Die Kammerspiele gelten als eines der wichtigsten Theater in Deutschland, doch in diesen Tagen sorgen sie nicht nur mit Schauspiel für Emotionen, sondern mit einer Spitzenpersonalie. Der Vertrag von Intendantin Barbara Mundel endet am 31. August 2028 und soll nicht verlängert werden. Hinter den Kulissen läuft längst die Suche nach einer Nachfolge, doch Mundel hätte nun auch Lust, noch zwei Jahre dranzuhängen.Sollte der Wechsel kommen, wird er nicht billig. Das Theater veranschlagt dafür mehr als eine Million Euro. Eine Summe, die Aufsehen erregt in Zeiten, in denen die Stadt so hart sparen muss, dass nicht zuletzt in der Kultur auch über fünfstellige Beträge diskutiert wird. Kulturreferent Marek Wiechers (parteilos) sieht dennoch keinen Grund zur Aufregung. „Es gibt keinen Skandal, keine Mittelverschwendung. Das ist ein ganz normaler Vorgang.“Damit reagiert er auf die harsche Kritik, die von den Linken im Rathaus vorgebracht wurde. „Rekordbesucherzahlen, hohe Auslastung, bundesweite Anerkennung – das sind Ergebnisse, von denen andere Häuser nur träumen können. Dass ausgerechnet jetzt ein teurer Neustart ansteht, ist nicht nachvollziehbar“, sagte ihre kulturpolitische Sprecherin Katharina Horn. „Eine Entscheidung von dieser Tragweite darf nicht im Verborgenen getroffen werden. Der Stadtrat wurde bislang nicht ausreichend eingebunden“, ärgerte sich Fraktionschef Stefan Jagel.Besondere Brisanz gewinnt der Wechsel dadurch, dass Intendantin Mundel in einer Pressekonferenz und zuletzt in der SZ Bereitschaft signalisierte, noch zwei Jahre zu verlängern. „Es ist ein wunderbares Haus, und ich kann mir eine Zusammenarbeit zum Beispiel bis 2030 gut vorstellen“, sagte sie.Verantwortlich für die deutschlandweit beachtete Theater-Personalie sind für die Verwaltung Kulturreferent Wiechers und für die Politik die neue Kulturbürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne). „Dass Barbara Mundel ihren Vertrag nach acht Jahren nochmal verlängern möchte, kam für uns überraschend und wurde leider nur über die Presse verkündet“, sagte Fuchs. Sie will das nicht als Vorwurf verstanden wissen, aber doch einordnen, dass eine Verlängerung davor auch von Mundels Seite aus kein Thema war.Ob wer mit wem darüber wann hätte sprechen können oder sollen, darüber hört man in der Stadtpolitik unterschiedliche Meinungen. Klar wird aber auch, dass zwar die Öffentlichkeit von der laufenden Suche überrascht wurde, nicht aber die Intendantin, deren Haus das Budget für die Suche einstellte und die Anzeige nach außen vergeben haben soll. Und auch nicht die Stadträtinnen und Stadträte, jedenfalls wenn sie ein Faible für Beschlussvorlagen haben, die gewöhnlich als Bekanntmachung diskussionslos zur Kenntnis genommen werden.Intern scheint darüber zumindest unter den großen Fraktionen Grüne, CSU und SPD schon lange Einigkeit über den Wechsel bestanden zu haben. Mundel wird zum Ende ihrer Intendanz immerhin 69 Jahre alt sein. Und nach acht Jahren sehen viele den richtigen Zeitpunkt, mit einer neuen Leitung wieder frische Ideen auf die Bühne zu holen. Nach anfangs harter Kritik an Mundel auch in der Politik betonen nun gerade nach den letzten, erfolgreicheren Spielzeiten Kulturreferent Wiechers und Bürgermeisterin Fuchs fast wortgleich ihre Wertschätzung für die Intendantin.Debatte:Wir werden uns noch wundernDer miserable Umgang der Münchner Politik mit der Kammerspiel-Intendantin Barbara Mundel passt in eine Zeit hohler Worte und Bekenntnisse. Wenn es ernst wird, sind Menschen und Institutionen nichts mehr wert in diesem Land.Während außerhalb der Politik Überraschung und in der Theaterszene bei manchen Verwunderung über die teils unter dem Radar laufende Ausschreibung herrscht, ist man im Rathaus stolz auf den Prozess. So transparent und so demokratisch habe München noch nie nach einer neuen Intendantin oder einem neuen Intendanten gesucht, heißt es hinter den Kulissen.Früher sei das ein Geheimprojekt des Kulturreferenten gewesen, so heißt es, der dann irgendwann seinen Favoriten präsentiert habe, den der Stadtrat gefälligst habe wählen sollen. Eine eigene Findungskommission unter Vorsitz von Bürgermeisterin Fuchs wurde diesmal eingerichtet, mit Experten und Vertretern der drei großen Fraktionen, unterstützt von einer Kulturberatungs-Firma. Die Kommission segnete in ihrer ersten Sitzung die Ausschreibung ab. Bereits im Februar hat der Stadtrat die gut eine Million Euro öffentlich beschlossen, die der Wechsel maximal kosten darf.Das Geld wird benötigt, um für wahrscheinliche Abgänge aus dem persönlichen Stab von Mundel Abfindungen zahlen zu können und dem oder der Neuen Gelegenheit zu geben, wichtige eigene Mitarbeiter mit ins Haus holen zu können und in der Vorbereitungszeit schon das erste eigene Programm forcieren zu können. Ein übliches Vorgehen und eine normale Summe für ein Haus dieser Bedeutung, heißt es.Die SPD werde Mundels Angebot zum Weitermachen „ergebnisoffen“ besprechen, sagte Kultur-Sprecher Lars Mentrup, Mitglied in der Findungskommission. Sein CSU-Kollege Leo Agerer hält, wie eher auch die Grünen, den Zeitpunkt für den Wechsel für gekommen. Auch mit dem Blick auf den Haushalt: Das aktuelle Sparprogramm der Kammerspiele läuft bis 2030 und muss wohl verlängert werden. Da müsse eine neue Leitung frühzeitig einbezogen und mit eigenen Ideen möglichst schnell gehört werden, sagte Agerer.