Unweit des Berliner Bebelplatzes, wo am 10. Mai 1933 die Bücher brannten, trafen gestern Jason Stanley, Philosoph und einer der weltweit bekanntesten Faschismusforscher, und der Schriftsteller Daniel Kehlmann aufeinander: Sie diskutierten an der Humboldt-Universität, »wie Faschisten die Vergangenheit umschreiben, um die Zukunft zu kontrollieren« (so der Untertitel von Stanleys gerade erschienenem Buch Gefälschte Geschichte). Angesichts der momentan grassierenden Faschismusdebatten war man auf eine spannungsarme, zäh dahinziehende Veranstaltung eingestellt – oder sollte es doch vielleicht überraschend brisant werden? Es wurde dann beides – und zwar gleichzeitig. Aber erst einmal umarmten sich alle Podiumsgäste wechselseitig, darunter auch die Hamburger Soziologin Teresa Koloma Beck, man lobte sich für das, was man zuletzt gesagt oder geschrieben hatte.