PfadnavigationHomeRegionalesHamburgArbeitsunfall statt MordfallRätselhafter Leichenfund – Toter kam von Baustelle in 25 Kilometern EntfernungVeröffentlicht am 16.07.2026Lesedauer: 2 MinutenEin Polizist steht vor einem Einsatzfahrzeug der PolizeiQuelle: Marcus Brandt/dpaEin junger Ägypter wird tot in einem Waldstück im Hamburger Westen gefunden, die Mordkommission ermittelt. Fünf Wochen später kennt die Polizei den Ort seines Todes. Viele Fragen in dem ungewöhnlichen Fall bleiben jedoch offen.Als zwei Frauen am 11. Juni in einem Waldstück nahe des Golfplatzes Falkenstein in Hamburg-Rissen die Leiche eines jungen Mannes entdeckten, deutete zunächst alles auf ein Gewaltverbrechen hin. Die Mordkommission übernahm die Ermittlungen.Fünf Wochen später stellt sich der Fall vollkommen anders dar. Wie die Hamburger Polizei am Donnerstag mitteilte, soll der Tote bei Abrissarbeiten auf einer Baustelle in Hamburg-Wilhelmsburg tödlich verletzt worden sein. Nach den bisherigen Erkenntnissen starb der 27 Jahre alte Ägypter dort Anfang Juni bei Arbeiten an einem Mehrfamilienhaus in der Fährstraße.Lesen Sie auchNach Angaben der Ermittler wurde der bereits verstorbene Mann anschließend vom Unfallort fortgebracht. Unbekannte haben den Leichnam von südlich der Elbe bis an die westliche Stadtgrenze nördlich der Elbe transportiert und in dem Waldstück in Rissen abgelegt. Zwischen der Baustelle in Wilhelmsburg und dem Fundort liegen rund 25 Kilometer.Der Fundort hatte die Ermittler zunächst in eine andere Richtung blicken lassen. Die Rechtsmedizin ging damals von einem Tod durch äußere Gewalteinwirkung aus. Weil zudem unklar war, wie der junge Mann in das Waldstück gelangt war, führte zunächst die Mordkommission die Ermittlungen gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft.Inzwischen hat die für Arbeitsunfälle zuständige Fachdienststelle des Landeskriminalamts den Fall übernommen. Die Ermittler gehen nach Angaben der Polizei mittlerweile von fahrlässiger Tötung aus. Diese ist auf Baustellen unter anderem dann gegeben, wenn dort Arbeiter zu Tode kommen, weil die Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichend waren, oder wenn schweres Arbeitsgerät nicht nach Vorschrift bedient worden ist.Lesen Sie auchWarum der Tote nach seinem Tod von der Baustelle in Wilhelmsburg bis nach Rissen gebracht wurde, ist unklar. Nach NDR-Informationen liegt der Berufsgenossenschaft Bau keine Meldung über einen tödlichen Arbeitsunfall auf der Baustelle an der Fährstraße vor. Anwohner berichteten den Journalisten zudem, am Tag des Unglücks keinen Rettungseinsatz beobachtet zu haben.Nach Recherchen des NDR arbeitete der 27-Jährige in Deutschland als Bauarbeiter. Das Landeskriminalamt prüft demnach auch, ob sich der Mann möglicherweise illegal im Land aufhielt oder auf der Baustelle schwarz beschäftigt war.Bereits Anfang Juli hatte die Polizei im Umfeld der Baustelle einen Zeugenaufruf veröffentlicht. Nun bitten die Ermittler erneut um Hinweise zu den Geschehnissen auf der Baustelle, beteiligten Personen oder Fahrzeugen. Diese nimmt die Polizei an ihrem Hinweistelefon unter der Rufnummer 040/4286-56789 oder in jeder Polizeidienststelle entgegen.juve