Eine Stadt sieht rot: Wer den Staumelder auf Google Maps aufruft, findet im ganzen Stadtgebiet rot markierte Straßenabschnitte. Das steht für Stau. Vor allem in der Rushhour färbt sich das Straßennetz auf Hauptverkehrsrouten entsprechend ein. Auf der Donnersbergerbrücke zum Beispiel, die derzeit zum Teil saniert wird, werden Fahrzeuge jeden Tag zu Stehzeugen, Autofahrer müssen mit hohen Zeitverlusten rechnen.Doch nicht nur am Mittleren Ring, wo auch noch im Luise-Kiesselbach-Tunnel und an der Landshuter Allee gearbeitet wird, stockt der Verkehrsfluss. Auch auf den Ausweichrouten, etwa der Fürstenrieder Straße, der Plinganserstraße und vielen anderen ist das Autofahren wegen der vielen Baustellen eine zeitintensive Angelegenheit. Weil sich Autofahrer Schleichwege in vielen Nebenstraßen suchen, die nicht auf Durchgangsverkehr ausgelegt sind, kommt es auch dort zu Staus.Rot leuchtet aber nicht nur die Staukarte. Wer auf die offizielle Baustellenkarte der Stadt München schaut, findet mehr als 3000 Baustellen, gekennzeichnet mit dem rot umrandeten Bauarbeitersymbol. Das sind nicht immer große Maßnahmen. Auch kleinere Baustellen sowie private Baumaßnahmen, für die nur ein paar Parkplätze wegfallen oder der Gehweg eingeschränkt nutzbar ist, zählen dazu. Aber viele Baustellen sind nun mal größere Verkehrshindernisse.Der Luise-Kiesselbach-Tunnel am Mittleren Ring ist seit Anfang Juli Richtung Norden gesperrt. Robert HaasEtwas weiter nördlich geht es im Trappentreutunnel mit den Einschränkungen weiter. Robert HaasStau und Blockaden gehören derzeit zu den brisanten Gesprächsthemen der Stadt. Die CSU im Rathaus hält die vielen Baustellen für unkoordiniert. Sie spricht im Fall des in Richtung Norden gesperrten Luise-Kiesselbach-Tunnels gar von einer „Vollkatastrophe“ und fordert eine bessere Baustellenkoordinierung, die zudem direkt im Büro des Oberbürgermeisters angesiedelt werden soll. Das Problem sei eigentlich nie die einzelne Baustelle an sich, sondern die Tatsache, dass überall gleichzeitig gebaut werde, sagt die verkehrspolitische Sprecherin der CSU-Fraktion, Veronika Mirlach.Das Mobilitätsreferat wiederum sieht zum Timing der Baustellen am Mittleren Ring keine Alternative. Die aktuellen Sanierungsarbeiten auf der Donnersbergerbrücke seien notwendig und müssten binnen der kommenden Monate durchgeführt werden. Es gehe dabei um zwei Bauphasen, die jeweils voraussichtlich zwei Wochen andauern und zum Wegfall von Fahrspuren auf der Donnersbergerbrücke führten. „Da durch die aktuelle Sperrung des Luise-Kiesselbach-Tunnels erwart- und messbar weniger Verkehr auf dem Mittleren Ring West unterwegs ist, hat es sich angeboten, die Maßnahmen zeitgleich durchzuführen und so die Einschränkungen zu bündeln“, teilt eine Sprecherin des Referats mit. „Die Alternative wäre gewesen, die Baustellen zeitlich aneinanderzureihen, sodass es über fast zwei Monate starke Einschränkungen auf dem Mittleren Ring gegeben hätte.“So geschehe nun alles im Juli, doch für die Autofahrenden wird es auch danach Einschränkungen geben. Denn voraussichtlich von Ende August bis Mitte September steht die zweite Bauphase auf der Donnersbergerbrücke an. Die Hackerbrücke ist als Ausweichroute über die Bahngleise eine schlechte Wahl: Hier läuft bis Ende August eine „schadstofftechnische Probesanierung“, weshalb der Verkehr nur einspurig läuft und per Ampelschaltung geregelt wird. Auch hier: Staus in beide Richtungen. Mitte kommenden Jahres beginnt dann eine dreijährige Komplettsanierung der Brücke, die dann für Autos gesperrt wird. Dann soll der Verkehr zwischen Ludwigs- und Maxvorstadt über die Paul-Heyse-Straße führen. Derzeit allerdings fließt dort der Verkehr wegen einer Großbaustelle pro Richtung nur einspurig und ebenfalls im Schneckentempo, voraussichtlich bis Frühjahr 2028.Auf das Auto zu verzichten und auf den öffentlichen Nahverkehr auszuweichen, bringt die Menschen auch nicht unbedingt vorwärts. An der S-Bahn wird praktisch immer gebaut, im August ist etwa die Strecke zwischen München und Starnberg gesperrt. Im Zentrum sind die U-Bahn-Linien U3 und U6 noch bis Mitte September und dann wieder im nächsten Jahr unterbrochen. In der Sonnenstraße fahren aktuell keine Trambahnen.Die Folge: Neben den privaten Autos verstopfen auch Ersatzbusse die Lindwurmstraße, die abschnittsweise wegen neuer, breiter Radwege nur noch einspurig ist.Auf die Frage, ob es irgendwelche Ideen gebe, den aktuellen Stillstand in der Stadt zumindest etwas zu lindern, gibt das Mobilitätsreferat nur eine zwar ausführliche, aber allgemein formulierte Antwort, die sich in zwei Wörtern zusammenfassen lässt: Hilft nix! Immerhin können Busfahrgäste hoffen, dass es in der Lindwurmstraße bald wieder etwas flotter vorangeht. Die Münchner Verkehrsgesellschaft hat stadteinwärts zwischen Reisingerstraße und Sendlinger Tor eine Busspur vorgeschlagen. Ob die aber kommt? Das werde gerade geprüft, heißt es aus dem Mobilitätsreferat.