Die Abgeordneten des ukrainischen Parlaments haben am Donnerstag den Vorsitzenden des Aufsichtsrats des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz, Serhij Korezkyj, zum neuen Ministerpräsidenten der Ukraine bestätigt. Die Ernennung erfolgt vor dem Hintergrund erwarteter massiver russischer Angriffe im kommenden Winter.

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Wochenende überraschend eine Regierungsumbildung angekündigt und Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko zum Rücktritt aufgefordert. Die Werchowna Rada nahm ihren Rücktritt am Mittwoch an, womit automatisch das gesamte Kabinett zurücktrat. Das Parlament soll im Laufe der Woche über Selenskyjs Vorschläge für die neue Regierung entscheiden.

Die Personalentscheidung deutet auf einen pragmatischeren Kurs der Regierung hin. Angesichts der bevorstehenden schwierigen Wintermonate setzt Selenskyj offenbar verstärkt auf erfahrene Manager in Schlüsselpositionen und weniger auf politische Loyalisten.

Gleichzeitig bietet der Umbau die Möglichkeit, sich von Teilen seines engsten Machtzirkels zu distanzieren, der zuletzt durch eine Reihe von Korruptionsaffären belastet wurde. Auslöser der Umbildung soll unter anderem ein neuer Korruptionsskandal um die ukrainische Botschafterin in Washington gewesen sein.