Die Gleichzeitigkeit der Dinge liefert immer wieder Gelegenheiten, seinen Teil zum kollektiven Dieser-schlimme-Druck-Lamento beizutragen. Manchmal ist es auch wirklich zu viel: Das Handy, die Kinder, die Arbeit und andere Stressoren zerstückeln den Versuch, das Abendessen zuzubereiten und dabei einem Podcast so weit zu folgen, dass es ein paar Gesprächsfetzen bis in die Sprachverarbeitungszentren des Gehirns schaffen. Und im Meeting werden Mails auf dem Smartphone bearbeitet und fix ein paar Insta-Reels durchgewischt, bevor sich die Aufmerksamkeit für einen theoretischen Augenblick dem Dienstgeschehen widmet. Es ist ein einziges mentales Gehüpfe und kognitives Gestolper.Die Fähigkeit zum Multitasking wäre demnach die Superheldenkraft der Gegenwart: Wer reibungslos zwischen konkurrierenden Aufgaben wechseln kann, ohne dabei des Wahnsinns Beute zu werden, ist im Vorteil. Dem Klischee nach verfügen Frauen eher über diese magische Gabe, wie André und Diana Szameitat in einer Studie im Fachjournal Psychological Research schreiben. Ob dieses Stereotyp wirklich zutrifft, daran herrschen große Zweifel – doch die beiden Psychologen fügen dem Forschungsstand eines hinzu: eine mögliche Klärung dafür, wie dieses Klischee zustande kommen könnte, zumindest in einem bestimmten Kontext. Denn in einem Experiment klinkten sich Männer häufiger aus als Frauen, wenn sie unter Stress auf eine Frage antworten sollten. Für Beobachter war dieses Schweigen der Grund, um die redseligeren Frauen als weniger gestresst und eher multitaskingfähig wahrzunehmen.Multitasking ist für beide Geschlechter schwer bis unmöglichDoch dieser Eindruck verträgt sich nicht mit dem Stand der Forschung. Bisher existieren keine überzeugenden Belege dafür, dass sich Männer und Frauen in dieser Hinsicht wesentlich unterscheiden würden. Multitasking ist vielmehr für beide Geschlechter schwer bis unmöglich. „Entscheidend für Leistungsunterschiede im simultanen Multitasking scheinen die Anforderungen der Aufgaben zu sein, nicht das Geschlecht“, sagt die Psychologin Sonja Breuer von der Universität Salzburg, die mit Kollegen eine Meta-Analyse zum Thema erstellt hat, für die 23 Studien mit mehr als 9000 Teilnehmern ausgewertet wurden.Ein Beispiel dazu liefert eine Arbeit aus Schweden, für die die Multitaskingfähigkeit angehender Piloten untersucht wurde. Dabei ergaben sich leichte Vorteile für Männer. Hinter diesen steckte jedoch etwas anderes: Unter ihnen waren mehr Probanden, die geübt darin waren, per Joystick durch einen virtuellen Raum zu navigieren. Es bedeutete demnach nichts für die Multitaskingfähigkeit, sondern wies darauf hin, dass Jungen häufiger Videospiele spielen und deshalb Übung in dieser Aufgabe haben.Ähnlich könnte es sich in der Studie von Szameitat verhalten: Die Leistungen von Frauen und Männern unterschieden sich in keiner Aufgabe außer in jener, in der eine Frage mitten in eine andere Tätigkeit hineingestellt wurde. Frauen antworteten häufiger, Männer seltener. Was das sagt? Sind Frauen vielleicht eher in solchen Situationen geübt oder Männer schneller genervt? Für die Beobachter war klar: Männer waren von der Gleichzeitigkeit der Aufgaben überfordert. Die Macht des Klischees ist groß.
Multitasking: Wer kann es besser, Männer oder Frauen?
Mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, ist für beide Geschlechter ähnlich schwierig. Doch Klischees beeinflussen Wahrnehmungen stark.







