Intendantin Barbara Mundel wird die Münchner Kammerspiele definitiv verlassen. Das erklärte die Theaterchefin im Kulturausschuss des Münchner Stadtrats. Sie stehe für eine erneute Verlängerung ihrer Dienstzeit nicht zur Verfügung, sagte sie. Ihr Vertrag endet am 31. August 2028. Die Zeit bis dahin wolle sie mit ihrem Haus weiterhin erfolgreich gestalten. „Ich freue mich auf die verbleibenden zwei Jahre.“Mit der Erklärung Mundels dürften die Irritationen um die Besetzung der Intendanz eines der wichtigsten deutschen Theater weitgehend beendet sein. In ihrer persönlichen Erklärung stellte sie klar, dass „das öffentliche und politische Ränkespiel“ um die Zukunft der Kammerspiele einen Zustand erreicht habe, der für das Theater und seine Mitarbeitenden „unwürdig und nicht weiter tragbar“ sei. Es gehöre zu ihrer Verantwortung als Theaterchefin, Schaden vom Haus abzuhalten.Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger an der Spitze der Kammerspiele läuft schon seit Monaten. Im Februar und März hatte der Stadtrat eine Rückstellung von mehr als einer Million Euro für das Verfahren genehmigt. Am 1. Juli wurde die Ausschreibung der Stelle veröffentlicht. Gut zwei Wochen davor, am 11. Juni, hatte Mundel auf Nachfrage in einer Pressekonferenz zur kommenden Spielzeit erstmals öffentlich verkündet, dass sie sich eine Verlängerung ihres Vertrags vorstellen könnte. Sie sei offen für Gespräche.Das bestätigte und präzisierte die Intendantin in der SZ. Sie wolle gerne noch zwei Jahre dranhängen, sagte sie. Daran entzündete sich eine öffentliche Debatte, ob die Stadt München bei einer Spitzenpersonalie der deutschen Theaterlandschaft ausreichend kommuniziert habe und mit einer Institution wie den Kammerspielen achtsam genug umgehe. Ein Brief aus den Kammerspielen wurde öffentlich, in dem sich etwa 90 der 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für einen Verbleib Mundels aussprachen.Münchens Kulturreferent Marek Wiechers (parteilos) konterte, dass von einem nicht angemessenen Umgang mit der Intendantin und ihrem Haus nicht die Rede sein könne. Das wiederholte er auch im Stadtrat, als er nach Mundel das Wort ergriff. Es sei von außen ein „Narrativ“ gesetzt worden, dass die Stadt mit ihrer Intendantin „unterirdisch“ umgegangen sei. Dem wolle er „dezidiert entgegentreten“. Der Zeitplan sei allen Beteiligten bekannt gewesen, es habe bis zuletzt von keiner Seite ein Zeichen für eine mögliche Verlängerung des Vertrags gegeben.Die Beziehung zwischen Stadt und Intendantin war rückblickend nicht immer einfach. Mundels Beginn in München fiel in die Zeit der Corona-Pandemie, die Theater waren zu. Danach brachen die Besucherzahlen ein. Trotzdem verlängerte der Stadtrat 2022 vorzeitig den Vertrag bis 2028, auch, um ihr den Rücken zu stärken. Parallel trafen die Kammerspiele die Sparmaßnahmen der Stadt: Nach Angaben des Hauses beläuft sich die Summe seit 2021 auf elf Millionen Euro.Trotz dieser Probleme entwickelte Barbara Mundel ein starkes künstlerisches Profil für das Haus an der Maximilianstraße. Einladungen etwa zum Berliner Theatertreffen waren nahezu die Regel, zuletzt sogar mit gleich zwei Inszenierungen. Zudem zeichnen die Kammerspiele ein Alleinstellungsmerkmal aus: Es ist das erste Stadttheater, das Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung fest im Ensemble hat, dazu kommen jene mit körperlicher Beeinträchtigung. Diesen Kurs, erklärte Kulturreferent Wiechers, wolle die Stadt auch in der Zeit nach Mundel fortsetzen.
Münchner Kammerspiele: Intendantin Mundel wird das Theater 2028 verlassen
Die Theater-Intendantin beendet damit von sich aus die Debatten um eine mögliche Verlängerung ihres Vertrags. Eine Nachfolge wird bereits seit Monaten gesucht.






