Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj treibt mitten im Krieg gegen Russland die nächste Umbildung an der Spitze seiner Regierung voran. Selenskyj habe im Parlament den Antrag eingereicht, den bisherigen Chef des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz, Serhij Korezkyj, zum neuen Ministerpräsidenten zu ernennen. Das teilte Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk bei Facebook mit. Die Oberste Rada werde den Vorschlag »in Kürze entsprechend dem festgelegten Verfahren prüfen«, schrieb er. Einen Termin für die Abstimmung nannte Stefantschuk nicht. In Kyjiw wird jedoch damit gerechnet, dass das Parlament bereits am Donnerstag entscheidet.Koretzkyj leitete bislang Naftogaz, einen Schlüsselkonzern für die Energieversorgung des Landes. Selenskyj hatte ihn zuletzt öffentlich als besonders geeignet bezeichnet – auch mit Blick auf die Vorbereitungen für den kommenden Winter. In der kalten Jahreszeit drohen erneut Engpässe, weil Russland wiederholt die ukrainische Energieinfrastruktur angegriffen hat.Letzter Auslöser der jüngsten Rochade sollen nach unbestätigten Berichten das Ausscheiden der ukrainischen Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, aus dem diplomatischen Dienst. Anlass sollen wiederum Korruptionsermittlungen wegen eines Immobilienkaufs im ersten Kriegsjahr in ihrer Zeit als Ministerin für EU- und Natointegration sein. Stefanischyna hatte den Botschafterposten erst im August 2025 angetreten. An ihrer Stelle soll den Berichten zufolge Swyrydenko Botschafterin in Washington werden.Bei neuen nächtlichen russischen Angriffen auf Kyjiw sind nach ukrainischen Angaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Fünf weitere Menschen seien bei der jüngsten russischen Attacke auf die ukrainische Hauptstadt zudem verletzt worden, darunter ein Kind, teilten ukrainische Rettungsdienste am Donnerstag mit.