Pete Hegseth verpasst der US-Armee eine Testosteronkur – sprichwörtlichDer amerikanische Verteidigungsminister will eine Armee, die fit ist, auch hormonell. Dafür sollen obligatorische Tests sorgen.17.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenRekruten nehmen an einem Vorbereitungskurs teil, der ihnen erlaubt, ihre Fitness innert 90 Tagen zu verbessern.APPete Hegseth ist angetan von Männlichkeit. Der amerikanische Verteidigungsminister verbreitet Posts in den sozialen Netzwerken, in denen er seine Muskeln spielen lässt. Er macht im Liegestütztraining seiner Truppen gleich selber mit. Seine wichtigste Mission als Verteidigungsminister sieht er darin, die Armee wieder schlagkräftig, wieder «lethal», also tödlich, zu machen. Er benannte das Verteidigungsministerium in das Kriegsministerium um. Für Körperfett und schludriges Äusseres hat er nur Verachtung übrig. In einem Auftritt vor der versammelten Generalität zog er über übergewichtige Soldaten her und über solche mit langen Haaren und Bärten: «No more beardos», paukte er den Generälen ein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In früheren Diversitäts- und Gleichstellungsmassnahmen sieht er das Grundproblem einer seiner Meinung nach geschwächten Streitmacht. Frauen wollte der ehemalige Infanteriemajor aus Kampftruppen ausschliessen, als er noch Moderator bei Fox News war. Während seiner Bestätigungsanhörung im Senat schwenkte er um. Doch laut den neuen Fitnessstandards gelten für Frauen in Kampftruppen dieselben Anforderungen wie für Männer.Nun will Hegseth seinen Streitkräften eine Hormontherapie verpassen, von der Soldatinnen offenbar nicht ausgeschlossen werden. Im Memorandum mit dem Titel «Gesundheitliche Leistungsoptimierung zwecks Erhöhung der militärischen Bereitschaft» ordnete er am Mittwoch an, dass der Testosteronspiegel aller über 30-jährigen Soldaten jährlich obligatorisch getestet wird. Damit wolle er sicherstellen, dass die Soldaten über die biologische Grundlage verfügten, die notwendig sei, um den Kampf durchzuhalten, schrieb er an die Adresse der Truppen auf der Plattform X. Bei einem Testosteronmangel können sich die Soldaten und Soldatinnen freiwillig behandeln lassen.Verteidigungsminister Pete Hegseth trainiert mit amerikanischen Truppen, Honolulu, im März 2025.ImagoEin jährliches Testosteron-Screening wird für die Bevölkerung nicht empfohlen, aber in den vergangenen Jahren haben Hormonersatztherapien in den USA an Popularität gewonnen. Die Medizin sieht ein grosses gesundheitliches Potenzial, denn etwa vier von zehn Männern über 45 Jahre weisen einen Testosteronmangel auf. Betroffene können depressiv und müde werden; niedrige Werte sind laut Studien mit höherer Sterblichkeit verbunden. Auch bei Frauen werden in den USA zur Behandlung von sexuellen Störungen Testosterontherapien eingesetzt. Der amerikanische Gesundheitsminister Robert F. Kennedy will Testosterontherapien leichter zugänglich machen. Die Arzneimittelbehörde FDA hat kürzlich Warnhinweise geändert und Schritte eingeleitet, um mögliche zusätzliche Anwendungen von Testosteronpräparaten zu prüfen.Imagekorrektur der ArmeeDas Testosteronprogramm beim Militär dient Hegseth aber auch dazu, das Image der Armee im Einklang mit seinen Männlichkeitsidealen zu verbessern. Seit 2018 erfüllten die amerikanischen Streitkräfte ihre Rekrutierungsziele teilweise nicht mehr. Das Problem verschärfte sich und erreichte in den Jahren 2022 und 2023 unter Joe Biden einen Höhepunkt. Ab 2024 änderte sich der Trend – nach Reformen des Rekrutierungsprozesses. Unter Pete Hegseth wurden die Ziele wieder erreicht, bei der Army dieses Jahr bereits im Mai und bei der Navy im Juli.Hegseth sieht das als Bestätigung, dass das Rekrutierungsproblem vor allem kulturell bedingt war. Er macht dafür eine angebliche «Wokeness» der Militärspitze unter Präsident Joe Biden verantwortlich. Das damalige Motto «Unsere Diversität ist unsere Stärke» sei der dümmste Satz in der Militärgeschichte, sagte er. Hegseth setzte nach seinem Amtsantritt auf das «Kriegerethos» und sieht darin einen Hauptgrund für das neue Interesse junger Männer und Frauen am Militärdienst.Welche Rolle Hegseths viriles Rebranding der Streitkräfte tatsächlich spielt, ist schwierig zu ermessen. Experten betonen andere Gründe. Ein dreimonatiger Vorbereitungskurs hilft den oft übergewichtigen Anwärtern, fit zu werden. Eine zügige medizinische Musterung soll verhindern, dass sie abspringen. Zudem erhalten Soldaten einen höheren Sold. Auch andere Anreize wie Bildungsangebote wurden ausgebaut.Passend zum Artikel
Hormontests für Soldaten: Wie Hegseth die Armee fit machen will
Der amerikanische Verteidigungsminister will eine Armee, die fit ist, auch hormonell. Dafür sollen obligatorische Tests sorgen.










