetzt geht die Landesregierung mit Kontrollen und Bussgeldern gegen die Müllflut vor. Doch das reiche nicht, sagte Evers.Mit Blick auf die innere Sicherheit sprach er sich für ein hartes Vorgehen des Staates gegen Straftäter wie die Saboteure des Berliner Stromnetzes im Januar aus. Die Verwaltung der Stadt müsse künftig besser auf Krisen vorbereitet sein, etwa durch regelmässige Übungen und eine klare Führungsverantwortung. Kritische IT-Strukturen müssten auch bei Stromausfällen in Betrieb gehalten werden können.Angesichts der Rekordverschuldung der deutschen Hauptstadt sieht Evers die Notwendigkeit, künftig den Gürtel enger zu schnallen. «Wir können auf Dauer nicht mehr Geld ausgeben, als wir erwirtschaften», sagte er. Wenn die Stadt weiter investieren wolle, was nötig sei, müsse dafür an anderer Stelle gespart werden.Wo er im Falle einer Wahl zum Regierenden Bürgermeister künftig den Rotstift anzusetzen gedenkt, machte Evers deutlich. Er halte nichts davon, den Sprösslingen von gutverdienenden Eltern das Mittagessen in der Schule kostenlos zur Verfügung zu stellen. Einsparpotenzial sieht er darüber hinaus bei teuren Vorschriften zum Bauen und zum Datenschutz. Die Stadt könne sich das «schlicht nicht mehr leisten».Effizienter Manager im HintergrundIn den wenigen Wochen, die bis zur Wahl verbleiben, muss Evers nun an Profil gewinnen, um die Bürger von seinen Politikansätzen zu überzeugen. Bisher hat der in Paderborn geborene Jurist, der seit 1999 in Berlin lebt, vor allem als effizienter Manager und Finanzsenator im Hintergrund und vom Schreibtisch aus gewirkt. Als Wahlkampfmanager der Landes-CDU hatte er die erfolgreiche Kampagne entscheidend geprägt, die der CDU 2023 den Wahlsieg und Wegner das Amt des Regierenden Bürgermeisters bescherte.In den nächsten Wochen muss sich Evers in der ersten Reihe der Politik bewähren. Dabei dürften ihm sein rhetorisches Talent und seine intellektuelle Schärfe ebenso zugutekommen wie seine langjährige Erfahrung in der Politik. Im Berliner Abgeordnetenhaus, dem er seit fünfzehn Jahren angehört, hat er als Vizechef der CDU-Fraktion und später als Fraktionsgeschäftsführer gewirkt. Seit 2016 ist er zudem Generalsekretär der Berliner CDU.Zuvor hatte Evers, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt, als Referent im Deutschen Bundestag für die Abgeordneten Friedhelm Ost und Werner Kuhn gearbeitet. Als ehemaliger Geschäftsführer einer Strategie- und Kommunikationsberatung bringt er zudem Erfahrungen aus der Wirtschaft mit.Auf seiner Website schreibt Evers, Politik solle Probleme «nicht wälzen, sondern lösen». Sein Motto laute daher «Einfach machen!». Ob die Wähler ihn einfach machen lassen, wird sich am 20. September zeigen.Passend zum Artikel